Ratgeber

Internet bei Tele Columbus Zwangsumstellung sorgt für Ärger

Es gibt keine Festnetzflatrate, kein Fernsehpaket, einfach nur Internet und das auch noch langsam - trotzdem halten viele Kunden von Tele Columbus jahrelang an ihren spartanischen Surf-Tarifen fest. Jetzt werden sie in teurere Verträge eingegliedert - und das kommt bei vielen nicht gut an.

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Rund 2,1 Millionen Haushalte sind über Tele Columbus ans Netz angeschlossen.

(Foto: imago stock&people)

Keine Telefonflat, kein Fernsehpaket, einfach nur Internet: Beim Berliner Kabelbetreiber Tele Columbus gab es den puristischen Internet-Tarif bis vor einiger Zeit noch für 10 bis 15 Euro im Monat. Obwohl das Angebot schon seit Jahren nicht mehr vertrieben wird, konnten Alt-Kunden bislang weitersurfen. Doch nun sind sie verärgert: Tele Columbus hat die Tarife nämlich eingestampft. Nach dem Motto "Friss oder stirb" werden Kunden vor die Wahl gestellt: Entweder in einen neuen Tarif wechseln oder kündigen.

Es ist vor allem die Art und Weise der Ankündigung, die den Betroffenen sauer aufstößt. Sie wurden erst in der zweiten Aprilhälfte darüber informiert, dass ihre bisherigen Verträge zum 1. Mai umgestellt werden. "Da wir unser Produktportfolio an die aktuellen Marktgegebenheiten angepasst haben, wird ihr bisheriger Tarif ab dem 1.5.2015 nicht mehr verfügbar sein", heißt es lapidar in dem Schreiben. Der Internetvertrag werde dann auf den günstigsten Tarif für 19,99 Euro übertragen. Tele Columbus begründet die kurzfristige Ankündigung auf Nachfrage so: "Da die Kunden für die Umstellung nichts unternehmen müssen, sondern ihren Anschluss […] ohne Unterbrechung einfach weiternutzen können, erfolgte die Information nicht mit langem Vorlauf, sondern transparent und zeitnah vor dem Umstellungstermin."

Kunden können kündigen

Der neue Tarif ist die sogenannte "2er Kombi 16" für 19,99 Euro, eine Doppelflatrate mit 16.000 Kbit/s Surfgeschwindigkeit und Telefonflatrate, zwei Rufnummern sind inklusive. Ein durchaus konkurrenzfähiges Angebot – nur eben nicht das, was die Betroffenen ursprünglich gebucht hatten. Sie nutzten keine Festnetz-Flatrate und surften bislang mit 1000 bis 6000 Kbit/s. Das klingt nicht gerade zeitgemäß, reichte denen, die am Tarif festhielten, aber offenbar aus. Im Forum von Tele Columbus kommt die Umstellung jedenfalls gar nicht gut an. "Im Klartext wird der Preis um ein Drittel erhöht! Dafür kann ich jetzt über TC telefonieren, obwohl ich das gar nicht will und auch nicht nutzen werde", schreibt ein Nutzer. Ein anderer spricht im Zusammenhang mit dem erzwungenen Wechsel von "Nötigung".

Nun ist niemand gezwungen, den Telefonanschluss freizuschalten und den neuen Tarif anzunehmen. Innerhalb von vier Wochen nach der Umstellung hätten die Kunden ein Sonderkündigungsrecht, betont Tele Columbus-Sprecher Hannes Lindhuber. "Sofern Kunden der Umstellung auf den leistungsstärkeren Tarif widersprechen und ihren Vertrag […] kündigen, zahlen sie für die verbleibende Laufzeit bis zur Einstellung der Leistung Ende Mai selbstverständlich noch ihren alten Preis." Es schadet auf jeden Fall nicht, die Konkurrenzangebote zu prüfen. Denn wer nichts unternimmt und den Tarifwechsel mitmacht, ist automatisch 24 Monate an den Vertrag gebunden. Bestandskunden können hingegen jeweils zum Ende des Vertragsjahres kündigen.

Verbraucherschützer raten zum Widerspruch

Ob Tele Columbus den Tarifwechsel so überhaupt durchführen darf, ist umstritten. Die Verbraucherzentrale Sachsen meint, der Kabelbetreiber hätte die Verträge zunächst selbst kündigen müssen, unter Einhaltung der jeweiligen Frist. "Wesentliche Änderungen in einem laufenden Vertrag kann ein Unternehmen nur unter strengen Voraussetzungen, vor allem aber nicht ohne Einbeziehung der Kunden vornehmen", meint Katja Henschler, die Rechtsexpertin der Verbraucherzentrale. "Das bedeutet letztlich, dass die Vertragsänderung durch Tele Columbus nicht wirksam ist und der Vertrag zu den alten Konditionen weiter gilt."

Die Verbraucherschützer raten Kunden, die ihren Tarif behalten wollen, den Anbieter auf die Unwirksamkeit der Änderungen hinzuweisen und weiter den alten Preis zu zahlen. Bestehende Einzugsermächtigungen müssten dann gegebenenfalls widerrufen werden. Fraglich ist, ob dieses Vorgehen erfolgsversprechend ist. Im Zweifel wird Tele Columbus wohl am längeren Hebel sitzen und den Wechsel-Verweigerern womöglich einfach wegen Zahlungsverzugs kündigen.

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Quelle: ntv.de