Ratgeber

Doppelte Zeit, halbes Geld So funktioniert das "Elterngeld Plus"

3ixk3629.jpg1450318560249351871.jpg

Eltern, die in Teilzeit arbeiten, erhalten zukünftig bis zu 28 Monate das halbe Normal-Elterngeld - ohne Abstriche.

(Foto: dpa)

Das Bundeskabinett bringt das Gesetz für ein reformiertes Elterngeld auf den Weg. Eltern können damit Elterngeld und Teilzeitgehalt kombinieren, ohne dass es wie bisher Abzüge gibt. Partnerschaftliche Aufteilung wird mit einem Bonus belohnt. Die Regeln im Überblick.

Das Kabinett hat das sogenannte "Elterngeld Plus" beschlossen. Damit können Eltern künftig bis zu 28 Monate Elterngeld beziehen, wenn sie dabei Teilzeit arbeiten. Mit dem Gesetz wird auch die Elternzeit neu geregelt: Eltern können flexibler darüber bestimmen, wann sie die unbezahlte Auszeit nach der Geburt des Kindes nehmen.

Das "Elterngeld Plus" soll eine Lücke schließen, die sich beim bisherigen Elterngeld schnell auftat: Es war eine Wahl zwischen Vollzeit zu Hause oder Erwerbstätigkeit. Zwar erlauben die Elterngeldregeln es auch schon jetzt, bis zu 30 Stunden in der Woche zu arbeiten. Doch der Verdienst wurde so ungünstig verrechnet, dass vom Elterngeld meist wenig übrig blieb.

Die Neuerungen im Überblick:

Elterngeld schrumpft nicht mehr

So wird das klassische Elterngeld berechnet (hier exemplarisch für einen Elternteil und 12 Monate):

  • Durchschnittliches Netto-Einkommen während der 12 Monate vor der Geburt des Kindes: 2400 Euro
  • Monatlicher Elterngeldanspruch für bis zu 12 Monate: 1560 Euro (= 65 Prozent von 2400 Euro)
  • Summe der Elterngeldzahlungen: 18.720 Euro

So wird das Elterngeld bei Teilzeitarbeit berechnet:

  • Fiktives Netto-Teilzeiteinkommen: 1000 Euro pro Monat
  • Differenzbetrag zum Vollzeit-Netto: 1400 Euro
  • Monatlicher Elterngeldanspruch: 910 Euro (= 65 Prozent von 1400 Euro)
  • Verlust im Vergleich zum Elterngeld ohne Erwerbstätigkeit: 650 Euro
  • Gesamteinkommen: 1910 Euro
  • Summe der Elterngeldzahlungen: 10.920 Euro

So soll das Elterngeld Plus funktionieren:

  • Teilzeitgehalt: 1000 Euro
  • Elterngeld Plus: 780 Euro (die Hälfte des Betrages vom klassischen Elterngeld, ausgezahlt über 24 statt 12 Monate)
  • Gesamteinkommen: 1780 Euro
  • Summe der Elterngeldzahlungen: 18.720 Euro (gestreckt auf zwei Jahre)

Elterngeld Plus bedeutet also kurzfristig etwas weniger Geld im Monat zur Verfügung zu haben (hier: 130 Euro weniger). Langfristig ergibt sich aber ein Plus durch die Summe der Elterngeldzahlungen (hier: 7800 Euro mehr).

Die wichtigste Neuerung, die das "Elterngeld Plus" enthält, ist die günstigere Anrechnung von Teilzeiteinkommen. Paare können es doppelt so lange wie das klassische Elterngeld beziehen, wobei die monatlich ausgezahlte Summe halbiert wird. Wer dann in Teilzeit arbeiten geht, kann das halbe Elterngeld und den Teilzeitverdienst ohne Abzüge einstreichen.

