Fußball

Die Lehren des 19. Spieltags FC Bayern kann's aus eigener Kraft schaffen

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Thomas Müller ist in München wieder wichtig.

(Foto: imago images/Sven Simon)

Der alte FC Bayern ist zurück. Mit überzeugenden Siegen und viele Toren. Während die Münchner die Spitze der Fußball-Bundesliga angreifen, staucht Leipzig-Trainer Nagelsmann seine Mannschaft zusammen. Derweil hat Schalke ein Torwart- und Dortmund ein Haaland-Problem.

1. Julian Nagelsmann macht das, wofür er bezahlt wird

Nach acht Bundesliga-Spielen mit mindestens drei Toren blieb RB Leipzig in Frankfurt tor- und punktlos. Weshalb Trainer Julian Nagelsmann meckerte, der Spitzenreiter sei "weit weg von einer Spitzenmannschaft". Trotz der Niederlage bei der Eintracht sind die Sachsen Tabellenführer, Nagelsmann verlieh seinem Unmut dennoch lautstark und öffentlich Ausdruck. Er kritisierte nicht nur die schwache Leistung am Samstagnachmittag, sondern auch die Trainingseindrücke der Tage davor: "So wirst du am Ende halt nur Vierter - wenn es gut läuft." Genau dafür hat der Erfrischungsgetränke-Klub den 32-Jährigen geholt: Um die Mannschaft besser zu machen und um klar zu sagen, wenn etwas schlecht läuft. Bisher funktionierte das ganz gut, doch jetzt steht der entscheidende Monat der Saison an.

Im Februar empfängt Leipzig erst den Dritten Gladbach und muss anschließend im Pokal erneut nach Frankfurt, bevor das Gipfeltreffen beim wiedererstarkten FC Bayern ansteht. Und dann wäre da noch das Hinspiel des Champions-League-Achtelfinals bei Tottenham Hotspur. Weil Nagelsmann gerne in den Bergen ist, wählte er für die bevorstehende Herausforderung eine Bergsteiger-Metapher: "Wollen wir das Gipfelkreuz erreichen oder bleiben wir kurz davor stehen und genießen die Aussicht?" Das klingt angesichts der sportlichen Ausgangslage nach übertriebener Kritik. Es ist aber offenbar genau das, was sich Konzern-Fußball-Boss Ralf Rangnick erhofft hatte, als er Nagelsmann zu seinem Nachfolger machte. Bislang ist der großzügig mit Ressourcen ausgestattete Klub kontinuierlich geklettert, um einmal im Bild zu bleiben. Doch das letzte Stück zum Gipfel fehlte. Zumindest bis jetzt, so Nagelsmann: "Deshalb haben sie mich ja auch geholt, glaube ich."

2. "Mia san mia" ist zurück

Während Leipzig noch grübelt, scheint in München die Selbstverständlichkeit des Gewinnens zurückgekehrt zu sein. Zwei, Spiele, sechs Punkte, 9:0 Tore. So gut ist selbst der Rekordmeister noch nie in die Rückrunde gestartet. Nichts erinnerte mehr an die wechselhaften Auftritte der Hinserie. Und ausgerechnet dank Leipzig-Bezwinger Eintracht Frankfurt - dem Team, das mit einem furiosen 5:1-Erfolg über die Bayern Niko Kovacs Abschied aus München besiegelte - steht die Elf von Mindestens-bis-zum-Saisonende-Trainer Hansi Flick nur noch einen Punkt hinter Platz eins.

Es sind aber nicht nur die Ergebnisse, es ist auch die Art und Weise, mit der der FC Bayern gewinnt. Gegen Schalke war vom Anpfiff weg klar, dass die Münchner den Ball und das Spiel dominieren wollen. Thomas Müller ist vom Bankdrücker wieder zum Leistungsträger geworden, Robert Lewandowski macht einfach weiter Robert-Lewandowski-Dinge. Gewinnen die Bayern erst in Mainz und dann gegen Leipzig, sind sie spätestens am 9. Februar Tabellenführer - können also aus eigener Kraft tatsächlich wieder Meister werden.

3. Beruhigt euch, Trainer

Steffen Baumgart hat es nicht leicht. "Langsam geht mir das auf den Sack", schimpfte der Trainer des SC Paderborn trotz des Sieges beim SC Freiburg. Weil er seine dritte Gelbe Karte gesehen hatte - bei der vierten wird Baumgart für ein Spiel gesperrt. Seine vermeintliche Entschuldigung war dabei keine: "Wenn ich respektlos war, dann ..." - Ende des Zitats. Woche für Woche werden die Unparteiischen in der Bundesliga belagert, angeschrien, beschimpft. In den Amateurklassen auch körperlich attackiert. Mit Blick auf die Vorbildfunktion der höchsten Spielklasse gibt es seit der Winterpause schneller Sanktionen für unsportliches Verhalten gegenüber den Referees. Baumgart polterte über mangelnden Respekt, sein Kapitän Christian Strohdiek forderte, man muss "sich doch noch noch mal aufregen dürfen".

