Ratgeber

Prüfen und Belege nachreichen Wenn der Steuerbescheid nicht stimmt

Nicht nur Bürger machen bei der Steuererklärung Fehler. Auch das Finanzamt irrt. Meist geht das zulasten des Steuerzahlers. Doch noch ist nichts verloren. Innerhalb der Widerspruchsfrist können Fehler beanstandet oder korrigiert werden, wie "Finanztest" erklärt.

Den Steuerbescheid genauer unter die Lupe zu nehmen, kann sich lohnen. Denn nicht immer sind die Berechnungen des Finanzamts richtig.jpg

(Foto: Warnecke/dpa/tmn)

Gute Nachrichten für kritische Steuerzahler: Im Jahr 2015 entschieden die Finanzämter zwei Drittel der insgesamt 3,5 Millionen Widersprüche zugunsten aufmerksamer Steurpflichtiger. Denn Fehler bei der Steuererklärung sind schnell gemacht - vom Bürger und vom Finanzamt. Zahlendreher, Übertragungs- und Rechenfehler oder aber vergessene oder nicht anerkannte Posten bei der jährlichen Pflichtübung sind keine Seltenheit.

Wenn der Steuerbescheid eintrudelt, sollten Steuerzahler sich deshalb nicht blind auf dessen Richtigkeit verlassen. Eine genaue Prüfung kann bares Geld wert sein. Werden derart eigene Fehler oder aber welche vonseiten der Behörde entdeckt, haben Verbraucher einen Monat nach Bekanntgabe Zeit, Einspruch gegen die Entscheidungen der Behörde einzulegen und entsprechende Belege nachzureichen. Als bekannt gilt der Bescheid drei Tage nach seinem Datum. 

"Finanztest" nennt typische Fehler im Steuerbescheid, bei denen der Widerspruch lohnt.

Vorausgezahlte Steuern sind nicht richtig verrechnet

Steuerpflichtige sollten darauf achten, dass die übers Jahr gezahlte Lohnsteuer richtig abgerechnet wurde. Aufgrund von Eingabe- oder Übermittlungsfehlern kann es hier zu Fehlern kommen. Deshalb sollte die Angaben im Bescheid - auf der ersten Seite - mit der Lohnsteuerabrechnung vom Arbeitgeber verglichen werden.

Steuerermäßigung wegen Riester?

Ebenfalls auf der ersten Seite des Steuerbescheides wird ersichtlich, ob die in der Anlage AV eingetragene Sonderausgabenabzug für Altersvorsorgebeiträge steuermindert berücksichtigt wurde. Ob die Beträge korrekt sind, kann unter dem Punkt unbeschränkt abziehbare Sonderausgaben kontrolliert werden.

Steuerermäßigung wegen Spenden, Kindern und Kirchensteuer

Ebenfalls unter unbeschränkt abziehbare Sonderausgaben sollte geschaut werden, ob gegebenenfalls Spenden, Kinderbetreuungskosten und Kirchensteuer berücksichtigt wurden.

Stimmen Einkünfte und Werbungskosten?

Unter Berechnung des zu versteuernden Einkommens geht hervor, welche Einkünfte erzielt und welche Werbungskosten dabei steuermindert berücksichtigt wurden. Zunächst sollte der Bruttolohn anhand der Lohnsteuerjahresbescheinigung vom Chef auf seine Richtigkeit überprüft werden. Danach können die hier erfassten Daten zu den beruflich veranlassten Kosten mit den eigenen Angaben in der Erklärung verglichen werden. Fehlen Posten oder wurden nicht ausreichend berücksichtigt, sollten diese per Widerspruch moniert werden.

Sparerpauschbetrag bei Kapitalerträgen

Passen die unter Einkünfte aus Kapitalerträgen erfassten Daten mit denen von der Bank bescheinigten Beträgen überein? Wurde der Sparerpauschbetrag in Höhe von 801 Euro (für Verheiratete 1602 Euro) berücksichtigt?

Ausgaben zum Vorsorgeaufwand

Unter dem Punkt beschränkt abziehbare Sonderausgaben sollten die Belastungen durch Altersvorsorgeaufwendungen (ohne Riester), Kranken- und Pflegeversicherung vollständig und korrekt zu finden sein. Als Vergleich dient erneut die Lohnsteuerjahresbescheinigung vom Arbeitgeber.

Wie viele Steuern sind fällig?

Unter Berechnung der Steuer ist ersichtlich, wie hoch die Steuerlast tatsächlich ausfällt. Hier werden gegebenenfalls auch steuermindernde Handwerkerleistungen aufgeführt. Fehlen diese oder fallen zu niedrig aus, sollte auch hier Einspruch gegen den Bescheid eingelegt werden.    

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Quelle: ntv.de, awi