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Die Russen sollen kommen Deutsche wollen dem "Nachtwolf" helfen

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"Nachtwolf"-Chef Alexander Saldostanow ist ein russisch orthodoxer Nationalist mit einer speziellen Biografie.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der russische Motorradclub "Nachtwölfe" will einen zweiten Versuch wagen, nach Berlin zu kommen. Deutsche Biker schmieden ganz große Pläne, um dabei zu helfen. Gesetze spielen für sie keine Rolle.

Sie wollen nach Berlin, koste es, was es wolle. Am Montag haben polnische Zollbeamte Mitglieder des russischen Motoradclubs "Nachtwölfe" gestoppt. Doch die Männer wollen Medienberichten zufolge einen zweiten Versuch wagen - zur Not auf Umwegen über die baltischen Staaten und Finnland. Dann gilt es, die nächsten Widerstände zu durchbrechen. Wie Polen droht auch Deutschland mit Einreisesperren für die Putin-treue Truppe.

Doch auch vielen Deutschen sind alle Mittel recht, wenn es darum geht, dass die "Nachtwölfe" es bei ihrer "Siegesfahrt" nach Berlin schaffen. "Wir machen den Weg frei", schreibt Jörn B. bei Facebook und fängt an zu phantasieren: "Mindestens 3000 Menschen" bilden an der deutschen Grenze einen Korridor und schleusen die "Nachtwölfe" ins Land. "Jetzt zeigt sich, ob wir ein ernstzunehmender Gegner für die Regierung sind oder so gebrochen, dass wir kein Rückgrat mehr haben."

B. hat eine Veranstaltung bei Facebook erstellt. "Die Nachtwölfe kommen nach Berlin... und das ist gut so", heißt es auf der Seite. Im Kern handelt es sich um einen Aufruf, sich dem Konvoi auf seinen Tour-Stationen in Deutschland anzuschließen. Dabei geht es auch darum, Solidarität zu Russland zu demonstrieren und gegen die "Kriegstreiber der Nato" zu wettern. Angesichts der Widerstände, auf die die "Nachtwölfe" stoßen, machen sich die Teilnehmer auf der Seite aber auch schon Gedanken darüber, was sie tun sollten, wenn "Murksel und ihre Schergen" - gemeint sind Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihre Große Koalition - bei ihrem Einreiseverbot bleiben sollten.

Hunderte Zusagen

Mehr als 4000 Leute hat B. zu seiner Veranstaltung eingeladen. Knapp 300 haben bereits zugesagt. Ein anderer Facebook-Nutzer hat ein ähnliches Event erstellt und rund 2800 Menschen eingeladen. Zusagen: knapp 800. Eingeladen sind Leute wie der Verschwörungstheoretiker und Compact-Chefredakteur Jürgen Elsässer, das Mitglied der rechtsradikalen Partei "Die Rechte", Alexander Kurth. Auch Vertreter der kapitalismuskritischen Blockupy-Bewegung sind zu finden, Anhänger der Friedensdemos, vor allem aber viele unbekannte Bürger.

Dass er mit seinem Vorschlag, einen Korridor an der deutschen Grenze zu bilden, offen zum Rechtsbruch aufruft, ist B. offensichtlich egal. Rechtstaatlichkeit scheint ohnehin nicht so seine Sache zu sein. Ein kritischer Nutzer schreibt in einem Post: "Entschuldigung, aber habt ihr euch mal etwas genauer angesehen, wer zum Beispiel der Chef dieser Wölfe eigentlich ist?" B.'s Antwort: "… die Nachtwölfe sind keine Kuscheltruppe, und zumindest ich habe damit kein Problem." Er fügt hinzu: "Wer damit nicht umgehen kann, geht in die Tanztruppe."

Der Chef der Nachtwölfe ist der 53 Jahre alte Alexander Saldostanow. Ein russisch-orthodoxer Nationalist, der den rund 5000 Mann starken Rockerclub in eine private Leibgarde des russischen Präsidenten verwandelt hat. Saldastonows Männer unterstützen zudem die Separatisten in der Ostukraine im Kampf gegen Kiew. Deshalb landete Saldostanow auch auf der Sanktionsliste der USA. Mit der Bewegung Anti-Maidan geht er gegen die russische Opposition und den westlichen Einfluss auf das Land vor, obendrein stehen er und seine Rocker für eine ausgeprägte Homophobie.

In Berlin ist Saldostanow schon lange bekannt. In den 1980er Jahren arbeitete er als Türsteher in einem Rocker-Club im Stadtteil Schöneberg. Weil er bei dieser Arbeit in einen Überfall verwickelt wurde, schaffte er es in die Lokalpresse. Er gab einem der Angreifer eine derart heftige Kopfnuss, dass Ärzte Saldostanow später dessen Zähne aus dem Kopf schneiden mussten.

"Murksel aushebeln"

Für B. steht fest: Selbst wenn es die "Nachtwölfe" nicht nach Deutschland schaffen, wird ihre "Siegesfahrt" ein Erfolg. Der ursprüngliche Plan der Biker war es, auf den Spuren der Roten Armee nach Berlin zu fahren, um der Menschen zu gedenken, die im Kampf gegen Nazi-Deutschland ihr Leben verloren haben. Der Höhepunkt: Ein Besuch des russischen Denkmals im Treptower Park am 9. Mai.

Sollten die Nachtwölfe schon an der polnischen Grenze scheitern, so B., würden polnische und deutsche Biker die Tour beenden. Und wieder fängt er an zu phantasieren: "Stell dir doch einmal vor, gaaaaanz viele Biker, Horden, alle stinksauer, mindestens 2000 Biker, die an der Grenze erscheinen und bei der Kranzübergabe der polnischen Biker an die deutsch-russische Bruderschaft dabei sind." B. fügt hinzu. "Und in Berlin alle zusammen, dann noch eine Liveschaltung zu den Feierlichkeiten in Moskau. Das ist als ob die Nachtwölfe dabei wären, sind sie auch live in Moskau."

Eine Reihe von Nutzern ist elektrisiert. Sie versprechen, dabei zu sein, um die "Helden der Roten Armee" zu feiern. Sie organisieren Mitfahrgelegenheiten und planen freie Tage. B. schreibt: "Wir hebeln Murksel einfach aus, die kann sich ihr Verbot dezent in den Arsch schieben."

Quelle: n-tv.de

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