Aufregen bedeutet in diesen Fällen - unabhängig vom konkreten Ablauf in Freiburg - aber viel zu häufig, dass mindestens einer, häufig mehrere Menschen auf einen Vertreter des Schiri-Gespanns zustürmen und mit vor Wut verzerrten Gesichtern die Aufhebung einer völlig nachvollziehbaren, bisweilen sogar eindeutigen und unzweifelhaften Entscheidung fordern. Aber der Bundesliga-Trainer an sich ist wohl ein Gewohnheitstier, weshalb Baumgarts Gladbacher Kollege Marco Rose festhielt: "Es macht vielleicht Sinn, dass wir Trainer uns mit Vertretern der Schiedsrichter treffen und ein paar Sachen ausdiskutieren." Was genau der ebenfalls Verwarnte damit meinte, verriet er nicht. Vielleicht wäre es aber davor auch einmal sinnvoll, das eigene, bisweilen problematische Verhalten auf den Prüfstand zu stellen.

4. Der FC Schalke 04 hat ein Torwart-Problem

Nein, das wird keine Schelte für Markus Schubert. Zwar hatte der Schalker Torhüter beim 0:5 (0:2) in München reichlich zu tun und blieb dabei längst nicht fehlerfrei. Schubert patzte vor dem 0:1 durch Robert Lewandowski, als er eine Flanke unterlief, und das 0:5 kurz vor dem Ende durch Serge Gnabry war definitiv haltbar. Dazwischen aber sorgte der 21-Jährige in seinem erst fünften Bundesliga-Spiel mit starken Paraden dafür, dass sich die königsblaue Unterlegenheit nicht schon früher in Toren ausdrückte. Oder wie es Schalkes Lizenzspieler-Koordinator Sascha Riether zusammenfasste: "Das war die schlechteste Mannschaftsleistung der Saison."

Aber zum Problem: S04-Coach David Wagner vermied bisher eine klare Aussage, ob nun Schubert oder der Bald-Münchner Alexander Nübel die Nummer eins für die Rückrunde ist. Für Schubert spricht die Perspektive. Nübel besitzt die derzeit größere Qualität, nach seiner Rotsperre wäre er ab sofort wieder spielberechtigt. Allein, der 23-Jährige ist nach seinem Wechsel bei den Fans unten durch, würde besonders in Heimspielen wohl durchweg ausgepfiffen werden. Aber kann es sich ein Klub, der ums internationale Geschäft spielt, leisten, einen Spieler aus nicht-sportlichen Gründen einfach nicht mehr zu berücksichtigen? Das wird das Diskussionsthema sein, bis die Aufstellung für die Partie bei Hertha BSC (Freitag, 20.30 Uhr im Liveticker bei ntv.de) feststeht.

5. Haaland löst das BVB-Problem ... oder?

Zwei Monate ist es her, dass BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke zugab: "Wir haben einen Fehler gemacht." Das war auf der Mitgliederversammlung von Borussia Dortmund, als die Stimmung auf dem Tiefpunkt schien. Gegen den SC Paderborn hatte die Mannschaft nach 0:3-Rückstand mit viel Glück noch ein 3:3-Unentschieden gerettet. Doch Watzke sprach nicht von der zugegeben wackligen Abwehr, sondern von der Lücke im Sturmzentrum. Die hat jetzt Rekordmann Erling Haaland gefüllt - und wie: Auf der offiziellen Bundesliga-Seite hat er zwar noch kein Foto, seinen Platz in den Geschichtsbüchern jedoch schon sicher. Fünf Tore in den ersten beiden Spielen gelangen vorher niemandem.

Der 19-jährige Norweger hat die hohen Erwartungen, die seine Verpflichtung mit sich brachte, ganz locker und ganz weit übertroffen. Haaland wird zwar (voraussichtlich) nicht weiter nach Belieben treffen. Aber mit ihm ist Dortmund eine andere Mannschaft, plötzlich doch wieder Titelkandidat. Wodurch sein Vorgänger als Super-Joker inzwischen wohl komplett außen vor ist. Paco Alcácer traf bis zum vierten Spieltag fünf Mal, seitdem nicht mehr. Bei der ersten Haaland-Show in Augsburg stand er nicht im Kader, die zweite gegen Köln verfolgte er von der Bank aus, ohne zum Einsatz zu kommen. Er scheint dem Abgang näher als einem Startelf-Einsatz. Und genau hier liegt das Risiko für die Borussia: Denn der Fehler, den Watzke meinte, war ja, dass nur ein echter Stürmer im Kader stand. Was nun eben wieder droht, wenn der BVB alles auf Haaland setzt. Alcácer war schon vor dessen Ankunft unzufrieden, seitdem wohl erst recht. Der Neue allerdings kam mit Knieproblemen ins Trainingslager, hat noch etwas Rückstand und bislang nicht die Kraft für volle 90 Minuten. Faktisch setzt der Vizemeister somit wieder alles auf eine Stürmer-Karte.

Beim Spiel von Borussia Dortmund in der Fußball-Bundesliga gegen den 1. FC Köln wird ein falscher Elfmeterpfiff nach einem Eingriff des Video-Assistenten in eine falsche Freistoßentscheidung umgewandelt. Das klingt seltsam, folgt aber der Logik der Regularien. Warum? Das erklären "Collinas Erben".

Quelle: ntv.de