Ratgeber

Systemrelevante Berufe Teil zwei Wenig Gehalt für versteckte Corona-Helden

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Es wird an vielen Stellen im Hintergrund systemrelevant gearbeitet.

(Foto: imago/Future Image)

Das Wort "systemrelevant" hat in den letzten Wochen deutlich an Bedeutung gewonnen. Es zeigt sich, dass manche Berufe wichtiger sind als andere. Neben Pflegepersonal oder Ärzten schuften aber auch andere Berufsgruppen für den Fortbestand der Gesellschaft - und bekommen meist nicht, was sie verdienen.

Zumindest in Nordrhein-Westfalen wird die Liste der systemrelevanten Berufe erweitert. Bisher sind vor allem Berufsgruppen wie Pflegepersonal oder Ärzte sind aufgrund der Corona-Pandemie stark im Fokus der Öffentlichkeit. Wie viel Gehalt die für ihren Einsatz bekommen, wurde bereits hier geschildert.

Doch es wird auch an anderen Stellen im Hintergrund systemrelevant gearbeitet. Beispielsweise in Laboren, in der Gebäudereinigung oder in der Logistik.

Die Analysten der Vergleichsplattform Gehalt.de haben anhand von 19.659 Datensätzen die Einkommen dieser "versteckten" Beschäftigten untersucht. Das Ergebnis: Die Vergütung ist oftmals vergleichsweise gering. Laut Untersuchung beziehen Ingenieure in der Biotechnologie mit 52.100 Euro das höchste Einkommen. Medizinisch-technische Laboratoriumsassistenten (35.100 Euro) und Laboranten (38.800 Euro) verdienen deutlich weniger. Diese Fachkräfte testen auf Krankheitserreger und forschen in Laboren, was aktuell für die Eindämmung des Virus essenziell ist.

Geringe Wertschätzung, niedriges Gehalt

Produktionshelfer (28.200 Euro) beziehen dagegen das niedrigste Gehalt der aktuellen Auswertung. Sie sichern die Produktion und den Transport von Waren. Logistiker organisieren ebenfalls Lieferketten - für ein Jahresgehalt von rund 33.100 Euro. Hafenarbeiter (30.400 Euro) und Lageristen (30.300 Euro) verdienen etwas weniger. Zum Vergleich: Das Jahresgehalt von Fachkräften in Deutschland beträgt im Median rund 43.200 Euro im Jahr.

Reinigungskräfte belegen mit 28.900 Euro im Jahr den vorletzten Platz der Erhebung. "Um die Verbreitung von Viren zu verhindern, sind wir stark auf Reinigungskräfte angewiesen. Diese arbeiten aufgrund des verstärkten Personalabbaus und Outsourcings der letzten Jahre zum Teil unter schlechten Bedingungen und in vielen Fällen für ein niedriges Gehalt", kritisiert Philip Bierbach, Geschäftsführer von Gehalt.de. "Es agieren aktuell viele "versteckte Heldinnen und Helden" im Hintergrund - sei es, um Bedürftige zu versorgen oder die Lebensmittelversorgung und Hygienestandards zu gewährleisten. Leider spiegelt sich diese Relevanz weder in der gesellschaftlichen Wertschätzung noch im Gehalt angemessen wider", so Bierbach.

Digitale Technologien wichtiger denn je

Auch Sozialarbeiter setzen ihre Tätigkeit fort, um Bedürftige im Alltag weiterhin zu unterstützen. Hierfür erhalten sie rund 39.700 Euro im Jahr. Hebammen und Entbindungspfleger müssen ebenfalls unter erschwerten Bedingungen Mütter und Neugeborene betreuen. Ihr Gehalt liegt bei 38.600 Euro.

Netzwerkadministratoren machen derzeit für viele Beschäftigte das Arbeiten im Homeoffice erst möglich und bekommen dafür rund 43.200 Euro im Jahr. Auch Elektroniker können ihre Arbeit nicht niederlegen. Ihr Jahreseinkommen liegt bei rund 39.400 Euro.

Hinweis: Diese Auflistung ist nicht vollständig. Es gibt noch andere systemrelevante Berufsgruppen, die nicht für die Studie herangezogen wurden, aber dadurch nicht weniger wichtig sind.

Quelle: ntv.de, awi