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Lebensmittel im Internet: online bestellen, offline liefern lassen.
Lebensmittel im Internet: online bestellen, offline liefern lassen.(Foto: Oliver Berg/dpa)
Donnerstag, 08. März 2018

Bringt's das?: Foodwatch: Defizite bei Lieferdiensten

Warum selber schleppen, wenn das auch ein Online-Lebensmittellieferdienst erledigen kann? Zwar muss man auch hier Kaufentscheidungen treffen, aber die Wege und das nach Hause schaffen entfallen. Doch was taugen die Angebote?

Immer mehr Deutsche erledigen ihren Einkauf per Klick. Bereits rund 15 Prozent der Verbraucher nutzen Online-Lebensmittellieferdienste und erleichtern sich so ihren Alltag. Tendenz steigend.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat in einem Vergleichstest geschaut, was der Service zu bieten hat und wo die Schwachstellen liegen. Hierzu wurde der Rewe-Lieferdienst, Amazon Fresh, Allyouneedfresh, Mytime sowie der zu Edeka gehörenden Anbieter Bringmeister unter die Lupe genommen. Bei Testkäufen schnitten alle Shops bei Aspekten wie Pünktlichkeit, Vollständigkeit oder Zustand der gelieferten Produkte überwiegend gut ab.

Konditionen schwer zu vergleichen

Bei den Lieferbedingungen zeigten sich jedoch große Unterschiede: Während Verbraucher in städtischen Regionen aus bequemen und schnellen Lieferoptionen wählen können, müssen Menschen auf dem Land mit langen Lieferzeitfenstern, höheren Versandkosten und viel Verpackungsmüll durch die Paketzustellung rechnen.

Der Warenkorb war bei Allyouneedfresh mit durchschnittlich 49,68 Euro der teuerste, bei Amazon Fresh mit 41,41 Euro der billigste, Rewe und Bringmeister lagen mit 45-46 Euro im Mittelfeld. Ein Preisvergleich der fünf Anbieter ist allerdings nur bedingt möglich, denn die Unterschiede relativieren sich, wenn man Lieferkosten und sonstige Aufschläge mit einbezieht. Bei Amazon Fresh etwa kann nur bestellen, wer eine "Prime"-Mitgliedschaft für 69,90 Euro jährlich und ein "Fresh"-Abonnement für 9,99 Euro monatlich abschließt. Bei Bringmeister, Rewe und Allyouneedfresh hängen die Liefergebühren maßgeblich davon ab, wie viel bestellt wird und in welchem Zeitfenster geliefert werden soll. Für den Vergleichstest bestellten Mitarbeiter im Auftrag von Foodwatch im November 2017 bei allen Online-Shops jeweils drei Mal einen vorab festgelegten Warenkorb von 21 Produkten.

Onlinehändler und Bundesregierung gefragt

Schwachstellen hat die Untersuchung bei der Produktkennzeichnung, beim Datenschutz sowie bei der Kontrolle der Shops durch die Lebensmittelbehörden ergeben. So verstießen die Unternehmen laut Foodwatch in vielen Fällen gegen Informations- und Kennzeichnungsvorgaben: Beispielsweise war die Herkunftsangabe von Obst und Gemüse bei vier der fünf Anbieter unzureichend oder fehlte ganz. Alle Anbieter zeigten zudem deutliche Defizite im Umgang mit Nutzerdaten.

Die Verbraucherorganisation fordert die Onlinehändler auf, ihrer gesetzlichen Kennzeichnungspflicht nachzukommen: Alle Informationen, die Verbraucherinnen und Verbraucher im Supermarkt zu einem Produkt erhalten, müssten auch im Internet leicht auffindbar sein. Zudem sei die Politik gefordert, die Überwachung von Online-Lebensmittelhändlern auf Bundesebene neu zu organisieren.

Zudem sei die neue Bundesregierung gefordert, für eine bessere Kontrolle von Online-Lebensmittelhändlern zu sorgen. Dafür müsse die Zuständigkeit für die Überwachung von Ländern und kommunalen Behörden auf den Bund übertragen werden, Online-Supermärkte müssten systematisch auf die Einhaltung von Kennzeichnungspflichten und auf Produktsicherheit geprüft werden. 

Quelle: n-tv.de