Ratgeber

Keine Lust auf Steuererklärung? Das kostet Hilfe von den Profis

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Zeit ist Geld: Wer seine Unterlagen sortiert abgibt, spart beim Steuerberater.

(Foto: imago/blickwinkel)

Es gibt Menschen, die sich gerne durch die Steuererklärung fuchsen. Die meisten schieben die lästige Aufgabe aber so lange wie möglich vor sich her. Steuerberater oder Lohnsteuerhilfevereine sind eine Alternative.

Für gute Steuersoftware zahlt man um die 30 Euro. Normalerweise eine gute Investition. Die Programme lassen sich einfacher bedienen als das Elster-Formular der Finanzverwaltung und wer von Steuern nicht allzu viel Ahnung hat, holt am Ende meist auch mehr für sich heraus. Für viele Menschen ist die Steuererklärung aber so aufwendig, dass sie sich überhaupt nicht selbst damit befassen wollen. Dann gibt es zwei Möglichkeiten: Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein. Der gemeinsame Vorteil: Es bleibt mehr Zeit. Normalerweise muss die Steuererklärung bis zum 31. Mai fertig sein, wenn man zur Abgabe verpflichtet ist. Lagert man sie aus, verschiebt sich die Frist auf den 31. Dezember (ab 2019 gelten übrigens längere Fristen).

Die günstige Variante: Der Lohnsteuerhilfeverein

Lohnsteuerhilfevereine sind die erste Wahl für Arbeitnehmer und Rentner. In Deutschland gibt es 800 Vereine mit 9000 Beratungsstellen. Wer Hilfe will, muss Mitglied werden. Die einmalige Aufnahmegebühr ist mit 10 bis 20 Euro überschaubar, die Jahresgebühr richtet sich nach den Bruttojahreseinnahmen. Geringverdiener zahlen 55 Euro oder auch weniger, der Höchstsatz bewegt sich um die 390 Euro. Beim Bundesverband der Lohnsteuerhilfevereine (BDL) zahlen die Mitglieder im Schnitt etwa 150 Euro. Tipp von der Stiftung Warentest: Bei Ehepaaren, die sich nicht gemeinsam veranlagen lassen, müssen beide Partner Mitgliedsbeiträge entrichten. Manchmal ist das teurer als die gemeinsame Steuererklärung.

Und was bekommen die Mitglieder für ihr Geld? Zunächst einmal die Einkommensteuererklärung. Dabei berechnet der Verein auch, wie viel man voraussichtlich zurückbekommt oder nachzahlen muss. Ist der Steuerbescheid dann da, überprüft der Verein, ob das Finanzamt richtig gerechnet hat und legt gegebenenfalls Einspruch ein. Wenn es aussichtsreich erscheint, klagt er auch vorm Finanzgericht. Daneben kümmern sich die Vereine um diverse Anträge, etwa auf Kindergeld, Wohnungsbauprämie, Lohnsteuerermäßigung oder auf die Erstattung von Kapitalertragssteuern.

Nicht für Selbständige

Außerdem können sich die Mitglieder das ganze Jahr über mit ihren Steuerfragen an die Mitarbeiter wenden. Wie lassen sich Investitionen ins häusliche Arbeitszimmer abschreiben? Wie gestaltet man am besten die Firmenwagennutzung? Welche Steuerklasse ist die richtige? Könnte sich die Investition in eine Immobilie steuerlich lohnen?

Selbständige und Gewerbetreibende bleiben allerdings außen vor, für sie dürfen Lohnsteuerhilfevereine keine Beratung anbieten. Das kann auch Arbeitnehmer treffen, die nebenher ein Gewerbe betreiben. Auch Besitzer von Photovoltaikanlagen sind Gewerbetreibende, wenn sie Strom ins öffentliche Netz einspeisen. Vermieter und Anleger können sich Hilfe vom Verein sichern, wenn ihre Einkünfte aus diesen Quellen nicht über 13.000 Euro im Jahr liegen (Verheiratete: 16.000 Euro).

Steuerberater: Preis ist verhandelbar

Wer höhere Miet- oder Kapitaleinnahmen hat oder sein Geld als Selbständiger oder mit einer eigenen Firma verdient, dem bleibt nur der Steuerberater. In Deutschland sind rund 95.000 Berater und Beratungsgesellschaften gemeldet, den oder die richtige zu finden ist nicht ganz einfach. Im Netz kann man sich beispielsweise auf der Seite des Deutschen Steuerberaterverbands informieren. Ansonsten ist es oft auch zielführend, sich im Bekanntenkreis umzuhören.

Pauschalpreise nennen Steuerberater auf ihren Websites normalerweise nicht. Das Honorar richtet sich nach der Steuerberatervergütungsverordnung (StBVV), in der die Mindest- und Höchstgebühren festgelegt sind, die sich nach dem Gegenstandswert staffeln. Je nach Aufwand wird dann ein bestimmter Prozentsatz der Gebühr berechnet. Bei Einkünften von beispielsweise 50.000 Euro liegt der Höchstsatz derzeit bei 1098 Euro. Davon berechnet der Steuerberater einen Satz zwischen 1/10 und 6/10. Bei durchschnittlichem Aufwand setzt er wahrscheinlich den mittleren Satz an, also 3,5/10. Das wären dann rund 384 Euro.

Wichtig: Seit 2016 können Steuerberater von der StBVV abweichen, nach oben, aber auch nach unten. Dafür wird dann eine gesonderte Vergütungsvereinbarung getroffen, die den Mandanten natürlich auch Verhandlungsspielräume eröffnet. Oft kann man dem Steuerberater zudem Arbeit abnehmen, etwa indem man die nötigen Informationen von Banken oder Behörden selbst beschafft und Belege sortiert. Zeit ist bekanntlich Geld und das gilt auch für den Steuerberater.

Kosten von der Steuer absetzen

Die Rechnung des Beraters muss nachvollziehbar sein, also unter anderem den Gegenstandswert und den Abrechnungssatz enthalten, außerdem die Vorschriften der Vergütungsverordnung. Wer die Rechnung nicht versteht, sollte nachfragen. Wenn es Ärger gibt, kann man sich an die Steuerberaterkammer als Schlichtungsstelle wenden.

Steuerberater und auch Lohnsteuerhilfevereine sind natürlich deutlich teurer als ein Steuerprogramm. Immerhin lassen sich die Beiträge für Steuerberater und auch für den Lohnsteuerhilfeverein von der Steuer absetzen. Voraussetzung: Sie waren beruflich oder betrieblich veranlasst. Konkret betrifft das in der Steuererklärung die Anlagen N, V, G und SO. Die Zeit, die der Steuerberater damit verbringt, den Mantelbogen auszufüllen, kann man mit dem Finanzamt dagegen nicht abrechnen.

Quelle: ntv.de, ino

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