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Tenhagens Tipps Strafzinsen? Das sollten Sie wissen

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Unser Experte sieht keine Negativzinsen auf breiter Front.

(Foto: imago images/Christian Ohde)

Nicht nur, dass es fürs Ersparte keine Zinsen gibt, nun fürchten Sparer auch noch den Dammbruch in Form von Negativzinsen auf breiter Front. Laut Medienberichten langen bereits 39 Geldinstitute bei Guthaben auf Giro- und Tagesgeldkonten zu. Was meint Finanztip-Chef Tenhagen zur Bedrohungslage? 

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

n-tv.de: Die US-Notenbank hat die Leitzinsen unlängst zum dritten Mal in diesem Jahr gesenkt und auch die EZB wird wohl nachziehen. Sind Strafzinsen für Sparguthaben also nur die logische Konsequenz?

Hermann-Josef Tenhagen: Nein, sind sie selbstverständlich nicht. Strafzinsen sind aber für die Geldinstitute, die nichts mit den Geldern der Kunden anzufangen wissen und diese deswegen am Abend zur EZB schieben, schon ein Mittel, um die dafür ihnen auferlegten Negativzinsen weiterzugeben.

Wobei man auch noch dazu sagen muss, dass die EZB zwar vor einigen Monaten den Strafzins für geparktes Geld auf 0,5 Prozent erhöht hat, gleichzeitig aber sollen die Institute weniger bezahlen, da jetzt Freibeträge eingeführt wurden. Die von den Banken oft angeführte Argumentation der ihnen auferlegten Strafzahlungen greift also zu kurz. Eigentlich müssten sich die Banken überlegen, wie sie die Kundengelder vernünftig einsetzen. Dabei handelt es sich ja eigentlich um Kredite, die der Kunde der Bank zur Verfügung stellt, damit diese damit arbeiten kann.

Haben die Banken verlernt, Geld zu verdienen oder wieso müssen die Parkgebühren an Kunden weitergegeben werden?

Manche Banken haben zumindest lange Zeit gedacht, sie könnten mit Nichtstun Geld verdienen. Einfach dadurch, dass sie Spargelder zur EZB durchschieben und dafür auch noch Zinsen kassieren. Die hat dann aber gesagt, nö, dafür sind wir nicht da. Die ihnen im Zuge dessen auferlegten Parkgebühren vermindern natürlich die Gewinnmarge der Banken. Aber einfacher wird es mit dem Geldverdienen nicht mehr - Zeit also, dass sich die Geldhäuser überlegen, was sonst noch, für beide Seiten lohnend, mit dem Ersparten der Kunden anzufangen ist. Denn für das, was bisher betrieben wird, müssen wir auch nicht die zum Teil exorbitanten Gehälter in der Branche bezahlen.

Sind auch Sie der Meinung, dass es über kurz oder lang auch normale Guthaben auf Giro- oder Tagesgeld trifft?

Nein, an Negativzinsen auf breiter Front bei normalen Guthaben glaube ich nicht. Wenn überhaupt, erheben die Banken ja erst ab 100.000 Euro Guthaben Negativzinsen. Der normale Sparer dürfte also von dieser Problematik sowieso verschont bleiben. Viele sparen ja gar nicht oder können gar nichts zurücklegen.

Aber abgesehen davon - das Guthaben auf einen Tagesgeld- oder Girokonto sollte nicht 100.000 Euro betragen. Das ist Unfug. Beträge in dieser Höhe gehören dann doch langfristig angelegt. Zum Beispiel in einen weltweitanlegenden Aktien-ETF.

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Beim Wohneigentum besteht in Deutschland eigentlich Nachholbedarf.

Oder vielleicht doch in eine eigene Immobilie. Hier besteht in Deutschland nach wie vor Nachholbedarf. Damit ist nicht die Zweitwohnung gemeint, sondern die eigene Bude. Letztere ist sicherlich nicht mehr in Hamburg, Berlin oder München zu haben. Aber beispielsweise im Umland von Berlin kann noch vergleichsweise günstig Eigentum erworben werden. Interessierte sollten hier vor allem an eine Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr achten.

Nicht dass ich an Ihren Einschätzungen zweifle, aber was, wenn die Grenze für Strafzinsen dann doch für deutlich niedrigere Guthaben erhoben werden?

Das Modell heißt Marktwirtschaft. Wenn mir meine Bank sagt, sie möchte mir keine Zinsen mehr für mein Geld, das ich ihr als Kredit gegeben habe, zahlen, dann gehe ich zu einer anderen Bank. Erst recht natürlich, wenn ich auch noch Strafzinsen zahlen soll.

Es gibt ja immer noch Banken, die es auch in einem schwierigen Marktumfeld verstehen, vernünftig zu arbeiten. Beispielsweise gibt es bei der niederländischen LeasePlan Bank 0,4 Prozent Zinsen aufs Tagesgeld - bis 500.000 Euro. Bei Cosmosdirekt gibt es bis 25.000 Euro noch 0,31 Prozent. Die RaboDirect zahlt bis 350.000 Euro 0,30 Prozent Zinsen. Diese Angebote kann man ja als Kunde nutzen, wen mich die Hausbank im Regen stehen lässt. Aber wie gesagt, größere Summen gehören über kurz oder lang investiert.

Halten Sie es denn überhaupt für legal, Negativzinsen an Sparer weiterzugeben?

Nicht bei bestehenden Verträgen. Bei neuen Verträgen kann dies aber durchaus möglich sein. Aber die sollten ja ohnehin nur da abgeschlossen werden, wo es Zinsen gibt und keine Strafzinsen drohen. Aber es zeigt sich mal wieder, dass so mancher Banker Probleme mit der Interpretation des Bürgerlichen Gesetzbuchs hat. Beispielsweise hat es 10 Jahre gedauert, bis sich trotz entsprechender Urteile in der Branche herumgesprochen hat, dass Bearbeitungsgebühren für Kredite nicht erhoben werden dürfen.

Retten wir nicht eigentlich immer noch die Banken?

Womöglich tun wir das. Aber an dieser Stelle können wir ausnahmsweise nicht die Politik verantwortlich machen. Das müssen wir dann schon mit uns selber aushandeln. Denn es gibt ja funktionierende Banken, die eine Idee haben, was sie mit Kundengeldern anstellen. Schauen wir doch einfach, dass wir diejenigen, die das gut machen, als Kunden unterstützen und mit ihnen unsere Geldgeschäfte abwickeln und nicht mit den anderen Schnittchenrittern.

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Axel Witte

Quelle: n-tv.de

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