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"Das Duell" bei n-tv zum Bahnstreik GDL will "Druck auf Bahn erhöhen"

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Bis zum frühen Morgen ruhen die Züge der Deutschen Bahn.

(Foto: picture alliance / dpa)

In der Nacht stehen die Züge still, Reisende bekommen den Arbeitskampf der Lokführer zu spüren: GDL-Chef Weselsky wirft der Bahn vor, den laufenden Streik provoziert zu haben. In der n-tv-Sendung "Das Duell" spricht er von einem "perfiden Spiel".

Claus Weselsky, der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL), hat kurz vor Beginn des flächendeckenden Bahnstreiks weitere Streikmaßnahmen nach dem Beginn der Auseinandersetzung angekündigt. "Wir werden im Arbeitskampf den Druck auf die Deutsche Bahn erhöhen", sagte Weselsky in "Das Duell bei n-tv" (Thema: "Lokführer-Streik: Arbeitskampf oder Erpressung?"). Seit 21.00 Uhr haben die Lokführer zunächst für neun Stunden ihre Arbeit bundesweit niedergelegt.

"Kein Fahrgast muss im Zug übernachten"

Der Streik war von der GDL am Dienstagmorgen angekündigt worden. Weselsky zeigte sich dennoch überzeugt, dass sich die Fahrgäste auf den Streik einstellen konnten: "Die Menschen sind nicht dumm – sondern sie reagieren darauf. Wenn sie wissen, die Eisenbahn fährt nicht, dann fahren sie – soweit es möglich ist – nicht mit der Eisenbahn."

Außerdem sicherte Weselsky zu, dass die Fahrgäste nicht auf der sprichwörtlichen Strecke bleiben würden: "Niemand muss nachts in den Zügen übernachten – weil unsere Zugführer diszipliniert an die Bahnsteige heranfahren, die Züge offen lassen und wenn es sein muss, sogar auf den Zügen bleiben."

Weselsky warf der Bahn vor, den Streik provoziert zu haben, um ein negatives Klima gegen die Spartengewerkschaft zu schaffen und so die Regierung dazu zu bringen, ein Gesetz zur Tarifeinheit zu verabschieden.

 "Hier läuft ein ganz perfides Spiel: Das Management verweigert sich den inhaltlichen Verhandlungen mit der GDL, treibt uns in die Auseinandersetzung, um am Ende des Prozesses dann zu behaupten, die GDL macht eine organisationspolitische Auseinandersetzung. Das Thema ist durch, wir haben die Mitglieder." Deren Unterstützung hat Weselsky: In einer Abstimmung votierten 91 Prozent der GDL-Mitglieder für den Streik.

Weselsky kritisierte die Pläne von Arbeitsministerin Nahles, ein Gesetz zur Tarifeinheit vorzulegen. Das würde bedeuten, dass Tarifabschlüsse nur noch von den mitgliederstärksten Gewerkschaften einer Branche ausgehandelt werden – im Eisenbahnwesen wäre dies die im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) organisierte Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Dies würde das Aus für kleine Berufsgewerkschaften wie die GDL bedeuten.

"Unheilige Allianz zwischen DGB und BDA"

Weselsky warf dem DGB vor, mit dem Arbeitgeberverband gemeinsame Sache zu machen: "Seit 2010 schwebt das Damoklesschwert der angeblichen Tarifeinheit über Berufsgewerkschaften wie uns. Seit 2010 gibt es eine unheilige Allianz zwischen DGB und BDA. Wenn ich die BDA betrachte, dann verstehe ich das. […] Wen ich nicht verstehe, ist der DGB. Der will sich Konkurrenz vom Halse schaffen, obwohl er weiß, dass er in einigen Bereichen gar nicht in der Lage ist, zu organisieren."

Vorwürfe, der Streik treffe nicht die Deutsche Bahn, sondern die Fahrgäste, kanzelte Weselsky ab: "Die Frage, ob beim Streik der Lokführer Menschen beeinträchtigt werden, die haben die Politiker 1993 beantwortet – als sie entschieden haben, die Bahn zu privatisieren."

Weselsky warf der Bundesregierung in diesem Zusammenhang Unredlichkeit im Umgang mit den Bahnbeschäftigten vor: "Zuerst privatisieren wir, und dann sagen wir, das Eisenbahnverkehrsmittel muss rund um die Uhr uneingeschränkt zur Verfügung stehen. Wenn man die Lokomotivführer und die Zugbegleiter zu Tarifkräften gemacht hat – und das hat man getan – dann kann man ihnen nicht gleichzeitig mit einer Märchengeschichte anschließend das Streikrecht entziehen, wenn sie ihre Rechte wahrnehmen."

Die GDL sucht den Schulterschluss mit Cockpit, der ebenfalls sehr einflussreichen Berufsgewerkschaft der Piloten. "Wir sind spannenderweise genau an der Stelle angelandet, wo zwei Berufsgewerkschaften von zwei großen Arbeitgebern gezielt provoziert werden, in eine Arbeitskampfsituation getrieben werden, damit die selbsterfüllende Prophezeiung zum Tragen kommen kann: Nämlich weil wir streiken, muss ein Gesetz her. Das finde ich ganz bemerkenswert", sagte Weselsky.

Indirekt kündigte Weselsky an, dass die Züge am Mittwoch und am Donnerstag wieder regulär fahren werden – denn für diese Tage hat bereits die Pilotengewerkschaft Cockpit Warnstreiks angekündigt. "Die Abstimmung zwischen Herrn Schulz und mir – als Cockpit und GDL – machen wir deshalb, weil wir eben nicht zwei Verkehrsmittel der Öffentlichkeit entziehen wollen – das heißt, die Alternativen noch stärker einzuschränken. Das bleibt dabei", sagte Weselsky.

Quelle: n-tv.de

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