Ratgeber

Aktien, Anleihen, Gold? Wohin mit 25.000 Euro im Mai?

14.05.2026, 06:20 Uhr
imageEin Gastbeitrag von Marco Herrmann
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Tja, wohin damit? (Foto: picture alliance / CHROMORANGE)

Zum Jahresanfang hatten Börsianer eine Lockerung der Geldpolitik fest eingeplant. Doch inzwischen hat sich die Lage grundlegend geändert. Aktien und Gold sind und bleiben die erste Wahl. Oder?

Zum Jahresanfang waren die Analysten noch optimistisch, dass die US-Notenbank Fed im Laufe des Jahres ihren Leitzins zwei- bis dreimal senken wird. Selbst bei der Europäischen Zentralbank (EZB) hatten einige Marktteilnehmer eine Lockerung der Geldpolitik nicht ausgeschlossen.

Mit Beginn des Iran-Kriegs lässt sich dieses Szenario jedoch nicht mehr aufrechterhalten. Im Gegenteil: Aufgrund der sprunghaft gestiegenen Energiepreise - Öl der Sorte Brent hat sich seit Jahresanfang um 70 Prozent verteuert - machen sich die Geldhüter ernsthaft Sorgen um Inflationsgefahren.

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Marco Herrmann ist seit 1992 für renommierte Banken und Fondsgesellschaften tätig. Seit 2010 verantwortet er als Geschäftsführer die Anlagestrategie der FIDUKA. (Foto: Fiduka)

Es deutet immer mehr auf länger andauernde Unterbrechungen der Energieversorgung hin. Iranische Angriffe auf die Öl- und Gasinfrastruktur in benachbarten Staaten haben Schäden verursacht, deren Behebung teilweise Jahre dauern wird. Das bedeutet, dass der Preisschub auf dem Energiemarkt länger anhalten und zu Umwälzungen bei anderen Produkten und Dienstleistungen führen könnte.

Die Anleger erwarten die stärkste Gegenwehr von der EZB. Im Geldmarkt sind über die nächsten zwölf Monate bereits drei Zinserhöhungen um jeweils 0,25 Prozentpunkte eingepreist. Das klingt viel. Allerdings ist es zumindest historisch gesehen selten bei nur einem Zinsschritt geblieben, wenn die Geldpolitik ihre Richtung geändert hat. Die Angst vor einem erneuten Reputationsschaden ist wohl doch zu groß, nachdem die EZB die Inflationswelle in den Jahren 2021/2022 unterschätzt hatte.

Allerdings scheinen drei Zinsschritte nicht notwendig zu sein, da die höheren Energiepreise automatisch zu einer Abschwächung der wirtschaftlichen Nachfrage führen werden. Zum anderen ist die aktuelle Situation nicht mit dem Nachfrageboom nach der Corona-Pandemie vergleichbar. Heute handelt es sich schließlich um einen vorübergehenden Angebotsengpass.

Die Situation in den USA ist wesentlich komplexer. Ab dem 15. Mai gehört Kevin Warsh dem Direktorium der Federal Reserve an und ist designierter Nachfolger von Jerome Powell als Fed-Chef. Warsh wurde nach einem langen Auswahlprozess von US-Präsident Donald Trump nominiert. Dieser erhofft sich von ihm eine schnelle und spürbare Senkung der Zinsen. Ob Warsh, der vor seiner Ernennung einen Regimewechsel angekündigt hat, im aktuellen Umfeld die nötigen Stimmen seiner Fed-Kollegen für Zinssenkungen erhält, ist nicht gesichert.

Geldpolitische Lockerung erst später

Hinzu kommt, dass Powell bis 2028 Board-Mitglied bleibt. Es spricht daher viel dafür, dass eine Zinssenkung erst nach einer Einigung auf einen Friedensvertrag zwischen dem Iran und den USA sowie Israel erfolgen könnte.

Es bleibt spannend, wie der neue Fed-Chef die angekündigte Reduzierung der Notenbankbilanz - primär durch den Abbau der zuvor aufgekauften US-Staatsanleihen - angehen und gleichzeitig für ein lockeres monetäres Umfeld sorgen möchte. Das könnte nämlich zu einem weiteren Anstieg der langfristigen Zinsen führen und dem Immobilienmarkt damit einen weiteren Dämpfer verpassen.

Problematisch ist zudem, dass sich der amerikanische Staat in den vergangenen Jahren vorwiegend über kurzlaufende Anleihen und Geldmarktpapiere finanziert hat, da ihm die hohen Langfristzinsen zu teuer waren. Dadurch hat sich die durchschnittliche Laufzeit der US-Schulden innerhalb von zwei Jahren von 7,5 Jahren auf rund 5,5 Jahre verkürzt. Das hat zur Folge, dass in den nächsten 18 Monaten rund ein Drittel der Staatsschulden refinanziert werden muss. Somit sind die USA anfällig für kurzfristige Verwerfungen an den Anleihemärkten.

Höhere Zinsen belasten Staatshaushalt

Die Hoffnungen vom Jahresanfang auf eine lockere Geldpolitik haben sich zerschlagen. Im Gegenteil: Infolge der steigenden Energiepreise sind auch die Renditen an den Anleihemärkten geklettert. Das ist in mehrfacher Hinsicht problematisch. So machen die Kosten für den Schuldendienst in den USA mittlerweile fast 13 Prozent der gesamten Staatsausgaben aus.

Wenn die Zinsen in naher Zukunft nicht sinken, könnte sich daraus eine Schuldenspirale entwickeln. Gleichzeitig belasten höhere Zinsen Risikoanlagen wie Aktien. Auf Ebene des S&P-500-Indexes ist das dank des Hypes im KI-Sektor derzeit allerdings (noch) nicht zu spüren: Noch übertreffen die meisten Unternehmen die Gewinnprognosen der Analysten.

Ein erstes Warnsignal ist, dass es nur rund 20 Prozent der im S&P 500 gelisteten Unternehmen gelungen ist, sich seit dem Tief Ende März besser als der Index zu entwickeln. Anleger sollten auch im Hinterkopf behalten, dass viele größere Korrekturen an den Märkten in der Vergangenheit durch stark steigende Zinsen ausgelöst wurden. Die Belastung durch höhere Zinsen ist beim Goldpreis besser erkennbar, da er an Tagen mit steigenden Renditen fällt. Schließlich zahlt Gold keine Zinsen und verliert somit an relativer Attraktivität gegenüber Anleihen.

Die 25.000 Euro-Frage

Die Struktur der Geldanlage sollte sich an den eigenen langfristigen Zielen orientieren und nicht von kurzfristigen Kursschwankungen abhängig sein. Das Mindestziel sollte der reale Werterhalt sein, also der Wertzuwachs nach Abzug von Inflation und Steuern. Vor dem Hintergrund stetig steigender Staatsschulden stellt die Inflation langfristig das größte Risiko dar.

Daher sollte der überwiegende Teil des Portfolios in Sachwerten angelegt sein. Im liquiden Bereich sind das vor allem Aktien und Gold. Beide Anlageklassen haben bereits mehrfach bewiesen, dass sie über einen längeren Anlagehorizont die Inflation mehr als ausgleichen können. Die gestiegenen Zinsen bringen jedoch auch Vorteile mit sich. Unternehmensanleihen mit guter Bonität und einer Laufzeit von etwa fünf Jahren bieten derzeit Renditen von 3,5 bis 4 Prozent. Eine Beimischung von Anleihen diversifiziert also nicht nur das Depot, sondern ist auch aus Renditegesichtspunkten wieder interessant.

Marco Herrmann ist seit 1992 für renommierte Banken und Fondsgesellschaften tätig. Seit 2010 verantwortet er als Geschäftsführer die Anlagestrategie der FIDUKA.

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Quelle: ntv.de

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