Ratgeber

24 Prozent für Kosten Riester-Rente ist ein sehr teurer Spaß

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Eine zusätzliche private Altersvorsorge tut Not, um später nicht zu darben. Und wohl auch ein staatlich organisiertes Vorsorgeprodukt.

Um Altersarmut vorzubeugen, wurden mehr als 16 Millionen Riester-Verträge zur privaten Vorsorge abgeschlossen. Doch das Modell ist mehr als umstritten. Vor allem auch wegen der horrenden Kosten für den Sparer, wie eine neue Untersuchung zeigt.

Die Kosten für viele Riester-Verträge sind aus Sicht der Bürgerbewegung "Finanzwende" zu hoch. Von den eingezahlten Geldern - Beiträge und Zulagen - gingen bei einer typischen Riester-Versicherung mit 30 Sparjahren im Schnitt 24 Prozent für Kosten drauf, hieß es in einer am Donnerstag veröffentlichten Modellrechnung von "Finanzwende".

Jede dritte der ausgewerteten Policen vereinnahme sogar 30 Prozent und mehr für Gebühren. Ausgewertet wurden Daten von 65 verschiedenen Riester-Versicherungen und damit den Angaben zufolge ein Großteil des Marktes. "Die Modellrechnungen zeigen, welche massiven Kostenprobleme es bei vielen Riester-Rentenversicherungen gibt", sagte Britta Langenberg, Vorsorgeexpertin bei "Finanzwende". "Am Ende fließt zu viel Geld in die Kostenapparate der Versicherer, für die Altersvorsorge bleibt oft zu wenig übrig." Dazu wurden unter anderem die Abschluss- und Vertriebskosten sowie laufende Verwaltungskosten, beispielsweise für die Kapitalanlage, gezählt.

Ineffizientes System

Die von "Finanzwende" für die Modellrechnung erhobenen Daten gelten für Sparer ohne Kinder, auf deren Vertrag 30 Jahre lang rund 1200 Euro pro Jahr inklusive Zulagen fließen. Die Daten stammen aus Muster-Produktinformationsblättern nach Vorgaben der offiziellen Produktinformationsstelle Altersvorsorge (PIA). Auf dieser Basis wurde der Kostenanteil der Angebote je 100 Euro Beitrag und Zulagen von Versicherungsmathematikern analysiert.

Individuell könnten sich Riester-Verträge zwar rechnen, wenn Kunden hohe Zulagen erhielten, zum Beispiel Sparer mit vielen Kindern. Am "ineffizienten System" ändere das aber nichts, kritisierte die vom früheren Grünen-Politiker Gerhard Schick mitgegründete Bürgerbewegung. Auch Verbraucherschützer hatten in der Vergangenheit die Kosten vieler Riester-Verträge bemängelt.

Systemwechsel zu einem staatlich organisierten Vorsorgeprodukt

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Der Verband der Versicherungswirtschaft GDV kritisierte, bei der Berechnung seien unter anderem variable Kosten der Kapitalanlage mit fixen Beiträgen verknüpft worden. Das führe zu irrigen Ergebnissen: Je besser die Performance der Kapitalanlage, desto höher seien auch die performanceabhängigen Kosten. "Selbst wenn in einen Vertrag gar keine Beiträge mehr eingezahlt werden, könnte in der Finanzwende-Rechnung selbst bei kostengünstigen Produkten mit sehr guter Wertentwicklung und hypothetisch sehr langer Laufzeit 100 Prozent Kostenquote erreicht werden." Anders als suggeriert, werde die Leistung dennoch sehr ansehnlich und nicht Null sein.

Nach Einschätzung Langenbergs wird sich das Kostenproblem "nicht wegreformieren lassen." Sie betonte: "Wir plädieren für einen Systemwechsel zu einem staatlich organisierten Vorsorgeprodukt für alle, das sich im Kern am schwedischen Vorsorgefonds orientiert. Viele Menschen hätten so tausende Euro mehr im Alter zur Verfügung." Die Versicherungswirtschaft plädiert angesichts der Zinsflaute am Kapitalmarkt und des stagnierenden Absatzes für eine Riester-Reform. Unter anderem sollen eingezahlte Beiträge und staatliche Zulagen bei Neuverträgen nicht mehr zu 100 Prozent garantiert werden. Union und SPD hatten sich im Koalitionsvertrag darauf verständigt, die private Altersvorsorge weiterzuentwickeln.

Quelle: ntv.de, awi/dpa