Ratgeber

Corona legt Nerven blank Wenn der Streit um den Abstand eskaliert

be61318d83bc4b8bd86682abd6c345c1.jpg

Abstand halten, Hygienevorschriften beachten, Masken tragen - Corona ist vermeidbar.

(Foto: dpa)

Mitte März wird mehr über Ausbreitung und Gefahr des Coronavirus gerätselt, als dies aktuell immer noch der Fall ist. Im Gegensatz zur Maske ist Abstandhalten aber bereits als eine Schutzmaßnahme ausgemacht. Und bei Nichteinhaltung geraten sich manche folgenreich in die Haare.

Nähe ist ja an sich eine gute Sache. Aber im Frühjahr 2020 ändert sich so manches. Plötzlich verbreitet sich das Coronavirus rasant auf der Welt. Auch in Deutschland. Was hilft? Zumindest beim Händewaschen und Abstand halten sind sich die Experten einig. Das zeigt Wirkung. Insbesondere wenn einer dem anderen zu sehr auf die Pelle rückt, kann es Ärger geben. Was mitunter auch zu Handgreiflichkeiten führt. So auch in einem vor dem Amtsgericht (AG) München verhandelten Fall (Az.: 824 Cs 431 Js 162556/20).

Hier hat das Gericht einen Rentner, der einen anderen Rentner deswegen verletzt hat, weil dieser nicht die gebotenen Abstandsregeln eingehalten und ihm zu nah gekommen sein soll, wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe verurteilt.

Was war passiert?

Mitte März kam es auf einem Wertstoffhof zu einem Streit zwischen einem 71-Jährigen und einem 81-Jährigen über die Einhaltung der Corona-Abstandsregeln. Im Verlauf des Streits holte nach Überzeugung des Amtsgerichts der Angeklagte mit seinem noch zum Teil mit Gartenabfällen gefüllten Sack schwungvoll zur Seite aus und traf dadurch den Geschädigten damit bedingt vorsätzlich im Gesicht.

Der Geschädigte erlitt dadurch Schürfwunden und Schwellungen im Bereich des linken Auges und der linken Wange. Der Angeklagte bestritt, die Tat absichtlich begangen zu haben. Er habe den Geschädigten, da er zur Risikogruppe gehöre, mehrmals aufgefordert, dass er weggehen solle. Dies habe dieser aber nicht getan. Daraufhin habe er seine Gartenabfälle weiter geleert und beim Entladen den Geschädigten verletzt, er habe diesen nicht gesehen.

Der Geschädigte dagegen ist der Auffassung, dass der Angeklagte ihn absichtlich attackiert habe. Sogar ein Mitarbeiter des Wertstoffhofs hätte dazwischengehen müssen, damit der Streit nicht eskalierte. Der Mitarbeiter am Wertstoffhof bestätigte diese Aussage. Eine weitere Zeugin gab an, dass die Kontrahenten "gefühlt nebeneinander" gestanden hätten, als der Angeklagte seinen Sack schwungvoll in Richtung des anderen, der nicht habe warten wollen, geführt hätte. Sie hätte den Schlag mit dem Plastiksack als nicht so schlimm empfunden, es seien nur Krümel herausgeflogen, einen Treffer habe sie nicht mitbekommen.

Das Urteil

Das AG hat den Angeklagten wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 70 Euro verurteilt. Aufgrund der Angaben der neutralen Zeugen ging das AG davon aus, dass der Angeklagte sehr erbost darüber war, dass der Geschädigte seiner Auffassung nach die Abstandsregeln nicht einhielt. Deshalb habe er schließlich mit dem Sack ausgeholt und den Geschädigten entweder mit dem Sack oder mit darin befindlichen Gartenabfällen getroffen. Dabei nahm er zumindest billigend in Kauf, dass der Geschädigte dadurch auch verletzt wurde. Der Sack mit Gartenabfällen war dabei allerdings nicht als gefährliches Werkzeug im Sinne des Strafgesetzbuches anzusehen, da aufgrund seiner konkreten Verwendung in diesem Fall nicht mit besonders erheblichen Verletzungen zu rechnen war.

Zugunsten des Angeklagten wurde zudem berücksichtigt, dass er nicht vorbestraft war. Außerdem ging der Körperverletzung ein Streit über die Einhaltung der Abstandsregeln voraus.

Quelle: ntv.de, awi