Ratgeber

Vorzeitig in Rente Früherer Ruhestand ist ein teurer Spaß

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Die Rente mit 63 geht meist mit hohen Einbußen einher.

(Foto: imago/Christian Ohde)

Davon, vorzeitig aus dem Arbeitsleben auszuscheiden, ohne dass hierfür gesundheitliche Gründe verantwortlich sind, träumen viele. Für die meisten gilt aber, dass dies nicht ohne finanzielle Einbußen zu realisieren ist. Dennoch kann ein früher Ausstieg aus dem Arbeitsleben gelingen, wie Finanztest berichtet.

Soll keiner sagen, dass hierzulande nicht gern gearbeitet wird. Aber bereits ein paar Jährchen früher freiwillig die Beine hochzulegen, dagegen haben wiederum die wenigsten etwas. Mehr als die Hälfte aller Neurentner verlässt jedes Jahr vor dem regulären Rentenalter die Arbeitsstelle. Allerdings sollte, wer den entsprechenden Wunsch hegt, seinen Plan genau durchrechnen. Denn meist geht es nicht ohne größere finanzielle Einbußen.

Und leider ist auch die Aussage, dass, wer 45 Versicherungsjahre bei der Rentenversicherung nachweisen kann, mit 63 Jahren in Rente gehen kann, nicht richtig. Denn auch für diese Personengruppe gilt die stufenweise Erhöhung der Altersgrenze. Wer 1965 geboren ist, erhält auch bei 45 Versicherungsjahren erst mit 65 eine ungekürzte Rente, 1956 Geborene erst mit 63 Jahren und 8 Monaten. Für noch später Geborene erhöht sich diese Grenze stufen­weise weiter.

Und vor dem Erreichen des 63. Lebensjahres ist sowieso keine Altersrente zu haben. Denn dies ist der früheste Zeitpunkt, aus dem Berufsleben auszusteigen und auch die gesetzliche Rente zu kassieren, berichtet Finanztest. Für sogenannte "langjährig Versicherte" ist die frühere Rente ab 35 Versicherungsjahren zu haben, mit erheblichen Abschlägen. Die genaue Höhe der Einbuße bei der Rente ist dann abhängig vom Geburtsjahr. Zur Mindestversicherungszeit zählen dabei auch Kindererziehungs- und Pflegezeiten, Zeiten aus Versorgungsausgleich, Arbeitslosigkeit, längerer Krankheit, Schulausbildung oder Studium. Versicherte sind also gut beraten, ihren Versicherungsverlauf genau zu prüfen.

Rentenkürzungen bleiben ein Leben lang erhalten

Wer heute 55 Jahre alt ist und mit 63 in Rente will, hat so Rentenabschläge von 14,4 Prozent. Denn die Rente wird um 0,3 Prozent pro Monat vor dem regulären Renteneintritt gekürzt. Allerdings ist ein vorzeitiger Ruhestand nur für jene möglich, die überhaupt 35 Versicherungsjahre beisammen haben. Wer darunterbleibt, kommt erst mit dem Erreichen der Regelaltersrente mit 65 oder 67 Jahren in den Genuss einer Rente. Bedacht werden sollte auch, dass die Rentenkürzung ein Leben lang erhalten bleibt. Sie fällt nicht weg, sobald Versicherte ihr reguläres Rentenalter erreicht haben. Ausnahmen gibt es nur für Menschen mit Schwerbehinderung.

Aber immerhin: Wer eine Mindestversicherungszeit von 45 Jahren hat, muss nicht zwangsläufig das Erreichen der Regelaltersrente abwarten, um abschlagsfrei in Rente zu gehen. Dieser Personenkreis nennt sich "besonders langjährige Versicherte".

Ausgleich kostet kleines Vermögen

Ein Teil der Abschläge kann durch freiwillige Beitragszahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung ausglichen werden. Allerdings nur für Zeiten, in denen keine Arbeitslosigkeit bestand. Um eine Einordnung zu geben, nennt Finanztest ein Beispiel. Hier würde ein heute 63-Jähriger 342 Euro brutto weniger Rente bekommen als bei seinem regulären Rentenbeginn mit 66 Jahren. Diese Summe ergibt sich aus 36 Monaten weniger Beitragszahlung und einer zusätzlichen Rentenkürzung von 10,8 Prozent. Wer diesen Abschlag mit freiwilligen Beiträgen ausgleichen möchte, müsste tief in die Tasche greifen. 50.227 Euro wären derart zu berappen. Entgeltpunkte, welche durch die verkürzte Arbeitsdauer fehlen, lassen sich aber nicht ausgleichen.

Abgesehen davon kann der Ausgleichsbetrag über die Jahre bis zum 63. Lebensjahr gestreckt werden. Solche Teilzahlungen sind nicht nur leichter zu schultern, sondern auch steuerlich sinnvoll. Denn die Beiträge können jedes Jahr ganz oder zumindest teilweise im Rahmen der Altersvorsorgeaufwendungen bei der Steuer abgesetzt werden. Im genannten Beispiel läge die Steuerersparnis für fünf geleistete Raten bei insgesamt 30 Prozent. Würden die Einzahlungen innerhalb eines Jahres geleistet, läge sie bei nur 10 Prozent. Wie hoch die persönliche Ausgleichszahlung individuell ausfällt, kann bei der Deutschen Rentenversicherung auf Antrag in Erfahrung gebracht werden.

450-Euro-Job ohne Abschläge

Die Ausgleichszahlung kann auch dann geleistet werden, wenn der Versicherte gar nicht früher in Rente gehen möchte. Denn mit der Zahlung halten sich Versicherte lediglich die Option auf eine abschlagsfreie vorzeitige Rente offen. Wer dann doch bis zum regulären Rentenbeginn arbeiten möchte, kann dies tun. Das zusätzlich eingezahlte Geld gibt es aber nicht bar zurück, sondern nur in Form einer dann höheren Rente.

Wer eine Rentenminderung nicht durch Extra-Zahlungen in die Rentenkasse ausgleichen möchte oder kann, hat aber auch die Möglichkeit, nebenbei noch etwas zu arbeiten. Wer dies auf Basis eines 450-Euro-Jobs macht, spart sich Steuern und Sozialabgaben auf das Gehalt. Aufpassen müssen Frührentner, wenn sie zu viel verdienen. Denn dann werden 40 Prozent ihres Gehalts auf die Rente angerechnet und diese entsprechend gekürzt. 2020 ist der Hinzuverdienst wegen der Corona-Pandemie jedoch großzügiger geregelt.

Quelle: ntv.de, awi