Fußball

So läuft der 16. Spieltag (I) BVB unbarmherzig, VfB setzt Zeichen für Gentner

054c17f3315bf55377d2e8bff544696b.jpg

Er nun wieder: Paco Alcácer, Borussia Dortmund.

AP

Kurz vor Weihnachten will Borussia Dortmund seine irre Serie in der Fußball-Bundesliga ausbauen. Leidtragende wird die Fortuna sein. Beim Verfolger in Mönchengladbach feiert der Trainer - so oder so. In Berlin herrscht Tristesse. Und in Wolfsburg ist Sport nebensächlich.

Was macht der Herbstmeister?

Der dürfte zufrieden sein, dass es vorerst nicht zum königsklassischen Rendezvous mit Jürgen Klopp kommt. Stattdessen darf sich der FC Bayern mit dem Ex-BVB-Trainer und dessen FC Liverpool in der Champions League herumplagen. Für die Fußballer von Borussia Dortmund geht es … ja, wohin eigentlich? Zumindest wissen sie seit gestern, dass es im Achtelfinale gegen Tottenham Hotspur und Harry Kane geht. Doch noch immer ist unklar, ob der BVB am Valentinstag möglicherweise schon an der neu gebauten White Hart Lane oder im auch gar nicht mehr so altehrwürdigen Wembley spielen wird. Gesichert ist dagegen die Reiseroute für den Abend: Für den Bundesliga-Spitzenreiter geht es läppische 55 Kilometer südwestlich gen Düsseldorf in die sogenannte Merkur Spiel-Arena.

Nachdem es für das Team am vergangenen Sonntag beim Weihnachtssingen mit etwa 50.000 Besuchern im Westfalenstadion besinnlich zuging, will es sich nun wieder von seiner unbarmherzigen Seite zeigen. Die Leidtragende ist die Fortuna (ab 20.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de). "Wir wollen so weitermachen wie bisher und am liebsten noch sechs Punkte holen bis zur Winterpause", sagte Thomas Delaney vor der Partie beim Drittletzten der Tabelle. Reüssieren der Mittelfeldmann und seine schwarzgelben Kollegen auch in Düsseldorf, blieben sie nicht nur das einzig ungeschlagene Team der Liga, sondern führen zudem den siebten Sieg in Folge ein. Großen Anteil daran hat Stürmer Paco Alcácer, der in seinen bislang zehn Ligaspielen elf Mal einnetzte und so die Torschützenliste anführt.

d42ece7e79ecf9849744a42782e3e741.jpg

"Wir wollen so weitermachen": Thomas Delaney.

(Foto: imago/DeFodi)

Alles klar also - wären da nicht Lucien Favres ständige Tritte auf die Euphoriebremse. "In den vergangenen Spielen hat etwas die Präzision gefehlt", monierte der Trainer. Für den Gegner sollte es dennoch reichen - sagt der Gegner: "Wir haben gegen die so gut wie keine Chance - aber die müssen wir nutzen", ermutigte Verteidiger Niko Gießelmann seine Mitspieler in der "Bild"-Zeitung. Selbstbewusst sollten die Düsseldorfer nach dem 2:0 gegen den SC Freiburg und dem Sprung auf den Relegationsplatz allerdings sein. Und da ist ja noch das denkwürdige 3:3 beim FC Bayern vor vier Spieltagen: "Ich werde bei der Mannschaftssitzung noch einmal darauf hinweisen, dass wir bislang gegen die Champions-League-Anwärter immer gut mitgehalten haben", sagte Trainer Friedhelm Funkel. Sein Team wolle "mit kühlem Kopf und großer Begeisterung ins Spiel gehen". Ob das für eine Überraschung vor den Augen des neuen Sportvorstands Lutz Pfannenstiel reicht? Wir mögen nicht so recht dran glauben. Tipp: 0:3

Wie läuft es im Abstiegskampf?

Was die Fortuna macht, haben wir geklärt. Bleiben der FC Augsburg, der VfB Stuttgart und der 1. FC Nürnberg, die in der Tabelle auf den Plätzen 14, 15 und 17 stehen. Da käme ein Sieg im vorletzten Spiel vor der Winterpause nicht ungelegen. Das Problem aber, Sie ahnen es, dürfte der Gegner sein. Dann schauen wir mal:

