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CO2-Ausstoß sinkt nicht mehr Deutschlands Klimaziele sind in Gefahr

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Ein Braunkohlebagger von RWE schaufelt im nordrhein-westfälischen Tagebau Inden bei Düren Erdreich.

(Foto: dpa)

Um 35 Prozent will die Bundesregierung den deutschen Treibhausgasausstoß bis 2020 reduzieren. Doch auch dieses bereits nach unten korrigierte Ziel rückt laut einer Studie in weite Ferne. Unter anderem, weil die Luftverschmutzung auf den Straßen zunimmt.

Deutschland droht seine Klimaziele drastisch zu verfehlen. Ohne zusätzliche Maßnahmen dürfte der Treibhausgasausstoß bis 2020 lediglich um 30 bis 31 Prozent verringert werden, steht in einer neuen Studie der Denkfabrik Agora Energiewende. Die Bundesregierung war bislang von einer Verringerung von immerhin 35 Prozent verglichen mit 1990 ausgegangen. Wiederholt zugesagt war sogar eine Reduzierung um mindestens 40 Prozent.

Nach den Zahlen von Agora Energiewende dürfte Deutschland 2020 etwa 120 Millionen Tonnen CO2 zu viel ausstoßen, wenn nicht noch zusätzlich gegengesteuert wird. Als Ursachen nennt die Klima-Stiftung das Ausmaß der Kohleverstromung, mehr Straßenverkehr, ein stärkeres wirtschaftliches Wachstum sowie einen Rückstand bei der energetischen Gebäudesanierung.

Drei Jahre lang keine Verbesserung

"Ein deutliches Verfehlen des Klimaschutzziels würde dem internationalen Ansehen Deutschlands erheblich schaden", warnen die Experten der Denkfabrik. Dies sei nicht nur schlecht für das Klima, sondern würde "auch die deutsche Vorreiterrolle international grundlegend in Frage stellen".

Die neue Bundesregierung müsse daher "kurzfristig deutlich nachlegen", fordert Agora Energiewende. De facto wurden die Emissionen der Studie zufolge in den vergangenen drei Jahren überhaupt nicht mehr reduziert, im Verkehr gibt es sogar verglichen mit 1990 einen Zuwachs.

Das Bundesumweltministerium erklärte, es sei klar, "dass zu Beginn der kommenden Legislaturperiode noch einmal kräftig nachgesteuert werden muss". Dies gelte auch für die Arbeit an einem "Kohleausstiegspfad". Zudem müssten die Zubauraten bei den erneuerbaren Energien "deutlich erhöht werden" und die Elektrifizierung des Verkehrs mit "mehr Tempo" erfolgen. Ein Sprecher wies aber auch darauf hin, dass das Ministerium "die äußerst negative Einschätzung der Agora Energiewende nicht teilt".

Kritik von allen Seiten

Der Umweltverband BUND warf der Bundesregierung ein "klimapolitisches Versagen auf ganzer Linie" vor. Ursache sei deren "Angst vor der Kohle- und Auto-Lobby", hieß es. Greenpeace kritisierte: "Während Monsterstürme einen Vorgeschmack auf das drohende Klimachaos geben, versagt ausgerechnet das Energiewendeland Deutschland" bei der CO2-Minderung, kritisierte Karsten Smid von Greenpeace. Der WWF Deutschland forderte nach der Bundestagswahl ein Sofortprogramm, "in dessen Mittelpunkt die schnelle Abschaltung der Uralt-Kohlekraftwerke steht".

Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir verwies auf die Forderung seiner Partei, nach der Wahl die 20 schmutzigsten Kohlekraftwerke umgehend vom Netz zu nehmen. Besonders im Verkehrsbereich hinterließen Union und SPD einen "klimapolitischen Totalschaden". Damit liefere Deutschland nicht das, was das Land im Pariser Klimaschutzabkommen versprochen habe.

"Die Klimaschutzpolitik der Bundeskanzlerin zerplatzt wie eine Seifenblase", erklärte auch die Eva Bulling-Schroeter von der Linken. Allerdings stand die Linkspartei zuletzt selbst wegen Rücksichtnahme auf die Braunkohlewirtschaft in der Kritik.

Quelle: n-tv.de, chr/AFP

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