Fußball

Topspiel gegen Manchester City Chinas TV streicht Arsenal nach Özil-Tweet

Das chinesische Staatsfernsehen hat die Übertragung des Premier-League-Spiels Arsenal gegen Manchester City gestrichen. Der Grund: Arsenal-Star Özil kritisiert, dass China die Minderheit der Uiguren unterdrückt. Der chinesische Markt ist einer der wichtigsten für die englische Fußballliga.

Nach kritischen Äußerungen des deutschen Fußballprofis Mesut Özil zur Unterdrückung der muslimischen Minderheit der Uiguren in China hat das chinesische Staatsfernsehen laut Medienberichten die TV-Übertragung eines Arsenal-Spiels abgesagt. Wie die staatliche Zeitung "Global Times" auf ihrem englischsprachigen Twitter-Account berichtete, strich der Sender CCTV das Spiel zwischen dem FC Arsenal und Manchester City an diesem Sonntag (ab 17.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) vom Sendeplan, weil Özils "falsche Kommentare" die chinesischen Fans und den nationalen Fußballverband "enttäuscht" hätten.

Özil hatte in den sozialen Medien die muslimischen Staaten für ihre Zurückhaltung über die Lage der Uiguren in China kritisiert. In türkischer Sprache bemängelte der Ex-Weltmeister das "Schweigen der muslimischen Brüder", während das Thema von westlichen Regierungen und Medien aufgegriffen worden sei. Sein Verein, der FC Arsenal, hatte sich kurz darauf von den Äußerungen distanziert. Der Inhalt sei die persönliche Meinung von Özil, schrieb der Klub auf dem chinesischen Mikroblogging-Dienst Weibo. Arsenal halte sich indes an das Prinzip, keine politischen Statements abzugeben.

Allerdings teilte der Klub aus dem Norden Londons dies nur über Weibo mit; auf Facebook, Twitter oder der Webseite Arsenals war bis zum Sonntagmittag keine Stellungnahme zu finden. Die Hoffnung war offenbar, mit der umgehenden Distanzierung von Özils Aussagen einem Konflikt aus dem Weg gehen zu können. Als Özils Teamkollege Hector Bellerin zur britischen Parlamentswahl an junge Menschen apppellierte, ihre Stimme abzugeben und dafür den eindeutigen Hashtag "#FuckBoris" wählte, meldete sich Arsenal nicht zu Wort.

700 Millionen Dollar für drei Jahre

Der 13-fache englische Meister unterhält zahlreiche wirtschaftliche Verbindungen nach China, auch für die Premier League ist der Markt sehr wichtig. Der mit 700 Millionen US-Dollar bezifferte Dreijahresvertrag mit dem Streaminganbieter PP Sports gilt als größter Auslandsdeal der Liga. Arsenal eröffnete 2018 die erste klubeigene Sportbar weltweit, und das in Shanghai. Hadrien Perrazzini, der für die Londoner den den asiatisch-pazifischen Raum betreut, sagte der "Financial Times" Anfang des Jahres: "Das Restaurant läuft wirklich gut."

Wie der "Spiegel" berichtet, habe vor allem Özils Wortwahl "Ostturkestan" Empörung in Chinas sozialen Medien ausgesorgt. Demnach werde dieser Begriff von Gruppen verwendet, die für die Unabhängigkeit der Region Xinjiang von China einsetzen.  Durch seine Ansprache mache er deutlich, dass er nicht nur die Menschenrechtsverletzungen anprangere, sondern sich auch an Uiguren in "ihrem eigenen, ihrer Ansicht nach besetzten Land", so der "Spiegel". Der Begriff "Ostturkestan" gelte demnach in China als Tabu.

Noch ist nicht abzusehen, wie groß die Folgen aus Özils politischer Meinungsäußerung sind, der TV-Bann ist aber ein erstes Indiz für die Empfindlichkeit Chinas bei unliebsamen Meinungsäußerungen aus dem Ausland. Statt des Topspiels flimmerte Wolverhampton Wanderers gegen Tottenham Hotspur über die Flachbildschirme.

Nach offiziell unbestätigten Schätzungen sind Hunderttausende Uiguren in Umerziehungslager gesteckt worden, die China allerdings nur als Fortbildungszentren beschreibt. Uiguren sind ethnisch mit den Türken verwandt und fühlen sich von den herrschenden Han-Chinesen unterdrückt. Nach ihrer Machtübernahme 1949 in Peking hatten die Kommunisten das frühere Ostturkestan der Volksrepublik einverleibt. Peking wirft uigurischen Gruppen Terrorismus und Separatismus vor.

Quelle: ntv.de, tsi/sid