Politik

Nicht angemessen reagiert Künast relativiert ihren Tweet

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Künast' Parteikollege Özdemir meint dazu, es sei gut, erstmal nachzudenken, bevor man schreibt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Grünen-Politikerin Künast will weiterhin Fragen zum Waffeneinsatz der Polizei stellen - trotz der Kritik an ihrem Kommentar nach der Axt-Attacke von Würzburg. Gleichwohl lenkt sie ein, dass ein Tweet nicht zu einer angemessenen Reaktion tauge.

Die Grünen-Politikerin Renate Künast hat nach einer Äußerung zu der mutmaßlich islamistischen Attacke in einem Regionalexpress bei Würzburg heftige Kritik einstecken müssen. Auf Twitter stellte Künast am späten Montagabend die Frage, warum der Täter von der Polizei erschossen worden sei. "Tragisch und wir hoffen für die Verletzten. Wieso konnte der Angreifer nicht angriffsunfähig geschossen werden???? Fragen!", schrieb sie.

Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, sagte der "Saarbrücker Zeitung", der Vorgang werde von der Staatsanwaltschaft untersucht und dann werde ein Urteil gefällt. "Da brauchen wir die parlamentarischen Klugscheißer überhaupt nicht." Es sei unerträglich, wenn Politiker wie Künast erklären würden, wie ein Polizeieinsatz verlaufen müsse, fügte Wendt hinzu.

Künast gab später zu erkennen, dass sie die Aufregung über den Tweet nicht verstehe. Diese Fragen müssten erlaubt sein, auch die Landeskriminalämter und die Justiz täten dies. Man müsse damit umgehen, dass einerseits ein Täter gestoppt werden müsse. Andererseits müsse danach der konkrete Einsatz der Schusswaffe aufgeklärt werden, sagte Künast. "Auch deshalb gehört der Job des Polizisten zu den schwierigsten und ich habe großen Respekt davor."

Sie räumte allerdings auch ein, dass ein Tweet "offenbar viel zu kurz" sei, "um auf so eine gewalttätige Attacke angemessen zu reagieren". Die von ihr ausgedrückte Sorge um die Verletzten sei ehrlich empfunden.

Künast erntete auch Kritik aus den eigenen Reihen. "Es ist immer gut wenn man bei Twitter erst mal nachdenkt, bevor man irgendwas schreibt", sagte Parteichef Cem Özdemir RTL. "Was sollen denn Polizisten machen, wenn sie angegriffen werden?"

FDP redetet von Multikulti

Der stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Wolfgang Kubicki sagte, die Grünen müssten sich "in dieser Frage definitiv einer kritischen Prüfung unterziehen". Mit einer "politischen Lösung à la friedlichem Multikulti" sei nichts auszurichten, wenn radikalisierte Menschen mit Tötungsabsicht auf andere zustürmen.

Die CSU warf Künast sogar, sich auf die Seite des Täter zu stelle: "Die afghanische Axt-Attacke ist schrecklich und zutiefst zu verurteilen. Die Grüne Renate Künast stellt sich auf die Seite des Täters. Das ist pervers. Für die CSU gilt: Opferschutz vor Täterschutz", sagte Generalsekretär Andreas Scheuer. Dessen Parteikollege, Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, verteidigte den Schusswaffeneinsatz der Beamten. Dass der junge Mann offenbar während der Flucht noch weitere Menschen angriff, zeige, dass es richtig gewesen sei, ihn aufzuhalten.

Künast kündigte an, weiterhin Fragen zum Waffeneinsatz der Polizei stellen - trotz der Kritik an ihrem Kommentar. "Fragen nach dem Einsatz der Waffen gehören aber dazu und ich werde sie weiter stellen", sagte die Bundestagsabgeordnete.

Nach Polizeiangaben hatte ein 17-jähriger Flüchtling aus Afghanistan am Montagabend Fahrgäste in einem Regionalexpress angegriffen. Bei der Axt- und Messerattacke waren mindestens fünf Menschen schwer verletzt worden, vier davon schwer. Die Behörden prüfen einen islamistischen Hintergrund.

Quelle: ntv.de, ppo/AFP/dpa