Politik

US-Strategie in Nordkorea Merkel: Deutschland nicht automatisch dabei

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"Nein, nicht automatisch": Angela Merkel sieht Deutschland im Fall einer Eskalation des Nordkoreakonflikts nicht unbedingt in der Pflicht.

(Foto: REUTERS)

Im Falle eines Angriffs der USA auf Nordkorea wird es keine blinde Gefolgschaft der Bundeswehr geben. Bei einem etwaigen Militärschlag gegen das Regime in Pjöngjang sieht Kanzlerin Merkel Deutschland nicht an der Seite der Amerikaner.

Deutschland stünde im Kriegsfall um Nordkorea nach Worten von Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht automatisch an der Seite der USA. "Ich sehe für Nordkorea keine militärische Lösung", sagte Merkel bei einem Auftritt in Berlin. "Ich halte das für falsch. Die diplomatischen Mittel sind bei Weitem nicht ausgeschöpft."

Merkels Worten zufolge wird das so offenbar auch in Washington gesehen. Neben den militärischen Drohungen würden auch die USA derzeit "eine Vielzahl diplomatischer Aktivitäten" entfalten. Auf die Frage, ob Deutschland im Kriegsfall automatisch an der Seite der USA stünden, sagte Merkel: "Nein, nicht automatisch." Sie sehe aber derzeit keine Kriegsgefahr.

"Sehe keine militärische Lösung"

Generell gelte, fügte Merkel hinzu, dass die Europäer ihre Zusammenarbeit mit den USA nicht in Zweifel ziehen sollten. Im Nordkorea-Konflikt dürfe man Ursache und Wirkung nicht vergessen. Die Gefahr gehe vom nordkoreanischen Atomprogramm aus, betonte die Kanzlerin. Auf etwaige Bündnisverpflichtungen im Rahmen der Nato ging Merkel im Gespräch mit dem "Handelsblatt" nicht näher ein. Diese sehen im Fall eines Angriffs auf ein Nato-Mitglied gegenseitigen Beistand vor.

Länder wie China, Japan oder Südkorea hätten ein hohes Interesse daran, den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un in die Schranken zu weisen, sagte sie. Europa habe mit Blick auf Nordkorea keine direkten Interessen, aber vielfältige Beziehungen zu China, Russland, den USA oder asiatischen Staaten.

"Wir sollten uns mehr einbringen"

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Provokanter Kurs: Kim Jong Un informiert sich in der "Akademie für Verteidigungswissenschaft" über den Bau von weitreichenenden Feststoffraketen.

(Foto: AP)

Eine deutsche Vermittlerrolle in der Auseinandersetzung zwischen den USA und Nordkorea lehnte Merkel zwar ab. Sie sprach sich aber für ein stärkeres diplomatisches Engagement der Europäischen Union aus. "Wir können und sollten uns da noch mehr einbringen", meinte die CDU-Vorsitzende. Eine besondere Rolle Deutschlands sehe sie dabei aber nicht.

Trotz verschärfter Sanktionen will Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un das umstrittene Raketenprogramm des Landes vorantreiben. Kim habe das Institut für chemische Materialien der Akademie für Verteidigungswissenschaft angewiesen, die Produktion von Festtreibstoff-Raketentriebwerken und Raketen-Gefechtsköpfen zu erhöhen, berichteten nordkoreanische Staatsmedien.

Kim Jong Un gießt Öl ins Feuer

Bei einem Inspektionsbesuch in dem fraglichen Institut habe sich Kim besonders über die Herstellung von Sprengköpfen für Interkontinentalraketen (ICBM) und Festtreibstoff-Motoren unterrichten lassen, hieß es. Nordkorea, das Washington eine feindselige Politik unterstellt, arbeitet an der Entwicklung von Raketen, die die USA erreichen können. Festtreibstoff-Raketen sind in der Regel schneller gefechtsklar, weil sie nicht erst kurz vor dem Start betankt werden müssen.

Als Reaktion auf zwei ICBM-Tests im Juli hatte der UN-Sicherheitsrat die bislang schärfsten Wirtschaftssanktionen gegen Nordkorea verhängt. US-Präsident Donald Trump drohte wenige Tage später der kommunistischen Regierung in Pjöngjang "Feuer und Zorn" an, was angesichts der atomaren Bewaffnung beider Länder für erhebliche Beunruhigung gesorgt hatte. Nordkorea drohte zeitweise damit, Raketen in Richtung der US-Pazifikinsel Guam abzufeuern.

Quelle: ntv.de, mmo/DJ/dpa/rts