*Datenschutz

Borussia Mönchengladbach - 1. FC Nürnberg (18.30 Uhr): Willkommen zum Duell der Gegensätze - und der Gebeutelten. Sowohl die Borussia als auch der "Glubb" treten im vorletzten Spiel des Jahres stark dezimiert gegeneinander an. Doch der Reihe nach: Fast so groß wie der Punkteabstand der Gladbacher zu Spitzenreiter Dortmund ist die Zahl ihrer Verletzten. Ohne acht Leistungsträger wollen sie gegen die Gäste aus Franken den Rückstand von neun Punkten auf den BVB verkürzen. Oder sind es doch nur sieben? "Keine Sorge", schrieb Kapitän Lars Stindl zu seiner Sprunggelenksverletzung und machte so allen Fans des Ligazweiten Hoffnung. Und seinem Trainer Dieter Hecking. Der steht zum 400. Mal in der Bundesliga an der Seitenlinie - auch Club-Jünger werden sich gern an die Zeit mit ihm erinnern. Für Nostalgie ist bei dem Duell mit seinem Ex-Verein allerdings keine Zeit. "Wenn wir beim Heimspiel gegen Nürnberg nochmal einen Sieg landen, haben wir eine überragende Hinrunde gespielt", sagte Hecking. Wohl wahr: Sein Team würde dann die makellose Bilanz von acht Heimsiegen in acht Saisonheimspielen aufweisen und würde sich mit 33 Punkten weiter den ersten Verfolgerplatz sichern. Von derlei Dimensionen sind die Gegner aus Nürnberg weit entfernt. Nach neun sieglosen Spielen sind sie akut abstiegsbedroht. Zu allem Überfluss müssen sie in ihrem 1100. Spiel in der ersten Liga auf vier wichtige Spieler verzichten, darunter auch Kapitän Hanno Behrens. Sieht also eng aus für den erlösenden Coup beim Tabellenzweiten im Borussia Park. FCN-Trainer Michael Köllner weiß aber auch: "Nur hinten reinstellen und warten, das geht nicht." Mehr noch: Der in die Kritik geratene Übungsleiter erwartet zwar "ein dickes Brett, aber jede Serie wird irgendwann mal reißen". Er meint die Gladbacher Serie. Tipp: 2:1

imago37913558h.jpg

Muss nun ohne seine Spieler ein Festmahl essen: Hertha-Trainer Pal Dardai.

(Foto: imago/Metodi Popow)

Hertha BSC - FC Augsburg (20.30 Uhr): Pal Dardai ist unzufrieden. Das fängt beim Arbeitsplatz seiner Spieler an: "In der ersten Halbzeit rollt der Ball, in der zweiten Halbzeit springt der Ball", nörgelte Herthas Trainer über den Rasen im Berliner Olympiastadion. Auch personell hadert er: "Es gibt keine guten Nachrichten. Wir hatten schon sehr viel Pech mit Verletzungen." Gegen den FC Augsburg fehlen ihm wohl sieben Spieler, darunter Stürmer Salomon Kalou und Innenverteidiger Niklas Stark. Und dann ist da auch noch die drohende Minuskulisse von 30.000 Zuschauern: "Mir ist schon klar: Es ist Dienstag und spät am Abend, aber ich hoffe trotzdem, es kommen ein paar Leute." Die Gelegenheits-Herthaner, die zu Hause bleiben und sich stattdessen das Spiel (oder gar die Darts-WM) im Fernsehen anschauen, verzichten statistisch auf schwere Kost. In den vergangenen zehn Spielen der Hertha gegen den FCA fielen magere elf Treffer. Apropos mager: Die Sache mit dem Festmahl bei Dardais hat sich ja nach der Niederlage in Stuttgart erledigt. Der Ungar wollte seine Kicker zum Essen einladen, wenn sie in den abschließenden drei Partien mindestens zwei Siege und ein Unentschieden holen. Nun fordert er: "Ich will vier Punkte!" Da hat sein Gegenüber Manuel Baum naturgemäß etwas dagegen. "Wir wollen unbedingt die drei Punkte. Wie, das ist mir ganz egal", sagte der Augsburger Trainer. "Wir ziehen diese Woche vor Weihnachten jetzt noch voll durch und versuchen, alles rauszuholen." Klingt nach wildem Kampf auf dem Acker von Westend. Eine gute Nachricht gibt's dann doch schon im Voraus für Dardai: "Die kommende Winterpause der Fußball-Bundesliga wird genutzt, um altes gegen neues Grün zu tauschen", teilte die Berliner Olympiastadion Berlin GmbH mit. Tipp: 1:1

*Datenschutz

VfL Wolfsburg - VfB Stuttgart (20.30 Uhr): Unter normalen Umständen würden bei dieser Partie so viele Geschichten in den Fokus rücken - etwa, dass Spieler wie Mario Gomez oder Daniel Ginczek jeweils auf ihre Ex-Klubs treffen. Oder dass Stuttgart sich nach dem Heimsieg gegen die Hertha anschickt, die verkorkste Hinrunde doch noch zu retten. Doch nach dem tragischen Tod von Herbert Gentner, dem Vater von VfB-Kapitän Christian, ist eben nichts mehr normal. Der Fußball gerät zur Nebensache - und bietet zugleich für Klubikone Christian Gentner offenbar die Möglichkeit, den Schmerz zu verarbeiten. Trotz des Schicksalsschlages ist er mit nach Wolfsburg gereist. Mehr noch: Gegen den VfL, mit dem er 2009 die Deutsche Meisterschaft holte, sowie in der darauffolgenden Heimpartie gegen den FC Schalke 04 will Gentner in der Stuttgarter Startelf stehen. "Es spricht für seine persönliche Identifikation mit unserem Klub und die außergewöhnliche Beziehung der Familie Gentner zum VfB, dass Christian in beiden Partien spielen wird", erklärte Sportvorstand Michael Reschke: "Seine Entscheidung verdient tiefen Respekt." Dem schließen wir uns an. Tipp: 1:2

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Mir geht es gut. Ob es mir so gut geht, dass ich auf der Bank sitze, muss Dieter anhand meiner Trainingsleistungen entscheiden." Das sagte Mönchengladbachs Sportdirektor Max Eberl, der drei Wochen nach einer Darmoperation wieder bei der Mannschaft ist. Trainer Dieter Hecking allerdings beschied: "Nicht im Kader." So groß scheint die Personalnot bei der Borussia dann doch nicht zu sein.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema