Politik

"Ibiza 2" vor den Neuwahlen FPÖ versinkt im Chaos, Kurz im Geilomobil

NEU-Header-LOGO2.jpg

Servus und herzlich Willkommen zur aktuellen Ausgabe von "Jetzt ist schon wieder was passiert", dem Österreich-Newsletter bei n-tv.de!

Die "John Otti Band" wird heute Nachmittag dabei sein, wenn die FPÖ in Wien ihr Wahlkampffinale abhält - aber was soll die FPÖ-Hauskapelle bloß spielen? "Wir wollen den HC sehn'n" wohl eher nicht und auch der Schunkler "Wir sind eine große Familie" dürfte nicht so gut ankommen, schließlich hängt der Haussegen ganz gewaltig schief bei der FPÖ. Das langjährige Oberhaupt Heinz-Christian Strache hat sich zum schwarzen Schaf entwickelt - und ausgerechnet in der Woche vor den Neuwahlen beschert er seiner Partei nach Ibiza den nächsten Skandal.

In diesem Newsletter werfen wir einen Blick auf das explosive FPÖ-Gemisch aus Machtspielen, Rachegelüsten und Indiskretionen. Außerdem: ein letztes Update, bevor Sonntagfrüh die Wahllokale öffnen. Übrigens: Es sind die fünften Parlamentswahlen in Österreich seit der Jahrtausendwende - und schon die dritten vorgezogenen Neuwahlen.

ö-anf.neu.5.jpg

Häfn: Gefängnis

Um es mit Nachrichten-Urvieh Ron Burgundy aus "Anchorman" zu sagen: "Well, that escalated quickly." Am Montag wurde bekannt, dass die FPÖ Spesenbelege ihres Ex-Chefs Heinz-Christian Strache prüft. Nach und nach sickerten Details durch, die nahelegen, dass der Kämpfer für den "kleinen Mann" auf großem Fuß gelebt hat - auf Kosten der Partei. Von Spesen in Höhe von 40.000 Euro ist die Rede, nicht immer sollen sie korrekt abgerechnet worden sein. Gegen Strache, seinen Bodyguard und seine Sekretärin läuft ein Verfahren wegen Veruntreuung von Parteigeldern, darauf stehen bis zu drei Jahre Gefängnis.

Der Leibwächter Straches, Oliver R., wurde Montag festgenommen und erst Mittwoch freigelassen, nach einer "Lebensbeichte", wie es heißt. Die könnte es in sich haben: In der Anzeige gegen Strache geht es u.a. um Sporttaschen voller Geldbündel, gefüllt von osteuropäischen Oligarchen. Oliver R. spielt offenbar auch in der Ibiza-Affäre eine Schlüsselrolle: Er soll jahrelang Kompromat gesammelt haben. Angeblich aus Rache, weil Strache ihn wegen einer Krankheit fallenließ. Auf Basis der Schnüffel-Arbeit von Oliver R. soll ein Wiener Anwalt Strache die Ibiza-Falle gestellt haben - zu welchem Zweck, ist immer noch unklar.

Wenn die Hintermänner Strache politisch erledigen wollten, dürften sie das vorerst geschafft haben: Am Dienstag nach der Wahl tagt die Wiener Landespartei, alles andere als ein Parteiausschluss wäre eine Überraschung. Vor der Wahl will Neu-Parteichef Norbert Hofer die heikle Personalie natürlich nicht anfassen, es reichen schon die desaströsen Schlagzeilen wie "Bei den Blauen brechen die Dämme" und "FPÖ in Aufruhr: Das ist ein Ibiza 2 für uns". Irgendwie über den Sonntag retten, so lautet jetzt die Devise.

Und dann? Kommt die Partei nicht zur Ruhe, dürfte Sebastian Kurz wenig Lust verspüren, erneut mit der FPÖ zu koalieren. Selbst Straches Rausschmiss löst aber nicht alle Probleme: Seine Frau kandidiert am Sonntag auf einem sicheren Listenplatz für die FPÖ und sitzt bald auf blauem Ticket im Parlament. Und Strache selbst hat genug Unterstützung und Strahlkraft, um bei der wichtigen Wahl in Wien 2020 mit einer eigenen Liste "seiner" FPÖ so richtig weh zu tun. Egal, was Hofer tut: Es ist eine Lose-Lose-Situation für die FPÖ.

fundstück.neu.6.jpg

Oldie but Goldie: 2010 tauchte ein gewisser Sebastian Kurz erstmals in der breiten Öffentlichkeit auf. Und wie. Mit dem "Geilomobil" tourte der damals 24-jährige JVP-Chef durch den Wiener Wahlkampf und brachte seine, nun ja, Botschaft unter die Leute. Dem Internet sei Dank für alle Zeiten festgehalten: "Schwarz macht geile Politik, Schwarz macht geile Partys und Schwarz macht Wien geil."

Das "Geilomobil" war übrigens ein - natürlich schwarzer (damals war die ÖVP noch schwarz, vor zwei Jahren hat Kurz sie Türkis umgefärbt) - Hummer. Den würde heute offiziell so gut wie niemand mehr geil finden, auch nicht Kurz selbst. Seine ÖVP hat auf der abschließenden Parlamentssitzung vor der Wahl am Donnerstag noch schnell gemeinsam mit allen Parteien außer der FPÖ den Klimanotstand für Österreich ausgerufen. Grüne Klappe, wenig dahinter: Man muss kein großer Pessimist sein, um zu vermuten, dass mit diesem Papier schon bald der Weg zur Hölle gepflastert wird.

Ein Team aus Klimaexperten hat gerade die Konzepte der Parteien geprüft. Die Fragestellung: Lassen sich mit den Vorschlägen die Pariser Klimaziele erreichen? Gute Noten erhielten nur die Kleinparteien, also Grüne, Liste Jetzt und die Neos. Am schlechtesten schnitt die FPÖ ab, die ÖVP erhielt die Bewertung "wenig im Einklang" mit den Klimazielen. Oder anders gesagt: Ziemlich ungeil.

k-k.neu.jpg

++ Weil Arbeiter versehentlich eine Gasleitung anbohrten, ist in St. Jodok am Brenner ein Supermarkt explodiert. Elf Personen wurden verletzt, eine 91-Jährige konnte nur tot aus den Trümmern geborgen werden. ++ Eine weitere Folge in der beliebten Serie "Schlechte Verlierer in Österreichs Fußball": Sturm Graz' Trainer Nestor El Maestro (sic!) schlug nach einem 3:3 in Mattersburg dem Schiri den Ball aus der Hand, trat im Kabinentrakt gegen eine Wand und verfiel im Interview in Weltschmerz: "Am liebsten würde ich nach Hause gehen, es macht keinen Spaß, es gibt ja auch kein großes Schmerzensgeld hier." ++ Die bislang älteste Österreicherin ist tot: Im Alter von 111 Jahren verstarb Anna Wiesmayr in einem Seniorenheim in Linz.

Newsletter abonnieren

Sie möchten keinen Newsletter verpassen? Wenn Sie sich hier in den Mail-Verteiler eintragen, landet er zuverlässig jeden Freitag in Ihrem Postfach.

++ 106 Jahre alt wurde Marko Feingold, der älteste Holocaust-Überlebende Österreichs, der vergangene Woche verstarb. Er gab sein Wissen als Zeitzeuge bis ins hohe Alter weiter, Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka ehrte ihn als "Symbolfigur, der nicht müde wurde, seine Erfahrungen weiterzutragen und eine mahnende Stimme zu sein." ++ Mit dem Aus für Thomas Cook ist auch Thomas Cook Austria Geschichte, die österreichische Konzerntochter meldet Konkurs an. Dabei stehen den Passiva von 38 Millionen Euro noch Aktiva von ebenfalls 38 Millionen Euro gegenüber – es handelt sich aber um offene Forderungen gegenüber dem Mutterkonzern. ++

Das war der letzte Newsletter vor der Wahl am Sonntag. Am Samstag begleite ich in Wiener Neustadt noch das Wahlkampffinale von Sebastian Kurz, die Reportage lesen Sie Sonntagfrüh auf n-tv.de.

Falls Sie Kritik, Wünsche oder Anregungen anbringen möchten, schreiben Sie mir gern eine Mail.

Servus und Baba, bis nächsten Freitag

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema