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Warnung vor "Energiearmut" Versorger drehen öfter Strom ab

Für Millionen Familien wird der Strom im Frühjahr teurer. Verbraucherschützer schlagen angesichts zunehmender Zahlungsprobleme Alarm. Allein 2010 wurde schätzungsweise über einer halben Million Haushalten der Strom abgestellt.

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Verbraucherschützer warnen vor "Energiearmut"

(Foto: picture alliance / dpa)

Strom wird für etwa jeden vierten Haushalt in Deutschland in den kommenden Monaten teurer. Im März und April wollen nach Angaben von Online-Preisvergleichsportalen zwischen 178 und 195 Stromversorger an der Preisschraube drehen. Die Preise stiegen im Durchschnitt um 3 bis 3,5 Prozent, berichteten Check24, Toptarif und Preisvergleich.de. Für Verbraucherschützer ist der jahrelange Aufwärtstrend ein Problem: Die kräftigen Preissteigerungen bei Strom und Gas stellen immer mehr Kunden vor Zahlungsprobleme - bis hin zur dunklen Wohnung.

"Preissteigerungen von rund 15 Prozent bei Strom und Gas in den vergangenen zwei Jahren haben Energie für viele Haushalte zur unbezahlbaren Ware werden lassen", erklärte Vorstand Klaus Müller von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Obendrein machten immer knappere Haushaltsbudgets und die häufig mangelnde Kompetenz beim Planen der eigenen Finanzen Nachforderungen aus Energierechnungen schnell zur Kostenfalle. Wegen unbezahlter Rechnungen sei schätzungsweise 600.000 Haushalten in Deutschland 2010 der Strom abgedreht worden.

Die Verbraucherschützer warnen vor einer "Energiearmut". Nach Einschätzung von drei Viertel der 58 Energieunternehmen, die auf die Fragen der Verbraucherzentrale NRW antworteten, seien wachsende Probleme rund um Energieschulden und Stromsperren festzustellen. 2010 hätten die befragten Unternehmen in NRW über drei Millionen Mal das Zahlen von Stromrechnungen angemahnt. Nach 340 000 Sperrandrohungen war für 62.000 Kunden der Strom dann tatsächlich weg. Hochgerechnet dürften in NRW 2010 etwa 120.000 und bundesweit 600.000 Haushalten der Strom abgedreht worden sein, erklärten die Verbraucherschützer.

Von den anstehenden Preiserhöhungen für Strom im März und April sind laut den Vergleichsportalen zwischen 10 und 11 Millionen Haushalte betroffen. Insgesamt gibt es in Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamtes rund 40 Millionen private Haushalte. Neben Preisanhebungen bei Stadtwerken stiegen die Preise auch bei vielen größeren Regionalversorgern, berichtete Toptarif. Von den vier größten Stromversorgern habe in diesem Jahr bisher nur Vattenfall Preiserhöhungen im Januar vorgenommen. Von Eon, RWE und EnBW seien konkrete Änderungen bislang noch nicht angekündigt worden, hieß es.

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Quelle: n-tv.de, dpa

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