Bisher lohnte es sich für Mütter oder Väter kaum, während der Elternzeit eine gewisse Stundenzahl arbeiten zu gehen. Zum geringeren Teilzeitgehalt kam ein stark reduziertes Elterngeld. Unterm Strich konnte der Verlust beim Elterngeld bis zu mehrere tausend Euro betragen. Das trifft zum Beispiel Freiberufler, die auf Aufträge angewiesen sind und ihre Tätigkeit nicht einfach monatelang ruhen lassen können. Andere, etwa Berufseinsteiger, wollen vielleicht nicht so lange pausieren und trotzdem Zeit für ihr kleines Kind haben.

Gleichberechtigungsbonus

Wenn beide Elternteile mindestens vier Monate gleichzeitig Elternzeit nehmen und dabei Teilzeit arbeiten, erhalten sie weitere vier Monate lang einen sogenannten Partnerschaftsbonus. Voraussetzung ist, dass beide jeweils 25 bis 30 Stunden pro Woche arbeiten. Eine Studie hatte im vergangenen Jahr ergeben, dass sich 60 Prozent der Eltern mit Kleinkindern wünschen, in gleichem Umfang erwerbstätig zu sein und sich gleichermaßen um Haushalt und Familie zu kümmern - nur 14 Prozent gelingt das aber.

Eine gemeinsame Teilzeitkonstellation mit zusätzlichem "Elterngeld Plus" kann theoretisch mehr als zwei Jahre Bestand haben. Allerdings wollen viele Mütter sich am Anfang doch mehrere Monate ausschließlich um ihr Baby kümmern. Die ersten acht Wochen nach einer Geburt dürfen sie außerdem nach dem Mutterschutzgesetz gar nicht arbeiten.

Mehr Kombinationsmöglichkeiten

Das klassische Elterngeld und "Elterngeld Plus" können deshalb kombiniert werden. So kann sich eine Mutter beispielsweise acht Monate voll und ganz um ihr Baby kümmern und volles Elterngeld beziehen. Anschließend können beide Eltern parallel Teilzeit arbeiten und sich im Idealfall mit der Betreuung ihres Kindes abwechseln. Durch den Partnerschaftsbonus (ab mindestens vier parallelen Teilzeitmonaten) kann das in diesem Beispiel zehn Monate lang so gehen. Bis dahin ist das Kind 18 Monate alt. Bei anderer Kombination der beiden Elterngeldvarianten ließe sich der Zeitraum noch länger strecken.

Das "Elterngeld Plus" muss zudem nicht am Stück genommen werden, was beim Elterngeld bisher die Vorgabe ist. Ein Vater kann beispielsweise zwei Monate nach der Geburt volles Elterngeld beziehen und zu einem späteren Zeitpunkt mit der Plus-Variante mehrere Monate auf Teilzeit gehen und ergänzend ein halbes Elterngeld beziehen.

In bestimmten Konstellationen, etwa wenn beide Eltern nach der Kindsgeburt zugleich Teilzeit arbeiten, kann der Elterngeld-Bezug laut Familienministerium sogar auf 36 Monate - für beide Eltern parallel 18 Monate - ausgedehnt werden.

Mehr Varianten zeigt das Eckpunktepapier des Familienminsteriums.

Elternzeit in drei Blöcken

Eine weitere Neuerung: Zwei der drei Jahre Erziehungszeit, die Eltern unabhängig von Elterngeldzahlungen zustehen, können auch erst zwischen dem dritten und dem achten Geburtstag des Kindes in Anspruch genommen werden. Bisher galt das nur für maximal zwölf Monate. Der Arbeitgeber muss dafür nicht mehr wie bisher um Erlaubnis gefragt werden. Es ist auch möglich, die Elternzeit in drei Blöcke aufzuteilen - zum Beispiel ein Jahr nach der Geburt, ein Jahr während der Kindergartenzeit und ein Jahr ab der Einschulung.

Für das Elterngeld stehen im Bundeshaushalt pro Jahr rund fünf Milliarden Euro zur Verfügung. Es beträgt mindestens 300 und höchstens 1800 Euro im Monat. Bei "Elterngeld Plus" liegt die Grenze demnach bei 900 Euro. Die neue Regelung soll ab 1. Juli 2015 in Kraft treten.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen