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Flug vorverlegt Entschädigung für Reisende möglich

Der Rückflug aus Fuerteventura soll um 17:30 Uhr starten, doch drei Tage vor Urlaubsende gibt die Airline eine neue Zeit durch. Jetzt soll der Flieger schon früh um 8:30 Uhr abheben. Mehr Stress, weniger Urlaub also. Laut BGH können die Reisenden wegen dieser Unannehmlichkeit Geld verlangen.

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TUIfly wollte ein Grundsatzurteil für die Branche verhindern.

(Foto: imago stock&people)

Wenn Flüge ausfallen, bekommen die Reisenden auf Antrag eine Entschädigung. Künftig haben sie auch dann gute Chancen auf eine Ausgleichszahlung, wenn ihr Abflugtermin um mehrere Stunden vorverlegt wurde. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat ein sogenanntes Anerkenntnisurteil gefällt und dabei durchblicken lassen, dass eine Verlegung der Flüge wie eine Annullierung gewertet werden könne. Die beklagte TUIfly wollte ein Grundsatzurteil für die gesamte Branche verhindern und erklärte sich nach der mündlichen Verhandlung bereit, die Forderungen der beiden Kläger anzuerkennen.  (Az. X ZR 59/14)

Die beiden Reisenden waren im November 2012 auf Fuerteventura unterwegs. Drei Tage vor Abreise informierte sie die Airline, dass der Rückflug nicht wie vorgesehen um 17:25 Uhr starte, sondern auf 8:30 Uhr vorverlegt worden sei. Daraufhin forderten die beiden jeweils 400 Euro Entschädigung. Diese Summe sieht die EU-Fluggastrechteverordnung für Passagiere vor, wenn ein Mittelstreckenflug annulliert wird.

In den Vorinstanzen bekam TUIfly noch Recht. Man könne die Vorschriften für die Annullierung nicht einfach auf eine Vorverlegung übertragen, fand das Landgericht Hannover. Doch das sah der BGH nun anders, zumindest für Fälle, in denen es nicht nur um eine geringfügige Änderung gehe. Laut EU-Verordnung liege eine Annullierung vor, wenn eine Airline ihre "ursprüngliche, durch Abflugzeiten definierte Flugplanung aufgibt und Passagiere auf einen anderen Flug verlegt". Das ist nach Auffassung des Gerichts aber auch dann der Fall, wenn ein Flug "um mehrere Stunden vorverlegt wird".

Der Anwalt der Kläger, Joachim Kummer, hatte in der Verhandlung darauf verwiesen, dass Fluggesellschaften zwei schwach gebuchte Flüge oftmals kurzfristig zusammenlegen. Diese Praxis auf Kosten der Reisenden dürfte nun schwieriger werden. Zwar hat TUI durch das Schuldanerkenntnis ein Grundsatzurteil im letzten Moment abgewendet. Der BGH machte aber deutlich, dass die Chancen von Klagen betroffener Verbraucher in solchen Fällen sehr gut stehen.

Quelle: ntv.de, ino/AFP

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