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Ob die Police eine gute Wahl war, erfährt man erst hinterher.
Ob die Police eine gute Wahl war, erfährt man erst hinterher.(Foto: picture alliance / Patrick Seege)
Donnerstag, 09. November 2017

Rendite der Lebensversicherung: Bei diesen Anbietern kommt am meisten raus

Von Isabell Noé

Neukunden machen um Lebensversicherungen aus guten Gründen einen weiten Bogen. Doch wer vor 30 Jahren einen Vertrag abgeschlossen hat, konnte sein Kapital mehr als verdoppeln - vorausgesetzt, er war beim richtigen Versicherer.

Jahrzehntelang zahlen Sparer in die Kapitallebensversicherung ein. Ob es sich gelohnt hat, zeigt sich wenn der Vertrag fällig wird. Wer beim Abschluss noch mit Renditeprognosen von fünf oder sechs Prozent geködert wurde, dürfte nun aber Ernüchterung erleben. In den letzten Jahren sind die durchschnittlichen Ablaufleistungen fast jedes Jahr gesunken. Und auch in diesem Jahr sollten die Versicherten ihre Erwartungen nach unten schrauben, wie die jüngsten Zahlen des Branchendienstes Map-Report zeigen.

Die Ablaufrendite, also der tatsächliche Ertrag aller Beiträge, lag nach 30-jähriger Laufzeit zuletzt bei 4,4 Prozent, berichtet das "Versicherungsjournal", in dessen Verlag der Map-Report erscheint. Am besten sind demnach die Kunden der Debeka dran, sie können sich über eine Rendite von knapp 5,5 Prozent freuen. Die schlechtesten Werte im Vergleich lagen um 1,8 Prozentpunkte darunter. Das klingt überschaubar, doch der Unterschied ist gewaltig: Mit einer jährlichen Einzahlung von 1200 Euro kommt der Musterkunde bei der Debeka nach 30 Jahren auf eine Ablaufleistung von mehr als 91.000 Euro. Im ungünstigsten Fall bekommt er keine 67.000 Euro heraus.

Viele Anbieter schweigen

Gut möglich, dass die Werte bei vielen Anbietern noch darunter liegen: Die Branche ist inzwischen nicht mehr besonders auskunftsfreudig, was den Schnitt verfälscht. Nur noch 22 Versicherer haben ihre Daten zur Auswertung zur Verfügung gestellt, 2015 waren es noch 40. "Vielfach wurden die Absagen damit begründet, dass klassische Produkte nicht mehr im Fokus stünden und für den Vertrieb irrelevant seien", zitiert das Versicherungsjournal Reinhard Klages, den Map-Report-Chefredakteur.

Daran wird erkennbar, dass die Kapitallebensversicherung für die Anbieter ein Auslaufmodell ist. Glaubt man den Ratinganalysten von Fitch, wird in den nächsten fünf Jahren fast ein Fünftel der Versicherer das Neugeschäft einstellen, schon heute denken große Anbieter wie Ergo oder Generali laut darüber nach, ihre Lebensversicherungssparten komplett an externe Investoren zu übergeben. Wer heute vorsorgen will, hat die klassische Lebensversicherung also wahrscheinlich ohnehin nicht mehr auf dem Zettel. Doch die Bestandskunden dürfte es durchaus interessieren, wie ihr Anbieter im Vergleich abschneidet.

Je kürzer die Laufzeit, desto kleiner die Rendite

Bei den langen Laufzeiten liefern neben der Debeka auch die Europa, die Cosmos und die Inter gute Renditen. Bei allen bekommt der Musterkunde deutlich über 80.000 Euro ausgezahlt. Die Ergo lag mit einer Ablaufleistung von gut 75.000 Euro fast genau im Durchschnitt.

Bei kürzeren Laufzeiten fallen die Beitragsrenditen naturgemäß geringer aus, nach 20 Jahren waren es im Mittel rund 3,6 Prozent. Die besten Karten haben wiederum die Versicherten von Inter, Europa, Debeka und Cosmos. Ihre Policen bescherten dem Musterkunden Renditen von über vier Prozent. Im besten Fall, nämlich bei der Inter, hatte er am Ende gut 41.000 Euro auf dem Konto, nachdem er 24.000 Euro eingezahlt hatte.

Bei den Kurzläufern, die erst vor zwölf Jahren abgeschlossen worden sind, lag die Durchschnittsrendite bei 2,69 Prozent. Sprich: Bei einer Einzahlung von 14.400 Euro kamen im Mittel knapp 17.200 Euro heraus. Beim Spitzenreiter WGV waren es dagegen fast 19.00 Euro, bei Inter und Debeka auch noch über 18.000. Beim schlechtesten Anbieter, den das Versicherungsjournal nicht nennt, kamen nach zwölf Jahren knapp 15.900 Euro zusammen. Das macht eine Rendite von 1,49 Prozent. Der Garantiezins lag 2005 noch bei 2,75 Prozent, ein Widerspruch ist das aber nicht. Denn die gesetzliche festgelegte Zinsgarantie bezieht sich nur auf den Sparanteil der Lebensversicherung. Der Teil der Versicherungsbeiträge, der in die Verwaltung, den Todesfallschluss und die Abschlussprovision fließt, wird nicht verzinst.

Quelle: n-tv.de

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