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Kein Erbe wegen Diebstahl Erblasser beklaut - kein Pflichtteil

Den Pflichtteil entziehen

Die Entziehung des Pflichtteils muss ausdrücklich im Testament oder Erbvertrag angeordnet werden.

(Foto: dpa-tmn)

Zu seinen Verwandten sollte man besser nett sein. Denn sonst setzt man unter Umständen sein Erbe aufs Spiel. Bei manchen Missetaten geht selbst der Pflichtteil verloren.

Wer seine Verwandten bestiehlt, riskiert den Anspruch auf den Pflichtteil des Erbes. Denn Diebstahl ist ein schweres vorsätzliches Vergehen, das einen Entzug des Pflichtteils rechtfertigt. Das entschied das Oberlandesgericht Stuttgart.

Allerdings muss das nach Ansicht des Gerichts in jedem Einzelfall neu entschieden werden. Über den Fall berichtet die Zeitschrift "NJW-Spezial" (Az.: 19 U 80/18).

In dem verhandelten Fall hatte der Enkel seiner Großmutter 6100 D-Mark aus ihrem Haus gestohlen. Für diesen Diebstahl wurde der Mann verurteilt und musste eine Geldstrafe von 100 Tagessätzen zahlen. In einem Erbvertrag entzog die Großmutter ihrem Enkel daraufhin den Pflichtteil - auch unter Hinweis auf einen weiteren Diebstahl. Denn der Enkel hatte seiner Oma schon einmal 800 D-Mark geklaut. Nach dem Tod seiner Großmutter begehrte der Enkel trotzdem den Pflichtteil.

Pflichteilsentzug muss angeordnet werden

Ohne Erfolg: Den Diebstahl werteten die Richter in diesem Fall als so schwerwiegend, dass der Entzug des Pflichtteils gerechtfertigt sei. Zum einen folge aus diesem Verhalten eine besondere Kränkung des Erblassers. Zum anderen sei der gestohlene Betrag für die Erblasserin erheblich gewesen. Die Großmutter habe keine Schul- und Berufsausbildung gehabt, so dass der entwendete Geldbetrag schwer für sie ins Gewicht falle. Die Ausführung als Wiederholungstat stelle zudem eine grobe Missachtung des Verhältnisses zur Erblasserin dar.

Grundsätzlich gilt: Die Entziehung des Pflichtteils muss ausdrücklich im Testament oder Erbvertrag angeordnet werden, der Grund konkret beschrieben, die entsprechende Straftat samt Gerichtsurteil und Aktenzeichen benannt sein.

Hat ein derart Pflichteilsberechtigter den Erblasser überlebt, können die anderen Erben dafür sorgen, dass dieser leer ausgeht, indem sie beweisen, dass jener den Erblasser gezwungen hat, ein Testament in seinem Sinne aufzusetzen oder ihn aber sogar getötet hat, um sich zumindest den gesetzlichen Erbteil zu sichern. Gerichte können dann eine Erbunwürdigkeit feststellen.

So geht enterben

Quelle: n-tv.de, awi/dpa

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