Ratgeber

Orangensaft im Test Ist Direktsaft immer besser?

Frisch gepresster Orangensaft ist geschmacklich kaum zu übertreffen. Wer nicht selber pressen will, greift im Supermarkt zum Direktsaft, um dem Geschmack möglichst nahe zu kommen. Zu Recht? Nicht unbedingt, sagt "Öko-Test". Auch Konzentrat kann volles Aroma bieten.

231607_R_K_B_by_Stephanie Hofschlaeger_pixelio.de.jpg

Ein Liter frisch gepresster O-Saft enthält bis zu 500 Milligramm Vitamin C. Ein Saft aus der Flasche sollte mindestens 200 Milligramm liefern, die meisten liegen weit darüber.

(Foto: Stephanie Hofschlaeger, pixelio.de)

In einem Jahr trinkt jeder Deutsche im Schnitt 37 Liter Saft oder Nektar. Dabei hat Orangensaft dem heimischen Apfelsaft schon lange den Rang abgelaufen. Der Pro-Kopf-Verbrauch liegt derzeit bei knapp neun Litern. Frisch gepresst kommt der Saft aber nur selten ins Glas, meist greift man dann doch auf Supermarkt-Ware zurück. Direktsäfte sollen dem frisch gepressten Geschmack am nächsten kommen. Aber tun sie das wirklich? Nicht unbedingt, sagt die Zeitschrift "Öko-Test", die für die November-Ausgabe 20 Orangensäfte verglichen hat.

Bevor der Orangensaft in den Tetrapack oder die Flasche kommt, legt er einen weiten Weg zurück. Orangen werden zwar auch in Spanien angebaut, die meisten Plantagen liegen aber in Brasilien. Weitere Exportregionen sind Florida, Mexiko, aber auch China. Dort werden die Orangen nicht nur geerntet, sondern auch ausgepresst. Direktsaft wird dann meist nur noch kurz pasteurisiert, um ihn haltbar zu machen, bevor es im speziellen Orangensaft-Frachter auf die Reise nach Deutschland geht. Das ist nicht aufwendig, aber auch nicht gerade nachhaltig, weil mehr Masse transportiert werden muss.

Konzentrat ist nachhaltiger

Um Platz und Gewicht zu sparen, werden die meisten Säfte für den Export konzentriert. Dafür entzieht man dem Saft unter Vakuumbedingungen zunächst die Aromen und dann seinen Hauptbestandteil: das Wasser. Das eingedickte Konzentrat hat gerade mal ein Sechstel des ursprünglichen Volumens und lässt sich somit sehr viel günstiger verschiffen. Am Bestimmungsort werden Saft und Aroma wieder zusammengeführt und mit speziell aufbereitetem Wasser wieder zu Orangensaft, je nach Bedarf mit oder ohne Fruchtfleisch.

Dabei müssen die Aromen nicht aus genau den Orangen stammen, denen sie zuvor entzogen worden sind. Für Markenhersteller wäre das auch kaum zu machen. Ein Marken-Orangensaft soll schließlich immer gleich schmecken, egal, woher die Orangen stammen und unter welchen Witterungsbedingungen sie gereift sind. Darum wird so lange gemischt und analysiert, bis am Ende der Standard-Saft so schmeckt wie immer. Doch nicht nur das: Auch chemisch sollte sich immer exakt die gleiche Aromenmischung nachweisen lassen. Das klingt ein wenig künstlich, davon sollte man sich aber nicht irritieren lassen, stellt Enno Brendgens klar, der den Saftvergleich für "Öko-Test" konzipiert hat: "In Orangensaft kommen nur natürliche Orangenaromen, andere hat das Labor im Test auch nicht gefunden."

Aroma-Rückführungsprobleme

Dafür entdeckte das Labor ein anderes Problem: In manchen Säften aus Konzentrat wurde zu wenig Aroma zurückgeführt, sie enthielten also nicht das gleiche Spektrum wie frisch gepresster Saft. Das betraf etwa den Granini-Saft, dessen Geschmack im Sensoriktest aber dennoch gefiel. Keine Selbstverständlichkeit: Sensorisch nur "befriedigend" schnitt der ebenfalls schwach rearomatisierte Bio-Orangensaft von Jacoby ab. Viel zu wenige Aromen fanden sich zudem in den Produkten von Merziger und Albi, die geschmacklich nicht überzeugen konnten. Doch selbst wenn ein Saft volles Orangenaroma enthält, heißt das nicht, dass er auch schmeckt. So hatte das Labor etwa an Rauchs "Happy Day"-Saft aromatechnisch nichts zu beanstanden. Dennoch gab es von den Test-Trinkern nur ein "ausreichendes" Geschmacksurteil.

Kurioserweise finden sich selbst in Direktsäften nicht immer genügend Aromastoffe, so geschehen beim Rewe Bio Direktsaft und beim Biosaft von Voelkel, mit 4,56 Euro das teuerste Produkt im Test. Letzterer schmeckte den Test-Trinkern zwar gut, dennoch gab es für den Saft eine Abwertung für das chemisch unvollständige Aroma. Wieso sich ausgerechnet im Direktsaft nicht das volle Orangenaroma wiederfindet, kann sich allerdings weder der Hersteller noch Ökotester Brendgens erklären.   

Die Testsieger

"Sensorisch am besten ist immer noch Saft, den man selbst presst", stellt Brendgens klar. Wer dem Geschmack möglichst nahe kommen will, muss aber nicht unbedingt zum Direktsaft greifen. Unter den drei Testsiegern ist auch ein Konzentrat: der Edeka Bio Orangensaft, mit 1,79 Euro preislich im oberen Mittelfeld angesiedelt. Deutlich teurer ist der zweite "sehr gute" Kandidat: der Beutelsbacher Orangensaft mit Demeter-Label. Die Alternative kommt vom Discounter: Der Rio d'Oro Orange Premiumdirektsaft kostet nur 1,39 Euro und wurde ebenfalls "sehr gut" bewertet.    

Quelle: ntv.de