Fußball

So läuft der 4. Spieltag, Teil II Gladbach-Fans reisen zur "Abscheulichkeit"

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Willkommen in der ...

In München droht dem FC Bayern auf ruppigem Untergrund der Machtverlust in der Bundesliga. In Bremen ist der alte Trainer weg und der Neue total romantisch drauf. Auf Schalke hat die "Scheiße" endlich ein Ende.

Was macht der FC Bayern?

Armer Christian Dinauer! Der gute Mann hat's derzeit nicht leicht. Erst durchwühlen die Kicker vom TSV 1860 und vom 1. FC Union Berlin den Rasen der Münchner Arena. Tags darauf spielen dort auch noch die Teams des FC Bayern und des FC Ingolstadt. Mittlerweile ähnelt das Spielfeld einer Trabrennbahn. "Ein komischer Platz", meinte Franck Ribéry, "ich bin schon lange bei Bayern. So einen schlechten Platz habe ich noch nicht gesehen." Zu allem Überfluss soll auch noch ein Pilz auf dem Hybrid-Gewächs sein Unwesen treiben - ein Albtraum für Chef-Greenkeeper Dinauer.

Allen widrigen Umständen zum Trotz wird heute (ab 20 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) auf dem Fußballacker zu Fröttmaning das Topspiel der Fußball-Bundesliga zwischen den Bayern und Hertha BSC stattfinden. Jaja, richtig: Die Gäste aus der Hauptstadt gehören derzeit zu den Spitzenteams der Liga. Zwar sind sie "vom Niveau nicht mit Bayern München zu vergleichen" (Trainer Pal Dardai). Dennoch glauben sie, an der Dominanz des Rekordmeisters rütteln zu können. "Na, FC Bayern?! Zittert ihr schon vor Mittwoch?!", twitterte die alte Dame nach dem Heimsieg über Schalke. Wir haben kurz gelacht. Noch weniger witzig war Dardai: "Wir haben einen Plan mit unserem Busfahrer: Er parkt vor unserem Tor, so dass unser schönes Logo zu sehen ist und wir keine Tore kassieren können." Was zur Hölle nehmen die da eigentlich in Charlottenburg? Machen wir uns nichts vor: Am Ende des Abends werden die Münchner Meister von der Tabellenspitze grüßen und die deutsche Fußballwelt ist wieder im Gleichgewicht. Und dann? Geht's endlich auf die Wiesn, allerdings nur für Carlo Ancelotti und seinen Trainerstab. Erst dann steht der Italiener vor der größten Herausforderung dieser Woche: "Ich habe ein gutes Wissen über Wein, ich weiß, wie viele Flaschen ich davon vertrage - aber nicht, wie viel Bier."

Wie läuft's bei Borussia Dortmund?

Die Tendenz geht rapide nach unten. Nach den 6:0-Siegen bei Legia Warschau und gegen Darmstadt 98 gelingen dem BVB gegen den VfL nur fünf Tore und obendrein kassiert die Borussia auch noch einen Gegentreffer. Trainer Thomas Tuchel ist angefressen: "Wir haben zu viele hochkarätige Chancen zugelassen." Krise beim BVB! Pierre-Emerick Aubameyang versucht, das Ganze herunterzuspielen: "Das sind immer noch viele Tore." Der Doppeltorschütze geht in die Offensive: "Wenn wir so weitermachen, kann uns niemand aufhalten." Nun ja, zumindest bis heute Abend sind die Dortmunder Liga-Spitzenreiter und hinterlassen winselnde Wölfe. Die können sich Trost beim SV Darmstadt holen, der vergangenen Spieltag mit 6:0 von der Borussia vermöbelt wurde. Vor der Demontage tönte VfL-Trainer Dieter Hecking mit Blick auf die Lilien: "Wir sind besser und wollen das auch zeigen." Nun registriert 98-Trainer Norbert Meier den neuerlichen Kantersieg des BVB mit Genugtuung. "Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass auch andere den Arsch voll kriegen."

Wo wird's brisant?

