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Tenhagens Tipps Sind Lebensversicherungen wieder attraktiv?

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Lebensversicherer wollen mit einer veränderter Anlagepolitik mehr Rendite für ihre Kunden herausholen.

(Foto: imago/Schöning)

Lebens- und Rentenversicherer reagieren reichlich spät auf die Niedrigzinsphase und investieren nun auch verstärkt in Aktien, Immobilien und erneuerbare Energien. Ob die geänderte Anlagepolitik eine Chance für vorsichtige Sparer ist, weiß Finanztip-Chef Tenhagen.

Lebens- und Rentenversicherer reagieren reichlich spät auf die Niedrigzinsphase und investieren nun auch verstärkt in Aktien, Immobilien und erneuerbare Energien. Ob die geänderte Anlagepolitik eine Chance für vorsichtige Sparer ist, weiß Finanztip-Chef Tenhagen.

n-tv.de: Die Versicherer haben ihr Kapitalmarktmanagement aufgemöbelt und wollen nun verstärkt auch in sogenanntes Risikokapital investieren. Ist das PR oder eine längst fällige Entscheidung?

Hermann-Josef Tenhagen: Das ist eine längst fällige Entscheidung. Das Problem an Lebensversicherungen ist nur, dass das Attraktive an den Produkten Garantien waren, die die Versicherer gegeben haben, die man anderswo nicht bekommen hat. Und die sind mittlerweile ja sehr, sehr niedrig. Ich als Kunde müsste mich nun darauf verlassen, dass diese neue Gewichtung bei den Anlageklassen auch funktioniert, um an mehr Rendite zu kommen.

Gerade Immobilien und Aktien sind aber doch zwei Anlageklassen, die in den vergangenen 10 Jahren bekanntlich nicht die schlechteste Entwicklung genommen haben. Hat die Branche eine Diversifikation bei der Anlage der Kundengelder versäumt?

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Ja, hat sie wohl. Die Versicherer rühmen sich ihres vom Kunden teuer bezahlten Kapitalanlagemanagements. So war es aber auch schon in der Vergangenheit möglich, 35 Prozent in Aktien, Immobilien und Co. anzulegen.

Warum ist das nicht passiert?

Die Versicherer haben beim Platzen der Dotcom-Blase Anfang der 2000er Jahre und auch bei der Finanzkrise 2008 viel Geld verloren. Da sind die dann noch vorsichtiger geworden, als sie ohnehin schon waren.

So oder so, ist durch die neue Gewichtung der Anlageformen das Produkt Lebens- beziehungsweise Rentenversicherung wieder attraktiver geworden?

Nein, solange die hohen Kosten vorneweg gezahlt werden müssen und die Garantien niedrig sind, macht eine risikobereite Anlagepolitik das Produkt nach wie vor nicht attraktiv. Das eigentliche Problem der Lebensversicherer ist, dass die Kostenstruktur für die Kunden schwierig ist. Läuft das Produkt nicht, kommt der Kunde eben dadurch, dass er bereits zu Anfang ein Großteil an Gebühren und Provisionen zu zahlen hat, nicht ohne Einbußen aus seinem Vertrag. Wichtig wäre es, den Kunden hier mehr Flexibilität zu geben. Wenn die Kosten über die gesamte Laufzeit der Versicherung verteilt würden, wäre das Produkt deutlich aufgewertet.

Abgesehen davon, wer noch im Besitz eines alten Vertrages mit hoher Garantieverzinsung und Steuervorteilen ist, nimmt natürlich auch an der neuen Anlagestruktur teil, und kann so, ohne Risiko an den Chancen der Neugewichtung der Anlageklassen teilhaben.

Wenn der Abschluss einer Lebensversicherung nicht erste Wahl ist, wie sollte denn dann fürs Alter vorgesorgt werden?

Lebens- oder Rentenversicherung nur noch, wenn sie vom Chef bezahlt oder zumindest bezuschusst werden. Dann ist die Rendite von den Versicherern vor allem Zubrot. Ansonsten sollte auf jeden Fall geprüft werden, auf welche geförderte Altersvorsorge ein Anspruch besteht. Also Riester- oder eben Betriebsrente. Oder vielleicht sogar beides. Und wer einen Anlagehorizont von länger als 10 Jahren hat, sollte ruhig einen Teil seines Geldes in Aktien-ETFs stecken . Damit waren in der Vergangenheit gute Renditen zu erzielen. Die Schwankungen am Aktienmarkt sollte man aber unbedingt zeitlich aussitzen können.

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Axel Witte

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Quelle: n-tv.de

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