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Hoch verzinste Geldanlage Sparkassen: 200.000 Sparverträge gekündigt

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Ja, das ist wohl das neue Motto der Sparkassen ...

(Foto: imago stock&people)

Vielen Sparkassenkunden wurden 2019 ihre lukrativen Prämiensparverträge gekündigt. Vor allem Sparer in Bayern hatten das Nachsehen, wie eine aktuelle Auswertung zeigt. Doch nicht jeder Rauswurf geht in Ordnung.

Für Prämiensparer in Deutschland ist 2019 nach einer Übersicht des Verbraucherportals biallo.de kein gutes Jahr gewesen. Bei Prämiensparverträgen handelt es sich um lukrative Sparverträge ohne feste Laufzeit, die nach 15 Jahren die Höchstverzinsung erreicht haben.

Allein in diesem Jahr seien bisher mehr als 200.000 Sparkassenkunden aus ihren Sparverträgen gedrängt worden, wie aus einer Auswertung unter knapp 1300 Banken und Sparkassen hervorgehe. Spitzenreiter bei Kündigungen sei Bayern, teilte das Portal mit. Im Freistaat hätten 34 Sparkassen Prämiensparverträge gekündigt. Es folgten Niedersachsen mit 13 und Nordrhein-Westfalen mit 7 Sparkassen. Seit Beginn der Kündigungswelle im Jahr 2015 haben den Angaben zufolge insgesamt mehr als 90 Sparkassen Kündigungen verschickt.

Prämiensparverträge zeichnen sich durch eine vergleichsweise geringe variable Verzinsung aus, die mit nach Laufzeit gestaffelten Bonuszinsen ausgeglichen werden sollen. Viele dieser Sparverträge haben nach 15 Jahren die höchste Prämienstufe erreicht und dürfen gekündigt werden.

Kündigungsrecht gilt nicht pauschal

Im Mai hatte der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe geurteilt, dass langjährige Prämiensparer die Kündigung ihrer Altverträge durch die Sparkassen hinnehmen müssen, wenn sie die einmal vereinbarte Bonusstaffel ausgeschöpft haben. In dem Fall hatten Kunden der Kreissparkasse Stendal in Sachsen-Anhalt geklagt, die drei entsprechende Verträge aus den Jahren 1996 und 2004 weiterführen wollten. (BGH-Urteil vom 14.5.2019 AZ: XI ZR 345/18)

Das Marktwächter-Team Finanzen der Verbraucherzentralen warnt allerdings, dass die vom BGH formulierte Kündigungsmöglichkeit nicht für alle Sparverträge gilt. Demnach kündigen viele Sparkassen mit Verweis auf das BGH-Urteil langjährige, gut verzinste Sparverträge, die vor mehr als 15 Jahren abgeschlossen wurden. Doch der BGH hat nach Meinung der Verbraucherschützer den Sparkassen kein pauschales Kündigungsrecht eingeräumt. Ein Rauswurf ist nur bei entsprechenden Prämien-Sparverträgen möglich, wenn die im Vertrag vereinbarte Prämiengarantie beendet ist. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn die Spitze oder der Höchstsatz der zugesagten Prämie erreicht ist - also wenn die Prämie nicht mehr größer werden kann.

Die Marktwächter raten Verbrauchern, die eine Kündigung ihres Sparvertrags erhalten haben, deren Rechtmäßigkeit von ihrer Verbraucherzentrale vor Ort prüfen zu lassen. Bei dieser Gelegenheit prüfen Experten zudem die Zinsänderungsklausel, die in alten Sparverträgen unwirksam sein kann. Möglicherweise können die Sparer hier sogar noch Zinszahlungen nachfordern.

Quelle: ntv.de, awi/dpa