Ratgeber

Wo auch Selbstständige Geld kriegen Kredit auf Abruf

Er ist günstiger als der Dispo, flexibler als ein Ratenkredit und auch für Selbstständige und Freiberufler eine Option: der Abrufkredit. Nicht viele Banken haben ihn im Angebot - vielleicht, weil sie dabei nicht so viel verdienen wie bei anderen Krediten, mutmaßt die Stiftung Warentest, die sich auf dem Markt umgesehen hat.

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Geld, das abgerufen werden kann, wenn man es braucht: Der Rahmenkredit macht's möglich.

(Foto: Klaus-Uwe Gerhardt, pixelio.de)

Der Dispokredit ist unschlagbar flexibel. Man kann ihn in Anspruch nehmen, wann man ihn braucht – vorausgesetzt, die Bank macht mit – und zahlt ihn zurück wann und wie man möchte. Zudem gehen auf Girokonten mit Kreditrahmen normalerweise auch regelmäßige Zahlungen ein und bei niedrigerer Kreditsumme muss man auch weniger Zinsen zahlen. Als Dauereinrichtung ist der Dispo aber dennoch nicht optimal. Zum einen, weil man leicht den Überblick verliert und eine geordnete Rückzahlung nur schwer zu bewerkstelligen ist. Zum anderen, weil er ziemlich teuer ist. Die meisten Banken kassieren mindestens neun Prozent, bis zu 15 Prozent können es werden.

Ratenkreditangebote findet man dagegen derzeit schon ab vier Prozent, je nach Laufzeit, Höhe und Bonität des Kunden. Laufzeit und Ratenhöhe sind hier allerdings vorher festgelegt. Will man mal mehr zurückzahlen oder eine Zahlung aussetzen, gibt es dafür kaum Spielraum. Viele Selbstständige und Freiberufler haben zudem noch ein ganz anderes Problem: Sie bekommen bei vielen Banken von vornherein keinen Ratenkredit.

Angebote sind überschaubar

Für sie, aber auch für alle anderen, die einen flexiblen, nicht zu teuren Kreditrahmen suchen, gibt es eine gute Alternative: den Abrufkredit. Viele potenzielle Kunden haben davon noch nie gehört, wohl auch, weil er so selten angeboten wird. Die Stiftung Warentest hat sich für die August-Ausgabe von "Finanztest" bei 136 Banken umgesehen und wurde gerade elf Mal fündig. Doch die wenigen Angebote, die es gibt, können sich meist durchaus sehen lassen.

Abrufkredite sind nicht an bestehende Bankverbindungen, Karten oder Konten gekoppelt. Stattdessen wird auf einem extra Konto ein Kreditrahmen eingerichtet. Dieser Rahmen muss zwar fast überall eine bestimmte Mindesthöhe haben, aber er muss nicht voll in Anspruch genommen werden. Bei der C&A Bank liegt das Minimum schon bei 300 Euro, viele andere sehen aber 2500 Euro oder mehr vor. Bei den meisten Banken ist bei höchstens 25.000 Euro Schluss, die regional tätige BBB Bank und die türkische Oyak Anker Bank stecken die Grenze erst bei 50.000 Euro. Letztlich entscheidet aber immer die Bonität des Kunden über den möglichen Kredit.

Wie das Darlehen zurückgezahlt wird, darüber entscheiden die Kunden weitgehend selbst. Die meisten Anbieter setzen aber eine monatliche Mindesttilgung von zwei Prozent des verfügten Betrags oder – seltener - des Kreditrahmens voraus. Wer also mit 10.000 Euro in der Kreide steht, muss wenigstens 200 Euro im Monat zurückzahlen. Im Laufe der Zeit wird es dann entsprechend weniger, es sei denn, man stockt den Kredit nochmal auf. Das ist nämlich, anders als beim Ratenkredit, grundsätzlich möglich.

Deutsche Bank am teuersten

Abrufkredite sind also sehr viel flexibler als Ratenkredite, in der Regel aber auch etwas teurer. Wie hoch der effektive Jahreszins ausfällt, ist letztlich eine Frage der vereinbarten Laufzeit. Im "Finanztest"-Beispiel zahlt der Kunde einen 5000-Euro-Kredit über 24 Monate hinweg ab. Bei der Allgemeinen Beamten Kasse zahlt er dafür effektiv günstige 6,75 Prozent p.a. Allerdings steht die Bank nur Angestellten offen. Freiberufler finden bei der ING-Diba gute Konditionen. Deren Rahmenkredit ist momentan für effektive 6,95 Prozent zu haben. Die Volkswagen Bank vergibt ihren "Comfortcredit online" sogar für nur 4,99 Prozent Effektivzins, allerdings ist dieser Satz nur bis zum 15. Oktober garantiert, danach wird es teurer. Apropos teuer: Als einzige deutsche Großbank hat die Deutsche Bank einen Rahmenkredit für Angestellte im Portfolio. In der Finanztest-Berechnung schlägt der allerdings mit stolzen 14,3 Prozent Effektivzins zu Buche, auch weil die Deutsche Bank als eine der wenigen eine Bearbeitungsgebühr verlangt. Nicht jedes Angebot ist also ein Schnäppchen.

Flexibel sind beim Abrufkredit nicht nur die Rückzahlungsbedingungen, sondern auch die Zinsen. Wie beim Dispokredit können sie sich während der Laufzeit ändern. Das geschieht allerdings nicht tagesaktuell, die meisten Banken orientieren sich an den Leitzinsentscheidungen der EZB. Tendenziell dürften die Kredite also auf absehbare Zeit teurer werden.

Quelle: ntv.de