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Bei 58 Prozent der rentennahen Jahrgänge ist der aktuelle Konsum größer als die erworbenen Rentenanwartschaften.
Bei 58 Prozent der rentennahen Jahrgänge ist der aktuelle Konsum größer als die erworbenen Rentenanwartschaften.(Foto: imago/RelaXimages)
Mittwoch, 12. September 2018

Erschreckende Rentenlücke : Jedem Zweiten fehlen 700 Euro im Monat

Dass die Rente nicht üppig ausfallen dürfte, ist bekannt. Nun zeigt eine Studie, dass die Hälfte der 55- bis 64-Jährigen im Ruhestand nicht genug Einkommen zur Verfügung hat, um den Lebensstandard zu halten. Trotz privater Altersvorsorge.

Die Zukunft ist ungewiss, die gesetzliche Rente aber sicher. Stimmt wohl. Nur leider wird sie für die wenigsten Menschen zum Leben reichen. Die Erkenntnis ist zwar nicht neu, wird aber jetzt von neuen alarmierenden Zahlen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) bestätigt. Während vonseiten der Politik darüber gestritten wird, wie ein drastisches Sinken des Rentenniveaus für die kommenden Jahrzehnte verhindert werden soll, offenbart die neue Studie für rentennahe Jahrgänge schon jetzt Erschreckendes.

Demnach wird die Hälfte der jetzt 55- bis 64-jährigen Arbeitnehmer nicht genug Rente erhalten, um ihren aktuellen Konsum inklusive Wohnen zu finanzieren. Bei 58 Prozent dieser Personengruppe ist dies der Fall. Im Schnitt fehlen 700 Euro. Dabei wird die zu erwartende Rentenlücke laut DIW überdurchschnittlich oft Singles, Un- und Angelernte, Selbstständige ohne Mitarbeiter und generell Frauen treffen.

Private Versicherungen reduzieren diesen Anteil nur geringfügig. So beträgt die potenzielle Versorgungslücke immer noch durchschnittlich 650 Euro monatlich, wenn alle drei Säulen der Alterssicherung (gesetzlich, betrieblich, privat) herangezogen werden. Personen mit Ansprüchen an die Beamtenversorgung haben dagegen selten eine potenzielle Versorgungslücke (13 Prozent), da deren Pensionen im Alter überdurchschnittlich sind.

Vermögen macht es etwas besser

Laut der Untersuchung liegt die durchschnittliche Höhe der bisher erreichten monatlichen Bruttorentenanwartschaften bei nur 1230 Euro. Davon entfallen rund zwei Drittel auf die Gesetzliche Rentenversicherung, wie Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) von 2012 zeigen.

Wird hingegen das gesamte private Vermögen hinzugerechnet, sinkt der Anteil der von der Rentenlücke bedrohten Personen auf 41 Prozent. Dieses Vermögen belief sich im Durchschnitt im Jahr 2012 auf rund 150.000 Euro pro Kopf (Aktien, Geld- und Immobilienvermögen). Würden die rentennahen Jahrgänge bis zum durchschnittlichen Verrentungsalter weiterarbeiten, reduziert sich der Anteil derer mit einer potenziellen Versorgungslücke um acht Prozentpunkte auf 50 Prozent. Allerdings besitzen die zehn Prozent der Bestverdiener nahe dem Ruhestand durchschnittlich mehr als 400.000 Euro, die ärmere Hälfte höchstens 100.000 Euro. 

Keine Berücksichtigung in der Studie findet, dass bei Renteneintritt der Konsum in der Regel geringer ausfällt als zuvor, da einige Kosten, zum Beispiel für das Pendeln zur Arbeit, entfallen. Gleiches gilt für Beiträge zur privaten Altersvorsorge und oftmals auch Kreditbelastungen für die Immobilienfinzierung. Im Gegenzug treten aber andere Kosten in den Vordergrund, die mit einem steigenden Lebensalter verbunden sind. Dies betrifft vor allem Krankheits- und Pflegekosten. Zudem wurden vom DIW nur Daten von Einzelpersonen und nicht das gemeinsame zu erwartenden Haushaltseinkommen von Lebensgemeinschaften im Alter berücksichtigt.  

Angesichts der Ergebnisse ihrer Untersuchung fordern die Wissenschaftler, das System der Alterssicherung zu reformieren. Hierzu zählt unter anderem die Möglichkeit, ein weiteres Absinken des Rentenniveaus (Altersbezüge eines langjährigen Durchschnittsverdieners in Relation zum Durchschnittslohn) zu begrenzen. Dabei könnte sich am österreichischen Modell orientiert werden, das stärker auf die gesetzliche Säule der Alterssicherung setzt und den Kreis der versicherten Personen (zum Beispiel auch Beamte) deutlich ausgeweitet hat. Zudem empfiehlt das DIW, genau wie Verbraucherschützer und Teile der Politik, bessere Anreize zur Bildung privaten Vermögens zu setzen. Zum Beispiel durch eine Umleitung der staatlichen Zuschüsse für teure und unrentable Riester-Renten in Richtung eines kapitalgedeckten Modells wie des Schwedenfonds oder der Deutschlandrente

Quelle: n-tv.de