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Streit bei Flugreisen Schlichter müssen immer häufiger vermitteln

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Über 4000 Anträge von Flugkunden musste die Schlichtungstelle im ersten Halbjahr 2015 bearbeiten.

(Foto: picture alliance / dpa)

Sie spart Zeit, Geld und für Kunden vor allem eins: Ärger. Die zentrale Schlichtungsstelle steht seit Ende 2013 auch Fluggästen zur Verfügung. Die Fallzahlen sind seitdem deutlich gestiegen. Bei einem anderen Verkehrsmittel sind die Beschwerden hingegen rückläufig.

Der Flieger verspätet? Der Koffer verschwunden? Viele Passagiere kennen solche Probleme. Doch mit der Beschwerde bei der zuständigen Airline fängt der Ärger häufig erst richtig an. Zur Klärung von Streitfällen bei Flugreisen wenden sich Betroffene deshalb immer häufiger an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr. Im ersten Halbjahr 2015 gingen dort 4133 Schlichtungsanträge zu Flugreisen ein, fast dreimal so viele wie im Vorjahreszeitraum.

Der Anstieg sei darauf zurückzuführen, dass sich immer mehr Fluggesellschaften an der Schlichtung beteiligten, sagte der Geschäftsführer der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP), Heinz Klewe. "Alle deutschen und über 30 internationale Airlines machen bereits mit, auch Ryanair und Easyjet."

Die SÖP ist von der Bundesregierung als Schlichtungsstelle für Bahn, Luftverkehr, Fernbus und Schiff anerkannt. Insgesamt beteiligen sich derzeit rund 240 Verkehrsunternehmen an dem Verfahren, das sie selbst finanzieren. In vielen Fällen geht es um eine Entschädigung bei Verspätungen oder Ausfällen von Flügen und Bahnfahrten.

Beschwerden über die Bahn sind rückläufig

In der ersten Jahreshälfte gab es 1245 Beschwerden über Bahnreisen, das sind 301 oder ein Fünftel weniger als im ersten Halbjahr 2014. Für alle Verkehrsmittel waren es 5494 Fälle, ein Plus von 81 Prozent. Klewe rechnet im Gesamtjahr mit rund 13.000 Schlichtungsanträgen nach 8070 im Jahr 2014.

"Die Schlichtung beruht auf dem Prinzip der Freiwilligkeit", erläuterte der SÖP-Geschäftsführer. "Das hat sich sehr bewährt. Die Unternehmen arbeiten auf dieser Grundlage viel engagierter mit, als wenn sie zur Schlichtung gezwungen wären." Die nötige Unabhängigkeit der Schlichtungsstelle sei gesichert durch die gesetzlichen Vorgaben und einen Beirat unter Vorsitz des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen.

Die Fluggesellschaften hatten lange Zeit Vorbehalte gegen eine zentrale Schlichtungsstelle. Das hat sich geändert, seit die Einrichtung Ende 2013 auch für den Flugverkehr staatlich anerkannt wurde. An das Ergebnis der Schlichtung sind Airlines und Kunden nicht gebunden. Im vergangenen Jahr nahmen sie aber in 91 Prozent der Fälle die Schlichtungsempfehlung an. Damit wurde die Empfehlung dann auch rechtlich bindend.

"Alle Beteiligten sparen durch die Schlichtung Geld, Zeit und Ärger", stellte Klewe fest. Anders als kommerzielle Anbieter wie Inkassobüros ziehe die SÖP weder Bearbeitungsgebühren noch Erfolghonorare, Gerichtskosten oder Mehrwertsteuer ab.

Quelle: n-tv.de, wue/dpa

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