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Tenhagens Tipps Soll man jetzt den Stromanbieter wechseln?

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Wer noch immer beim Grundversorger ist, kann nach einem Wechsel meist über zehn Euro im Monat sparen.

(Foto: imago stock&people)

Je nachdem, welcher Umfrage man glaubt, haben 40 bis 50 Prozent der Deutschen noch nie ihren Stromanbieter gewechselt. Manche hält die eigene Bequemlichkeit davon ab, andere fürchten, an unseriöse Anbieter zu geraten. Zu Recht? Finanztip-Chef Tenhagen sagt: Die größten Risiken können Kunden ganz einfach vermeiden. Manchmal ist eine Kündigung aber auch gar nicht sinnvoll. 

Zum nächsten Jahr werden viele Stromversorger wieder ihre Preise ändern, manche erhöhen sie, bei manchen wird es billiger. Bekommen das die Kunden denn überhaupt mit?

Hermann-Josef Tenhagen: Nein, nicht notwendigerweise. Es gibt zwei Arten von Erhöhungen, die die Kunden häufig übersehen. Eine ganz offenkundige ist die, dass im ersten Jahr ein Bonus gewährt wurde. Der fällt dann weg, normalerweise nach einem Jahr, und der Beitrag steigt. Das zählt dann aber nicht als Erhöhung, auf die der Anbieter extra hinweisen müsste. Viele Leute denken nach ein paar Monaten eben nicht mehr ans Kündigen und bleiben ein weiteres Jahr beim gleichen Versorger, der im zweiten Jahr aus Sicht des Kunden deutlich teurer ist.

Das andere sind die Anbieter, die zwar eine Erhöhungsankündigung schicken, diese aber gut verstecken. Das hat man ziemlich oft. In Papierform findet man dann vielleicht auf Seite drei den Hinweis auf steigende Preise. Das sieht man natürlich nicht, wenn man nicht zu Ende liest. Oder man bekommt die Info nur per Mail. Die geht dann womöglich unter, wenn man regelmäßig Mails von dem Anbieter bekommt und die ungelesen aussortiert. In beiden Fällen läuft das Sonderkündigungsrecht nach einer Preiserhöhung ins Leere, weil man es gar nicht sieht.

Nichtstun wird also bestraft?

Wichtig ist erstens, dass man sich bei der Wahl des Stromanbieters klarmachen muss: Bonus heißt, dass der Tarif später teurer wird. Und das zweite ist, dass man die Post von Anbietern immer aufmacht, liest und darauf reagiert. Hilfreich ist es natürlich, wenn man überflüssige Newsletter und Werbebriefe von denen erst gar nicht bekommt. Werbepost kann man ja abbestellen.

Und reagieren heißt dann kündigen?

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Reagieren heißt, mit dem möglichen Sonderkündigungsrecht umgehen. Also prüfen, ob eine Erhöhung vorliegt und ob die Erhöhung so ausfällt, dass man kündigen sollte – oder eben nicht. Es kann ja auch sein, dass der Anbieter vorher sehr günstig war und nach einer kleinen Erhöhung immer noch günstig bleibt. Ein bisschen Arbeit muss man sich beim Kündigen und Wechseln immer machen. Bei 100 Euro Ersparnis im Jahr ist das sicher gerechtfertigt, für 10 oder 15 Euro lohnt sich der Aufriss aber nicht.

Viele Verbraucher wechseln nicht, weil sie Angst vor Ärger haben. Stichwort Flexstrom oder Care Energy. Gibt es immer noch schwarze Schafe?

Ja klar, aber die Risiken sind kleiner geworden. Früher waren die bei vielen billigen Verträgen vorgesehenen Vorauszahlungen ein großes Risiko. Da haben Kunden dann ein paar Hundert Euro verloren, wenn der Anbieter pleitegegangen ist. Solche Tarife gibt es heute praktisch nicht mehr. Wenn es heute Ärger gibt, dann dreht der sich meistens um die Boni, mit denen Kunden geködert werden und die dann später eben wegfallen. Mit solchen Neukundenprämien arbeiten auch große Versorger, die deshalb noch keine schwarzen Schafe sind. Die Gasag zum Beispiel geht jetzt mit hohen Boni in den Strommarkt, Vattenfall versucht das Gleiche auf dem Gasmarkt.

Das Nervigste, was aktuell passieren kann, ist, dass man zu spät kündigt und dann plötzlich 150 Euro mehr bezahlen muss und wieder eine Laufzeit von 12 Monaten hat. Oder dass man zu früh kündigt und den Bonus nicht gutgeschrieben bekommt.

Abrechnungsfehler sind kein Problem?

Die kommen auch hin und wieder vor. Wir kennen Kunden mit Stromrechnungen, die plötzlich um ein Vielfaches höher waren als vorher, weil es einen technischen Irrtum gab. Bei einer Umfrage, die wir neulich unter unseren Lesern hatten, waren das Hauptproblem aber die versteckten Preiserhöhungen. Da kommen dann vierseitige Schreiben und die Erhöhung findet sich versteckt auf Seite drei. Wer ganz entspannt ist kann ein Suchspiel mit den Kindern daraus machen.

Gibt es da keine gesetzlichen Vorgaben?

Von Gesetzes wegen ist da noch wenig passiert. Hin und wieder klagen Verbraucherzentralen, wenn sie das Vorgehen für intransparent und unzulässig halten. So verklagte Anbieter kommen dann auch nicht mehr in unserem Vergleich vor.

Was würden Sie wechselwilligen Kunden raten?

Zwei Strategien: Wer bereit ist, sich regelmäßig zu kümmern, nimmt einen günstigen Bonustarif. Da muss man dann eben aufpassen und alle Termine einhalten. Oder man nimmt einen guten Tarif, um den man sich nicht so regelmäßig kümmern muss. Der sollte dann kurze Kündigungsfristen haben, so dass man nach vier Wochen aus dem Vertrag rauskommt, wenn man sich doch nach einem günstigeren Anbieter umsehen möchte.

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Isabell Noé

Quelle: n-tv.de

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