Rath around the worldMallorca hat ein neues Ultra-Luxus-Hotel zwischen Pinien, Felsen und Meer
Eine Kolumne von Carsten K. Rath 
Mallorca neu entdecken – geht das überhaupt noch? Unser Autor ist überzeugt: Ja. Denn die Insel, die viele Deutsche noch immer mit Pauschalreisen, Neckermann-Katalogen und dem Ballermann verbinden, hat sich in den vergangenen Jahren neu erfunden.
Lange Zeit war Mallorca vor allem ein vertrautes Urlaubsziel für europäische Gäste. Heute kommen Reisende aus Nordamerika, dem Nahen Osten und Asien, die eine mediterrane Alternative zu klassischen Luxusdestinationen suchen. Was für viele Europäer einst die Karibik oder die Seychellen bedeuteten, ist für internationale Gäste inzwischen Mallorca: eine Insel mit spektakulärer Landschaft, hervorragender Gastronomie und einer Kultur, die weit mehr bietet als den klassischen Badeurlaub.
Dass nun mehrere internationale Luxusmarken investieren, ist deshalb kein Zufall. Mit dem "Four Seasons Resort Mallorca at Formentor" und dem "Mandarin Oriental Punta Negra" setzen zwei der renommiertesten Hotelgruppen der Welt auf die Zukunft der Insel.
"Mandarin Oriental" gehört zu den traditionsreichsten Namen der internationalen Luxushotellerie. Seit der Eröffnung des "Mandarin Oriental Hongkong" im Jahr 1963 steht die Marke für asiatische Servicekultur, außergewöhnliche Spa-Erlebnisse und Häuser, die sich mit ihrem Standort verbinden. Diese Philosophie soll nun mit der mediterranen Leichtigkeit Mallorcas verschmelzen.
Manchmal beginnt Luxus schon vor der Ankunft
Schon die Anreise zum Hotel ist ein Erlebnis. Ich erreiche eine private Halbinsel nahe Portals Nous, auf der sich das Resort zwischen Pinien, Felsen und Meer in die Landschaft einfügt. Statt einer großen Hotelkulisse empfängt mich ein Ort, der eher an eine private Residenz erinnert: zwei Badebuchten, ein eigener Steg und der weite Blick über die Küste.
Dieser "Sense of Arrival" gehört für mich zu den besonderen Momenten während meines Aufenthaltes. Wenn am Abend die Sonne über dem Mittelmeer untergeht, die Yachten im Wasser liegen und die Lichter der Küste langsam sichtbar werden, versteht man, warum solche Orte heute eine besondere Anziehungskraft besitzen.
Ein Resort wächst mit den Menschen dahinter
Generaldirektor Duarte Correia begleitet die momentane Phase. Der erfahrene Hotelier kennt die DNA der Marke aus seinen früheren Stationen als General Manager im "Mandarin Oriental Canouan" und in Prag. Nun geht es darum, aus einer Neueröffnung einen gewachsenen Lieblingsort zu machen.
Denn ein großes Resort entsteht nicht allein durch Architektur. Die ersten Monate entscheiden darüber, ob aus einem schönen Gebäude ein außergewöhnliches Hotel wird. Pflanzen müssen anwachsen, Abläufe müssen sich einspielen, ein Team muss seinen Rhythmus finden. Correia weiß, dass genau diese Phase entscheidend ist: Die Persönlichkeit eines Hauses entsteht durch die Menschen, die es täglich mit Leben füllen.
Die Architektur folgt der Landschaft. Naturstein, warme Materialien und mediterrane Farben greifen die Umgebung auf. Die Zimmer und Suiten öffnen sich zum Meer, viele verfügen über großzügige Terrassen und private Rückzugsorte. Besonders beeindrucken mich die beiden Pools: einer mit Blick auf die Weite des Mittelmeers, ein weiterer eher wie ein entspannter Beach Club gestaltet.
Der wahre Luxus zeigt sich in persönlichen Momenten
Auch der Spa gehört schon jetzt zu den großen Stärken des Hauses. Innenpool, zahlreiche Saunen, Dampfbäder, Wasserwelten und moderne Behandlungsräume bieten alles, was man von einem Mandarin Oriental erwartet. Doch wie so oft sind es die persönlichen Begegnungen, die am Ende in Erinnerung bleiben.
Eine besondere Empfehlung bekomme ich für Paola im Spa. Ich kenne sie noch aus ihrer Zeit im Son Net Hotel im mallorquinischen Puigpunyent und freue mich, sie hier wiederzutreffen. Ihre Massage gehört für mich zu den Momenten, die ein Luxusresort ausmachen: persönlich, aufmerksam und mit jener Ruhe, die man sich nach einem Tag am Mittelmeer wünscht.
Auch am Tisch zeigt sich Mallorcas Wandel
Auch kulinarisch möchte das "Mandarin Oriental Punta Negra" neue Maßstäbe setzen. Zum Start waren mit den Restaurants "Leppoc" und "Sobretaula" die ersten Konzepte geöffnet. Im Laufe des Sommers folgen weitere Restaurants: das "Matsuhisa", "Leña by Dani García", "Jacinta" und "Thalos". Die Vielfalt zeigt, wohin die Reise geht: Das Resort möchte nicht nur Übernachtungsort sein, sondern eine eigene gastronomische Destination.
Besonders spannend ist dabei die Mischung aus internationalen Namen und mallorquinischer Leichtigkeit. Gäste können zwischen unterschiedlichen Küchen wählen und erleben, wie stark sich Mallorca auch kulinarisch entwickelt hat. Die Insel muss sich längst nicht mehr hinter klassischen Gourmetdestinationen verstecken.
Mallorca entdecken - jenseits der bekannten Wege
Diese neue Form des Reisens zeigt sich auch beim Concierge-Konzept. Statt gewöhnlicher Ausflüge empfiehlt das Team persönliche Erlebnisse: eine Wanderung durch die Serra de Tramuntana, eine private Bootstour zu versteckten Buchten, eine Weinverkostung bei einem mallorquinischen Produzenten.
Natürlich braucht ein neues Haus dieser Größe noch etwas Zeit, bis jedes Detail perfekt sitzt. Doch die Substanz ist außergewöhnlich. Die Lage, die Architektur, der Spa und die Möglichkeiten dieses Resorts sind bereits jetzt beeindruckend. Wenn die Anlage vollständig eingewachsen ist und alle gastronomischen Konzepte geöffnet haben, dürfte das "Mandarin Oriental Punta Negra" zu den spannendsten Resorts Europas zählen.
Mallorca hat sich neu erfunden - und bleibt sich treu
Nach einigen Tagen bleibt vor allem ein Eindruck: Mallorca ist längst weiter, als viele denken. Die Insel hat ihre Identität bewahrt und gleichzeitig eine neue Form von Luxus entwickelt - weniger laut, weniger demonstrativ, dafür stärker verbunden mit Landschaft, Kultur und Genuss.
Das "Mandarin Oriental Punta Negra" zeigt, wie sehr sich Mallorca selbst verändert hat. Eine Insel, die einst vor allem für Urlaubserinnerungen stand, ist heute ein Ort für anspruchsvolle Reisende aus aller Welt. Und genau deshalb kommt dieses Resort wenn Sie dies hier lesen - zur richtigen Zeit.
Und dennoch gibt es am Ende einen Wehmutstropfen, der Sie allerdings, wenn Sie das hier lesen (zuerst) nicht mal stören wird - Das Hotel hat mindestens sechs Monate zu früh eröffnet. Haben die Immobilienbeitzer Druck auf Mandarin Oriental ausgeübt? - das kann der Marke schaden, schließlich ist Ultra-Luxus ein Marathon - kein Sprint!
Raths Reise-Rating (aktuelle Wertung gefettet):
1. Ganz großes Kino
2. Wenn's nur immer so wäre
3. Hohes Niveau, mit ein paar wenigen Schwächen
4. So lala, nicht oh, là, là
5. Besser als im Hostel
6. Ausdrückliche Reisewarnung
Über den Autor: Als früherer Grandhotelier und Betreiber des relevantesten Hotel-Rankings im deutschsprachigen Raum die-101-besten.com ist Carsten K. Rath Globetrotter von Berufs wegen. Sämtliche Hotels, über die er für ntv schreibt, bereist er auf eigene Rechnung.
Rath ist zudem Autor der Bücher "Die 101 besten Hotels Deutschlands". Mit seinem Ranking kam er im Jahr 2024 erstmals in die Schweiz. Bestellen Sie das Buch gerne per E-Mail an board@i-sle.ch oder online unter:
https://die-101-besten.de/interesse-am-buchband-die-101-besten-hotels-deutschlands-2026/
Jetzt neu: PODCAST – "Minibar-Geständnisse, aus Zimmer 101" von Carsten K. Rath, der bei den besten Hoteliers hinter die Kulissen blickt. Zu hören unter anderem bei Apple und Spotify.