Politik

RTL/ntv-Trendbarometer Union wieder bei 30 Prozent, Ampel ohne Mehrheit

Wenn das Wahlergebnis so ausfällt wie das aktuelle Trendbarometer, dann hätte die Union ihr Wahlziel erreicht: Ohne sie wäre keine Regierungsbildung möglich. Das Sommer-Hoch der Union wird allerdings nicht von Kanzlerkandidat Laschet ausgelöst.

Zum ersten Mal seit Anfang März erreichen die Unionsparteien im Trendbarometer von RTL und ntv wieder die 30-Prozentmarke. Im Vergleich zur Vorwoche haben sich CDU und CSU erneut um einen Prozentpunkt verbessert. Auch die Linke und die sonstigen kleineren Parteien gewinnen jeweils einen Prozentpunkt. SPD, Grüne und FDP verlieren je einen Prozentpunkt.

Damit ist der Vorsprung der Union vor den Grünen auf zehn Prozentpunkte angewachsen. Die SPD wird mit 16 Prozentpunkten hinter der CDU/CSU, 6 Prozentpunkten hinter den Grünen und zwei Prozentpunkten vor der FDP drittstärkste Partei.

Wenn jetzt der Bundestag neu gewählt würde, könnten die Parteien mit folgendem Ergebnis rechnen: CDU/CSU 30 Prozent (Bundestagswahl 2017: 32,9 Prozent), Grüne 20 Prozent (8,9), SPD 14 Prozent (20,5), FDP 12 Prozent (10,7), AfD 9 Prozent (12,6), Linke 7 Prozent (9,2). 8 Prozent würden sich für eine der sonstigen Parteien entscheiden (5,2). Die Zahl der Nichtwähler und Unentschlossenen liegt mit 22 Prozent etwas unter dem Anteil der Nichtwähler bei der Bundestagswahl 2017 (23,8).

Grün-Rot-Gelb verfehlt Regierungsmehrheit

Bei einer Bundestagswahl würde das Parlament im Vergleich zu 2017 um 62 auf 771 Abgeordnete wachsen. Die Sitzverteilung wäre wie folgt: Union 254 Mandate (plus 8), Grüne 167 Mandate (plus 100), SPD 117 Mandate (minus 36), FDP 100 Mandate (plus 20), Linke 58 Mandate (minus 11) und AfD 75 Mandate (minus 19).

Die von der künftigen Regierung benötigte Mehrheit liegt damit bei 386 Parlamentariern. Demnach sind derzeit nur zwei Regierungs-Bündnisse denkbar: Schwarz-Grün mit zusammen 441 Mandaten und die schwarz-rot-gelbe "Deutschland-Koalition" mit zusammen 471 Mandaten. Die Union hätte damit ihr Wahlziel erreicht: "Unser klares Ziel ist, dass gegen die Union keine Bundesregierung gebildet werden kann", sagte CSU-Chef Markus Söder bei der Vorstellung des Wahlprogramms der Unionsparteien.

Eine grün-rot-gelbe Ampel-Koalition würde mit 384 Mandaten die regierungsfähige Mehrheit knapp verpassen. Auch für die derzeitige Regierung aus Union und SPD, die zusammen 371 Mandate hätten, würde es nicht reichen. Ein Linksbündnis aus Grünen, SPD und Linken käme auf 342 Mandate und könnte demnach ebenfalls keine Regierung bilden.

Von Laschet enttäuschte Unions-Wähler kehren zurück

Während der vergangenen fünf Wochen hat sich die CDU/CSU in kleinen Schritten wieder nach oben gearbeitet. Nach der Nominierung von CDU-Chef Armin Laschet zum Kanzlerkandidaten hatte die Union deutlich an Sympathien verloren: Im April wollten nur noch 50 Prozent der Unionswähler von 2017 erneut CDU oder CSU wählen. Ein Teil der Unions-Wähler (17 Prozent) wollte gar nicht mehr wählen, 16 Prozent wollten die Grünen, 8 Prozent FDP wählen. 9 Prozent wollten sich für eine andere Partei entscheiden.

Jetzt ist ein Großteil der enttäuschten Abwanderer wieder zurückgekehrt. Aktuell wollen 64 Prozent der Unionswähler von 2017 wieder CDU oder CSU wählen. Für die Grünen würden sich noch 9, für die FDP 7 Prozent entscheiden. Und statt 17 würden derzeit noch 12 Prozent der Unionswähler von 2017 nicht zur Wahl gehen.

Mehrheit für Baerbock bei den Jüngeren

Das Sommer-Hoch der Union wird allerdings nicht von Laschet ausgelöst: Für ihn würden sich wie in der Vorwoche 25 Prozent aller befragten Wahlberechtigten entscheiden. Damit entspricht der Anteil der Laschet-Befürworter in etwa dem Anteil der Anhänger der Union - wenn man diesen Anteil nicht wie bei der ausgewiesenen politischen Stimmung auf diejenigen bezieht, die sich auch an der Wahl beteiligen wollen (30 Prozent), sondern auf die Wahlberechtigten insgesamt (23 Prozent). Zum Vergleich: Bundeskanzlerin Angela Merkel erreichte im Wahljahr 2009 stetig über 50 Prozent Zustimmung, desgleichen im Sommer 2017.

Auch für Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock bleiben die Sympathiewerte unverändert. Wenn die Deutschen ihre Kanzlerin oder ihren Kanzler direkt wählen könnten, würden sich derzeit 25 Prozent für Laschet, 21 Prozent für Baerbock und 14 Prozent für den Kanzlerkandidaten der SPD, Olaf Scholz, entscheiden. Scholz würde gegenüber der Vorwoche 2 Prozentpunkte verlieren. 40 Prozent würden sich für keinen der drei entscheiden. Besonders groß ist die Ablehnung bei den FDP-Anhängern: 55 Prozent von ihnen wollen weder Laschet noch Baerbock noch Scholz im Kanzleramt sehen. Tatsächlich wird die Bundeskanzlerin oder der Bundeskanzler in Deutschland nicht direkt von den Wahlberechtigten gewählt, sondern vom Bundestag.

Unter den jüngeren Wahlberechtigten ist Baerbock vorne: 32 Prozent der 18- bis 29-Jährigen würden die Grünen-Chefin ins Kanzleramt wählen, Laschet dagegen nur 16 Prozent. 30 Prozent der über 60-Jährigen würden sich für Laschet entscheiden, aber nur 16 Prozent für Baerbock. Scholz kommt bei den Jüngeren auf 10, bei den Älteren auf 20 Prozent Zustimmung.

Die Daten zu Partei- und Kanzlerpräferenzen wurden vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der Mediengruppe RTL vom 22. bis 28. Juni 2021 erhoben. Datenbasis: 2501 Befragte. Statistische Fehlertoleranz: +/-2,5 Prozentpunkte.

Quelle: ntv.de, hvo

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