Politik

"Triumph der Antipolitiker" Treibt Merkel die Wähler zur AfD?

Scharnagl.jpg

Wilfried Scharnagl will der AfD nicht aus dem Weg gehen.

CSU-Stratege Scharnagl bezeichnet die Politiker der AfD in der n-tv Sendung "Das Duell" als "Schwadronierer von höchsten Graden". Im Gegensatz zu Unionsfraktionschef Kauder plädiert Scharnagl für einen "offenen Dialog mit den Rechtspopulisten".

Die Alternative für Deutschland (AfD) tritt nach den Wahlerfolgen in Brandenburg, Thüringen und Sachsen sehr selbstbewusst auf. Der Parteivorsitzende Bernd Lucke sieht die AfD schon als "kleine Volkspartei" – und kassiert dafür Kritik vor allem aus den Reihen der CSU. "Wenn wirklich jemand, der zehn Prozent hat, sagt, wir sind die neue Volkspartei, dann ist das ein Schwadronierer von höchsten Graden", sagte der CSU-Stratege Wilfried Scharnagl am Dienstagabend in "Das Duell bei n-tv" (jetzt bei n-tv now ansehen).

Scharnagl plädierte in der Sendung für einen offenen Dialog mit den Rechtspopulisten: "Wir dürfen die Diskussion mit der AfD nicht scheuen, sondern müssen sie suchen. Die Vorstellung, ich gehe nicht hin, wenn ein AfDler am Tisch ist, ist töricht." Scharnagl kritisierte damit den CDU-Fraktionsvorsitzenden Volker Kauder. Er hatte seinen Parteikollegen abgeraten, an Talkshows mit AfD-Beteiligung teilzunehmen. "Man muss den Mut haben und die Kraft und die intellektuelle Stärke, sich mit dieser Partei thematisch auseinanderzusetzen", sagte Scharnagl.

Die AfD hatte bei den Landtagswahlen mit Themen gepunktet, die traditionell von den Unionsparteien besetzt wurden. "Ich glaube, dass Dinge angesprochen worden sind zwischen innerer Sicherheit und Sicherheit des Geldes, die klassische Themen für Unionsparteianhänger sind", räumte Scharnagl ein. Die Union habe in den letzten Jahren zu hilflos und zu willig zugeschaut, was sich in Sachen Währung und Geld abgespielt hat. Vor der Wahl in Brandenburg hatte sich AfD-Chef Lucke positiv über die innere Sicherheit in der DDR geäußert – für Scharnagl ein äußerst unfeiner Zug: "Das erinnert mich an Leute, die bei einem anderen deutschen Regime der Vergangenheit sagen: 'Aber Autobahnen hat er gebaut.'"

Schwennicke: Haben es mit Profis zu tun

Scharnagls Gesprächspartner Christoph Schwennicke, Chefredakteur des Politikmagazins "Cicero", sah einen Grund für den Erfolg der AfD auch im Modernisierungsprozess der CDU unter Angela Merkel. "Die AfD besetzt Themen nach dem Prinzip 'Früher war alles besser' und gewinnt mit dieser Positionierung Stimmen, die die urbane Merkel-CDU – die ja ein Stück weiter gegangen ist – hat liegen lassen", so Schwennicke.

Meinungen, wonach sich die AfD ähnlich wie vor ihr die Piratenpartei im politischen Betrieb abnutzen werde, mochte Schwennicke nicht folgen. "Im Unterschied zu den fröhlichen Dilettanten bei den Piraten haben wir es hier mit Profis zu tun. Das sind schon Leute, die was verstehen von politischen Prozessen und von politischer Organisation. Die AfD hat ein anderes operatives Potential." Der Politikjournalist warnte davor, die AfD weiter zu unterschätzen. "Wer zweistellig ist, der ist keine Zwergenpartei mehr und ist insofern ernst zu nehmen."

Quelle: ntv.de