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Billigtarife in der Krankenversicherung Jetzt wird's teuer

Privatpatient für 150 Euro oder weniger - sogenannte Einsteigertarife sollen das möglich machen. Mit dem Konzept "weniger Leistung, weniger Beiträge" wollen die Versicherer vor allem junge, gesunde Neukunden gewinnen. Doch das Konzept geht nicht auf.

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Die Leistungen der Einsteigertarife liegen teils unter denen der gesetzlichen Krankenversicherung.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Schnelle Termine beim Arzt, bessere Behandlungsmethoden oder Zweibettzimmer im Krankenhaus – manche Menschen entscheiden sich aus Gründen wie diesen für die private Krankenversicherung (PKV). Für viele zählt aber auch etwas anderes: Der Preis. Wer jung und gesund ist, gut verdient und keine Kinder hat, kommt in der PKV mitunter besser weg als in der gesetzlichen Krankenversicherung. Und junge Kunden sind bei Versicherern begehrt. Nicht wenige lang laufende Tarife haben nämlich ein Problem: Im Laufe der Zeit vergreisen sie und werden immer teurer.

Um für den begehrten Nachwuchs attraktiv zu sein, haben viele Versicherungen in den letzten Jahren sogenannte "Einsteigertarife" konstruiert. Die sind relativ billig, leisten zum Teil aber auch weniger als die gesetzliche Krankenversicherung. Gesunde Kunden machen sich darüber oft wenig Gedanken. Ernst wird es dann, wenn man tatsächlich einmal auf die Versicherung angewiesen ist und auf einem erheblichen Teil seiner Kosten sitzen bleibt. Kulanz können sich die Versicherer nämlich nicht leisten. In einer Analyse der Einsteigertarife stellen die Versicherungsexperten von Franke und Bornberg fest, dass die Billig-Tarife oft äußerst knapp kalkuliert seien.

Freude nur von kurzer Dauer

Das ist eine Folge des harten Wettbewerbs in der Branche, der durch Preisvergleiche im Internet befeuert wird. Im Kampf um die besten Plätze in den Listen berechnen einige Versicherer die Einstiegsbeiträge so, dass sie kaum die Kosten decken. Lange kann das nicht gutgehen und so müssen sich einige Neueinsteiger auf spürbare Beitragserhöhungen einstellen. "Der finanzielle Vorteil ist dann nur ein Vorteil auf Zeit", warnt Franke und Bornberg.

Freuten sich die Versicherer anfänglich über hohe Bestandszuwächse, sei inzwischen vielfach Ernüchterung eingetreten. Zum einen, weil die Leistungsausgaben rasant stiegen. Zum anderen, weil trotz günstiger Preise viele Kunden aus der Zielgruppe ihre Beiträge nicht bezahlen könnten. Ein doppeltes Verlustgeschäft für die betroffenen Unternehmen. Einige haben bereits reagiert, so etwa die Central Krankenversicherung, die seit August keine neuen Kunden mehr in den Einsteigertarifen annimmt.  Die DKV will den Vertrieb zum neuen Jahr stoppen.

Männer trifft es eher

Um Beitragserhöhungen kommen viele Bestandskunden trotzdem nicht herum, bei der Central etwa liegen sie bei 20 Prozent und mehr. Und auch für Neukunden wird es teils deutlich teurer, wie die Kurzanalyse von Franke und Bornberg zeigt. In elf Tarifwerken im unteren Leistungssegment steigen die Beiträge um mehr als zehn Prozent. Allerdings sind nicht immer alle Selbstbehaltsstufen und beide Geschlechter gleichermaßen betroffen. Frauen müssen sich ohnehin teurer versichern, ihre Prämien steigen im Allgemeinen nicht so stark. So erhöht etwa die Nürnberger ihren TOP-Tarif mit 306 Euro Selbstbehalt für den männlichen Musterkunden um 13 Prozent, der entsprechende Frauen-Beitrag bleibt konstant. Deutlich teurer könnten Kunden künftig auch im "Vision Start"-Tarif der Axa fahren. In der Variante mit 400 Euro Selbstbeteiligung soll der Beitrag für Männer um 20 Prozent steigen, für Frauen um 15 Prozent. Noch ist das aber nicht endgültig bestätigt.

Auch wenn für die Kurzanalyse die Beiträge fürs Neugeschäft betrachtet wurden, dürften sich die Beitragsanpassungen für Bestandskunden in ähnlicher Höhe bewegen, so die Analysten. Und dies sei erst der Anfang. Es sei "sehr wahrscheinlich", dass die Gesellschaften "auch in Zukunft erhebliche Preiserhöhungen durchsetzen müssen, um ihre Tarife lebensfähig zu halten."

Was tun?

In bestimmten Fällen kann ein Einsteigertarif sinnvoll sein. Vor allem dann, wenn absehbar ist, dass es sich um eine vorübergehende Lösung handelt. Auf jeden Fall sollte man sich umfassend beraten lassen, auch über das, was man im Fall einer schweren Krankheit oder einer Zahnersatzbehandlung zu erwarten hat. Zudem sollte der Vertrag unbedingt eine "Upgrade"-Option enthalten, mit der später ohne erneute Gesundheitsprüfung auf einen "normalen" Tarif umgestellt werden kann.   

Auch für jene, die schon in einem Einsteigertarif versichert sind und jetzt mehr zahlen sollen, kann der Tarifwechsel eine Option sein. Dann wird der Beitrag zwar auch nicht unbedingt billiger, aber wahrscheinlich stabiler. Zudem bekommt man mehr Leistung fürs Geld. Obwohl jeder Versicherte das Recht zum Tarifwechsel innerhalb einer Gesellschaft hat, stellen sich manche Versicherer quer, so die Erfahrung von Verbraucherschützern. Hier hilft dann nur Hartnäckigkeit. Einfach einen höheren Selbstbehalt zu vereinbaren, ist keine Lösung von Dauer. "Dabei wird das Problem nur auf später verschoben", so Franke und Bornberg. Denn auch in Tarifen mit hohem Selbstbehalt steigen die Beiträge.

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Quelle: n-tv.de, ino

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