Politik

Im Vergleich zu 2017 So wanderten die Wähler

250953977.jpg

Die Machtverhältnisse sind nicht mehr die von 2017: Millionen Stimmen sind gewandert.

(Foto: picture alliance / FotoMedienService)

Diese Wahl hat gezeigt: Es herrscht Bewegung im Parteiensystem. Millionen Menschen wählen 2021 eine andere Partei als noch 2017. Bei der Wählerwanderung gibt es Gewinner und Verlierer. Besonders zwei Parteien müssen herbe Verluste hinnehmen.

Die Gewinner: SPD und Grüne

Mit einem vorläufigen Stimmenanteil von 25,7 Prozent ist die SPD Gewinnerin des Wahltags. Das geht vor allem zulasten von CDU, CSU und Linken. Sie überzeugte fast zwei Millionen ehemalige Unions-Wähler und 820.000 Linke. Auch über 1,2 Millionen frühere Nichtwähler entschieden sich bei dieser Wahl für die SPD. Kanzlerkandidat Olaf Scholz sagte im ZDF: "Ich finde, das Wahlergebnis ist sehr eindeutig, die SPD hat diese Wahl gewonnen. Die meisten wünschen sich, dass ich der nächste Regierungschef werde."

Verluste brachten der SPD allerdings vor allem die Grünen. Diese belegen mit 14,8 Prozent Stimmenanteil den dritten Platz bei der Wahl. Sie konnten von allen anderen Parteien Stimmen abzweigen: über eine Million Stimmen von der Union, 960.000 von der SPD und über 600.000 von den Linken. Auch frühere FDP-, Nicht- und sogar AfD-Wähler konnten sie für sich gewinnen.

Grünen-Chef Robert Habeck reagierte auf das Ergebnis mit gemischten Gefühlen. Er sagte bei ntv: "Nein, wir freuen uns schon über die Zugewinne, das ist ein ordentlicher Sprung, auch in der Entwicklung der Partei. Aber klar, ganz so groß ist der Jubel nicht, wir hatten anderes vor, wir wollten über die 20 sein, wir wollten die eins sein, wir wollten das Kanzleramt erobern. Also, so richtig ein Jubel-Ergebnis ist es nun auch nicht."

*Datenschutz

Die Verlierer: Union und Linke

Wenig Grund zur Freude hatte die Union. Sie mussten herbe Verluste hinnehmen. Besonders viele Stimmen wanderten von ihr zur SPD. Auch die Grünen und FDP profitierten von den ehemaligen Unions-Wählern und -Wählerinnen. Über eine Million Menschen, die 2017 noch CDU/CSU wählten, erschienen nun gar nicht erst zur Wahl. Außerdem sind seit 2017 knapp eine Million Menschen gestorben, die vorher CDU/CSU gewählt haben. Zum Vergleich: Bei der SPD sind es fast 700.000, bei den Grünen nur etwa 160.000, die sie vor ihrem Tod gewählt haben. Einzig gegenüber den Linken und der AfD verzeichnete die Union ein Plus: Es wanderten einige Zehntausend Stimmen mehr zu CDU/CSU hin als ab. Insgesamt hat die Union einen Stimmenverlust von rund 3,3 Millionen im Vergleich zu 2017 zu beklagen. Unions-Kanzlerkandidat Laschet kommentierte das Ergebnis in der Elefantenrunde so: "Erst mal ist es natürlich ein Verlust an Stimmen, der nicht schön ist. Wir haben eine Situation erlebt, dass Angela Merkel das erste Mal seit 16 Jahren nicht mehr angetreten ist. Niemand hatte einen Amtsbonus."

Auch die Linke geht als eine Verliererin aus der Wahl hervor. Mit 4,9 Prozent scheitert die Partei knapp an der Fünf-Prozent-Hürde, zieht aber dank dreier Direktmandate dennoch in den Bundestag ein. Hunderttausende Wähler wanderten vor allem zur SPD und zu den Grünen. Über eine halbe Million frühere Linke-Unterstützer blieben zu Hause. "Das ist für uns heute ein enttäuschender Abend. Die Ursachen liegen nicht in einem Wahlkampf, sondern in den letzten Jahren", sagte Dietmar Bartsch, Co-Vorsitzender der Linken.

Gemischte Ergebnisse: FDP und AFD

Mehr zum Thema

Bei der AfD zeigt sich ein gemischtes Bild. Zwar konnte die rechtskonservative Partei ihr zweistelliges Ergebnis verteidigen mit vorläufig 10,3 Prozent, die Partei verlor aber unterm Strich 80.000 Stimmen an die Union. Lediglich bei den Linken holte die AfD mehr, als sie verlor. Im Vergleich zu 2017 wanderten etwa 90.000 Stimmen mehr von den Linken zur AfD als von der AfD zu den Linken. "Wir haben ein sehr solides Ergebnis eingefahren. Um uns wird man nicht mehr drum herumkommen", sagte AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel in der ARD.

Von einer schwachen Union profitierte neben der SPD und den Grünen auch die FDP. Mehr als 1,3 Millionen Wählerinnen und Wähler entschieden sich bei dieser Wahl für die Liberalen und nicht mehr für CDU/CSU. Die FDP konnte auch von der AfD und den Linken Stimmen holen. Jedoch verlor sie deutlich an die SPD und die Grünen. FDP-Chef Christian Lindner zeigte sich mit dem Ergebnis zufrieden: "Wir haben eines der besten Wahlergebnisse unserer Geschichte erzielt. Wir sind zum ersten Mal bei zwei aufeinander folgenden Bundestagswahlen zweistellig geworden."

Quelle: ntv.de, law

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.