Ratgeber

Regeln für den Ernstfall vereinbaren Was eine Vorsorgevollmacht bedeutet

Ein Unfall, ein schwerer Herzinfarkt oder ein Schlaganfall - manchmal sind es nur Sekunden, die alles verändern. Doch wer mitten im Leben steht, ist selten darauf vorbereitet, dass er unerwartet auf der Intensivstation landen könnte. Schlimmstenfalls sind den Angehörigen dann die Hände gebunden.

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Wer soll entscheiden, wie die Behandlung weitergeht? Ohne Vorsorgevollmacht bestimmt das Gericht einen Betreuer.

(Foto: dpa)

Die meisten Menschen machen sich erst im Rentenalte r Gedanken darüber, was passiert, wenn sie keine eigenen Entscheidungen mehr treffen können. Ein Fehler. Denn ohne eine Vollmacht haben im Ernstfall weder der Ehepartner noch die engen Verwandten ein Mitspracherecht. Das gilt für Gesundheitsfragen, etwa anstehende Operationen, ebenso wie für Finanzen oder für die Wohnung.

Hat der Betroffene niemandem zu seinem Rechtsvertreter bestimmt, dann wird, wenn nötig, ein Betreuer vom Gericht festgelegt. Das kann dann die Person sein, die man naheliegenderweise auch selbst ausgesucht hätte. Womöglich bestimmt das Gericht aber auch jemand anderen, etwa die Mutter anstelle der Lebenspartnerin. Besser also, man kümmert sich rechtzeitig selbst um eine Vertrauensperson, die man dann auch entsprechend vorbereiten kann.

Von Schweigepflicht bis Bankkonto

Denn im Ernstfall sind eine Menge Entscheidungen zu treffen: Welche Behandlung ist für den Patienten die richtige? Wie lange ist eine künstliche Ernährung vertretbar? Wenn nicht abzusehen ist, dass der Patient je wieder zu Bewusstsein kommt, kann der Bevollmächtigte den Arzt dazu zwingen, lebenserhaltende Maßnahmen abzubrechen, wenn das dem Willen des Patienten entspricht. Die Vollmacht kann Ärzte auch von der ärztlichen Schweigepflicht entbinden. Die gilt ansonsten nämlich selbst gegenüber Ehepartnern und den nächsten Angehörigen.

Wenn der Betroffene nicht mehr nach Hause zurückkehren kann, muss sich die Vertrauensperson gegebenenfalls auch um die Wohnung kümmern. Das kann bis zur Kündigung und zur Haushaltsauflösung gehen. Sie muss auch die Korrespondenz mit Behörden und Versicherungen übernehmen und einen Vertrag mit einem Pflegeheim abschließen. Auch Bankgeschäfte können übertragen werden, dafür verlangen die Banken aber in aller Regel eine eigene Konto- und Depotvollmacht.

Ein einfaches Dokument genügt

Abgesehen von den Bankangelegenheiten ist es normalerweise keine große Sache, eine Vollmacht auszustellen. Im Grunde reicht schon ein handschriftlicher Text, in dem festgehalten ist, wer Entscheidungen fällen darf und in welchen Fragen. Im Internet findet man zahlreiche Formulare, die alle wichtigen Themen abdecken. Auf jeden Fall muss das Schreiben Ort und Datum enthalten und unterschrieben sein. Der Bevollmächtigte sollte natürlich wissen, wo er das Dokument findet, damit er es bei Bedarf bei Behörden, Ärzten oder beim Vermieter vorlegen kann.

Einen Notar braucht man für die Vollmacht in der Regel nicht, unter Umständen ist aber eine "öffentliche" Beglaubigung nötig. Dann nämlich, wenn der Bevollmächtigte auch Immobilien verkaufen oder ein Darlehen aufnehmen darf. So eine Beglaubigung bekommt man beim Notar, aber auch bei der Betreuungsstelle der jeweiligen Gemeinde für zehn Euro.

Wichtig: Die Behörde prüft nicht, ob die Vollmacht inhaltlich und juristisch korrekt ist. Wer hier Klärungsbedarf hat, sollte sich von einem Notar beraten lassen. Die Kosten sind abhängig vom jeweiligen Vermögen, bei 100.000 Euro liegen die Gebühren beispielsweise bei rund 165 Euro. Bei komplizierten Familienverhältnissen oder wenn es um größere Vermögen geht, ist das Geld wahrscheinlich gut angelegt. Und auch wenn man mehrere Bevollmächtigte einsetzt, kann ein Notar sinnvoll sein, rät die Stiftung Warentest.

Vollmacht registrieren

Man muss nämlich nicht alle Entscheidungen auf eine einzige Person übertragen, sondern kann die Verantwortung auch aufteilen. So kann es beispielsweise sinnvoll sein, dass sich eine Person um die Gesundheitsfragen kümmert und eine andere um die Finanzangelegenheiten. Ehepartner setzen sich oft gegenseitig als Bevollmächtigte ein. Im Alter sollten sie noch eine dritte Person ernennen, denn womöglich sind dann beide Partner in einer Situation, in der sie nicht mehr die volle Verantwortung füreinander übernehmen können.

Nun hilft die Vollmacht wenig, wenn sie im Ernstfall nicht gefunden wird. Die Bundesnotarkammer bietet ein zentrales Vorsorgeregister an, in der man die Vollmacht registrieren kann. Das geht auch online und kostet einmalig 13 Euro. Muss ein Arzt schnell Entscheidungen fällen, kann er so in kurzer Zeit mit dem Bevollmächtigten in Kontakt treten.

Patientenverfügung als Ergänzung

Wird der Bevollmächtigte tatsächlich einmal gebraucht, trägt er eine große Last, im schlimmsten Fall muss er über Leben und Tod entscheiden. Dafür sollte er gewappnet sein. Hier hilft die Patientenverfügung. An sie müssen sich Ärzte halten, auch dann, wenn es keinen Bevollmächtigten gibt. In der Patientenverfügung legt man fest, welche Behandlung man in bestimmten Krankheitssituationen wünscht, wenn man sich nicht mehr selber äußern kann. So kann man beispielsweise bestimmen, dass man bei einer schweren Hirnschädigung oder im Endstadium einer tödlich verlaufenden Krankheit nicht künstlich ernährt oder beatmet wird oder keine Bluttransfusionen erhält.

Auch für die Patientenverfügung reicht ein handgeschriebenes Dokument oder ein ausgefülltes Formular. Allerdings sollte jedem klar sein, dass es hier um Entscheidungen von großer Tragweite geht. Gerade Patienten, die bereits krank sind, tun gut daran, sich von einem Arzt, einem Anwalt oder einem Betreuungsverein beraten zu lassen.

Quelle: ntv.de

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