Was kann es Schöneres geben, als an einem Mittwochabend 500 Kilometer zu reisen, um eine "neue Dimension der Abscheulichkeit" live zu erleben?! Nichts, finden die Fans von Borussia Mönchengladbach, und rufen daher unter dem Motto "Alle nach Leipzig! Scheiß RB!" dazu auf, trotz des bescheidenen Termins den Weg nach Sachsen anzutreten. Dort werden die gut 5000 Fohlen-Anhänger in der Leipziger Arena erst mal aus Protest gegen die Kommerzbande schweigen, 19 Minuten lang. Der VfL ist nämlich im Jahr 1900 gegründet worden - ganze 109 Jahre früher als das Konstrukt aus Leipzig. "Langweilig!", wird manch Anhänger der Rasenballsportler rufen, schließlich ist es nicht das erste Mal, dass sie als Totengräber der traditionellen Fußballkultur (keine Erfindung unserer Redaktion) verachtet werden.

Bei allen (non-)verbalen Scharmützeln dürfen wir nicht vergessen, dass bei der Partie der Dritte (Bullen) auf den Sechsten (Fohlen) der Tabelle trifft. Borussia-Sportdirektor Max Eberl ist deshalb erleichtert, dass der Stimmungsboykott zeitlich begrenzt ist: "Ich kann den Protest der Fans nachvollziehen, war aber froh, dass sie nur 19 Minuten schweigen und wir sie dann noch 71 Minuten im Rücken haben." Dass es nach dem Teilzeit-Stimmungsboykott auf den Rängen zur Sache gehen wird, sorgt auch beim Heimteam für Vorfreude: "Ausverkaufte Hütte, Flutlicht, Gladbach - dafür spielt man Fußball", schwärmt Leipzigs Abwehrchef Willi Orban. Gladbachs Trainer André Schubert lässt das alles kalt: "Für mich ist das kein besonderer Tag", sagte der 45-Jährige, der exakt vor einem Jahr sein Amt bei der Borussia antrat. Da Leipzig "kein typischer Aufsteiger" sei, müsse sein Team "alles in die Waagschale werfen und ans Limit gehen" - damit nicht auch noch auf dem langen Rückweg an den Niederrhein betretenes Schweigen herrscht.

Wo wird's kuschelig?

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Alexander Nouri kann sein Debüt als Profi-Trainer entspannt angehen.

(Foto: imago/Nordphoto)

An der Weser freilich. Das mag jetzt etwas wunderlich klingen, ist aber so. Denn der Tabellenletzte hat sich schließlich am vergangenen Spieltag vom immer schwerer werdenden Seitenlinien-Ballast befreit. Sprich: Viktor Skripnik ist weg. Bedeutet: der "neue" Mann hat keinen Druck. Zumal er nur eine Interimslösung sein soll. Es also völlig wumpe ist, ob er gewinnt oder verliert. Den Job ist er vermutlich eh bald wieder los. Beste Voraussetzungen also für 'ne kuschelige Nummer mit Alexander Nouri (so heißt der Interimsmann, der sofort "in die Herzen seiner Spieler" stürmen will) im Weserstadion. Und dann ist da ja auch noch Folgendes (bitte genau lesen, sonst wird's kompliziert): Bei seinem Trainerdebüt in der Fußball-Bundesliga hat Viktor Skripnik (mit Werder Bremen freilich) gegen den FSV Mainz 05 mit 2:1 gewonnen. Zum vorläufigen Abschluss seiner U23-Tätigkeit hat Alexander Nouri (mit Werder Bremen II) gegen den FSV Mainz II mit 2:1 gewonnen. Und heute Abend spielt der SV Werder Bremen, völlig verrückt, gegen den FSV Mainz 05. Was das für Ihre Tipprunde bedeutet? Einen 2:1-Erfolg, logisch, oder? Und für die Bundesliga? Nun, da wir davon ausgehen (siehe unten), dass der FC Schalke endlich mal ein Ligaspiel gewinnt, ist der HSV Tabellenletzter - dank des Nordrivalen. Solche Geschichten …, ach nee, wollten wir ja nicht mehr schreiben.

Was ist sonst noch so los?

So, heute Abend ist endlich Schluss mit "Ker, watt 'ne scheiße." Der FC Schalke gewinnt endlich auch mal ein Spiel in der Bundesliga. Da legen wir uns fest. So ein richtiges Spektakel können wir Ihnen allerdings nicht versprechen. Denn mit dem 1. FC Köln kommt die beste Torverhinderungsbande der Liga auf Schalke - und die haben ihrerseits ja noch gar nicht getroffen. Wird also bestimmt zäh (deswegen legen wir Ihnen dieses Spiel auch nicht als Geheimtipp ans Herz). Ist aber auch wumpe. Fußball ist und bleibt ein Ergebnissport. Und die Ergebnisse waren für Schalkes neuen Trainer Markus Weinzierl bislang ziemlich (siehe oben) "scheiße" - 0:1 gegen Eintracht Frankfurt, 0:2 gegen den FC Bayern München und 0:2 bei Hertha BSC. Dennoch ist der punkt- und torlose Coach bester Dinge: "Wir haben nicht nur die Mannschaft verändert, sondern auch den Grundgedanken. Wir wollen agieren. Deshalb ist es wichtig, ein Spiel wie Nizza (Anm. d. Red.: 1:0-Erfolg) zu haben, dass jeder merkt, das ist der richtige Weg." Auf dem tänzeln unstrittig die Sieben-Punkte-Kölner in die demnächst beginnende (11. November) Narrenzeit. Und so jeck, wie sich das Rheinland dann präsentiert, so österreichisch abgeklärt bleibt Trainer Peter Stöger (kein Wunder, er ist ja Österreicher): "Es ist ja klar, dass in dieser Stadt jetzt alle Kopf stehen. Wir müssen halt lernen, damit umzugehen." Ähm …, Moment, das heißt ja: Köln will oben bleiben. Na bitte, so kennen wir se doch: endlich wieder der echte "Eff-Zeh"! Aber heute is' ja erstmal Schalke dran.

Der n-tv.de-Geheimtipp des Spieltags

DER unbeachtete Blockbuster der vierten Runde steigt in Leverkusen. Da ist der FC Augsburg zu Gast. Klare Sache für die Rheinländer, vielleicht. Ist uns aber aktuell egal. Denn viel wichtiger: einer der Top-Protagonisten der Liga steht vor seinem Comeback, Stefan Kießling! Vielleicht schon am Abend, vielleicht aber auch nicht. "Im Moment würde ich sagen, dass wir sehr positiv nach vorne gucken. Es kann sein, dass Stefan noch vor der Länderspielpause dazustößt." Das sagt sein Trainer Roger Schmidt. Und der könnte Kießlings Abschlussinstinkt und Qualitäten als Mannschaftsspieler derzeit gut gebrauchen. Schließlich gelang Bayer in den ersten drei Bundesliga-Spielen nur ein Sieg, dank des Hattricks des in Frankfurt schon wieder verschmähten Sturm-Jokers Joel Pohjanpalo innerhalb von 15 Minuten in der Schlussphase gegen den Hamburger SV (3:1).

Während Kießling also am Ende seiner Leidenszeit angekommen scheint, beginnt diese erst für den Augsburger Dominik Kohr. Der wurde am vergangenen Wochenende vom Mainzer José Rodriguez so weggesäbelt, dass er sich ein schweres Weichteiltrauma mit einer tiefen, offenen und etwa 14 Zentimeter großen Wunde am Unterschenkel zugezogen hat. Ehrensache also, dass die Mannschaft für ihr verletztes Talent siegen will. "Wir wollen das Spiel auch für Dominik gut bestreiten", sagte Trainer Dirk Schuster. "Wir haben uns geschüttelt und gehen jetzt voller Zuversicht in dieses Spiel in Leverkusen." Blöd nur: Von bislang zehn Liga-Partien gegen Leverkusen konnte Augsburg keine einzige gewinnen. Allerdings: In der Tabelle liegen die Schwaben und die Rheinländer mit je drei Zählern gleichauf. "Das heißt, dass für sie nur ein Sieg zählen wird", sagt Schuster. "Bayer ist aber eindeutig der Favorit, sie haben viel Qualität. Da müssen wir uns anschnallen." Klingt nach Blockbuster, yippieyeah Schweinebacke!

Quelle: ntv.de