Ratgeber

Zu träge zum richtigen Sparen Deutsche verschenken Milliarden

Girokonto und Sparbuch, so sieht die Ausstattung vieler Bankkunden noch immer aus. Davon profitieren vor allem die Geldhäuser, mit nur wenigen Entscheidungen könnten die meisten deutlich mehr aus ihrem Geld machen.

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Viele Deutsche sind einfach zu altmodisch.

Bankkunden verschenken durch schlechtes Haushalten mit dem Girokonto 4,3 Milliarden Euro im Jahr. Diese Summe komme zusammen, weil sie Geld nicht vom privaten Girokonto auf Tagesgeldkonten übertrügen und den Dispokredit nicht durch einen Rahmenkredit ersetzten, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf eine Studie. Ursache für das Fehlverhalten sei vor allem die Trägheit der deutschen Sparer.

Der Düsseldorfer Finanzexperte Udo Keßler hatte demnach für seine Untersuchung Daten der FMH-Finanzberatung aus Frankfurt sowie der Bundesbank ausgewertet. Demnach schreiben Sparkassen und Banken im Schnitt nur 0,15 Prozent an Zinsen auf private Girokonten gut. Dennoch lassen die Deutschen viel Geld auf ihrem Girokonto stehen und "stellen der Bank damit jeden Monat einen zinslosen Kredit zur Verfügung", wie FMH-Inhaber Max Herbst sagte.

Fast 200 Milliarden liegen brach

Etwa 199,7 Milliarden Euro dürften nach einer Bankenumfrage von Keßler und FMH auf privaten Girokonten liegen. Würden die Bankkunden dieses Geld auf ein Tagesgeldkonto überweisen, könnten sie im Jahr zusätzliche 2,5 Milliarden Euro an Zinsen kassieren, heißt es dem Bericht zufolge in der Studie.

Grundlage der Berechnung sei der durchschnittliche Zinssatz für Tagesgeldkonten von derzeit 1,4 Prozent, abzüglich der Durchschnittsverzinsung für Guthaben auf Girokonten. Übertrügen die Kunden das Geld von den Girokonten auf Top-Tagesgeldkonten mit einem Zinssatz von zwei Prozent, würde sich ihr jährlicher Zusatzertrag sogar auf 3,7 Milliarden Euro erhöhen.

Ein Viertel Gehalt reicht

Dass die Sparer diese Summe verstreichen ließen, liege vor allem an ihrem "absolut trägen" Verhalten, sagt Herbst. "Der Deutsche ist nur stolz, dass er spart, aber nicht, dass er optimal spart." Auf dem privaten Girokonto solle stets nur so viel Geld stehen, "dass am Ende des Monats noch ein größerer Einkauf möglich wäre", rät Herbst. Das sei - abhängig von Verdienst und Lebensverhältnissen - mindestens ein Viertel des Monatsgehalts.

Doch nicht nur beim Sparen verschenken die Bankkunden Geld, sondern auch beim Ausgeben. Zu den 3,7 Milliarden Euro, die den Verbrauchern durch das falsche Anlegen entgingen, kämen weitere 625 Millionen Euro, die Kunden verschenkten, weil sie teure Sollzinsen für den Dispokredit zahlten, anstatt einen günstigeren Rahmenkredit aufzunehmen.

Abrufkredite anschauen

Bei Rahmen- oder Abrufkrediten räumt die Bank einen bestimmten Kreditrahmen ein, von dem sich der Kunde nach Belieben bedienen kann. Zinsen werden nur für den Betrag fällig, den er beansprucht. Zum Vergleich: Laut Verbraucherportal Biallo verlangen die Banken derzeit zwischen sechs und 13,95 Prozent Dispozinsen. Abrufkredite gibt es demnach bereits ab einer Verzinsung von 4,99 Prozent. Im Schnitt liegen die Zinsen für Abrufkredite laut Herbst bei sieben bis acht Prozent.

Doch auch die Rahmenkredite seien mit Vorsicht zu genießen, warnt der Finanzberater. Wer sein Girokonto lange überziehe, dem fehle schlicht das Geld, um die Schulden abzubauen. Mit einem Kredit den Dispo auszugleichen, bedeute zwar Dispozinsen sparen, gleichzeitig kämen aber weitere Ausgaben hinzu, um den Kredit abzubauen. Die Ausgaben würden also mehr, obwohl das Geld schon vorher nicht reichte. In einer solchen Situation sei vor allem Ausgabendisziplin gefragt, sonst lande der Verbraucher bald wieder im Dispo.

 

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Quelle: ntv.de, AFP

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