Fußball

Bundesliga-Check: SC Freiburg Luca und die Dreisam-Surfer greifen an

imago41501320h.jpg

Luca Waldschmidt begeisterte im Juli bei der U21-EM. Konnte der Offensivspieler seine starke Form in die neue Saison retten?

(Foto: imago images / Beautiful Sports)

Heidenei! Bei der U21-EM wird ein DFB-Spieler Torschützenkönig - und der kommt vom SC Freiburg. Gute Voraussetzungen also für die Streich-Truppe, die zudem ein südkoreanisches Bayern-Talent an die Dreisam locken konnte. Dennoch wird die neue Saison von Wehmut begleitet.

Christian Streich hat ein Problem. Ein Luxusproblem. Der SC Freiburg hat einen zu großen Kader. Die Mannschaftsgröße ist gar Union-esk: Momentan 30 Spieler muss Trainer Streich beaufsichtigen und hat somit obendrein spieltäglich die Qual der Wahl bei der Startelfaufstellung. Er selbst weiß am besten, dass sich das demnächst noch ändern muss, "damit kein Frust entsteht bei denen, die ein paar Mal hintereinander nicht dabei sind". Der 54-Jährige selbst ist aber noch entspannt. "Mal abwarten, ob das so bleibt", mahnte er allerdings jüngst. Wir schauen uns den Sport-Club mal genauer an.

Was gibt's Neues?

imago41152922h.jpg

Da schau her: Wooyeong Jeong soll für den SCF auf der rechten Außenbahn wirbeln.

(Foto: imago images / Sportnah)

Das Auswärtstrikot sieht schon mal schmuck aus, die schwarz-weißen Längsstreifen erinnern an Juventus Turin - wenn da nicht die Werbung eines Schwarzwälder Molkereiunternehmens ins Auge stechen würde. Sei's drum. Die Neuzugänge Changhoon Kwon (vom FC Dijon), Wooyeong Jeong (von FC Bayern II) und Luca Itter (vom VfL Wolfsburg) sowie Rückkehrer Jonathan Schmid (vom FC Augsburg) könnten dabei mithelfen, dass tatsächlich bald internationaler Fußball im südlichsten Bundesligastadion der Republik gespielt wird. Insbesondere in den 19-jährigen Jeong werden große Hoffnungen gesetzt. "Er ist eines der größten Talente Südkoreas", rechtfertigte Sportvorstand Jochen Saier den Umstand, dass die Freiburger 4,5 Millionen Euro für den Flügelflitzer aus der Bayern-Reserve hinblätterten. Wenn der Wunschspieler von Streich die Erwartungen erfüllt, dürfte sich der Preis als Schnäppchen erweisen - sein Ex-Klub aus München hat sich immerhin schon mal eine Rückkaufoption gesichert.

Auf wen kommt es an?

Luca Waldschmidt. Die aktuelle Form des Angreifers deutet darauf hin, dass seine Vorgesetzten das Saisonziel (siehe unten) rasch nach oben korrigieren müssen. Mit der deutschen U21 verpasste er im Sommer knapp den EM-Titel, an ihm hat's aber nicht gelegen: Satte sieben Treffer erzielte er in fünf Spielen und schoss sich damit als erst zweiter deutscher Fußballer zum Torschützenkönig bei einer U21-EM (nach Pierre Littbarski 1982). Mehr noch: Außer dem Schweden Marcus Berg gelangen noch niemandem so viele EM-Tore wie nun Waldschmidt. Heidenei! Sein DFB-Trainer Stefan Kuntz konstatierte: "Er surft auf einer kleinen Welle. Manchmal ist es als Stürmer so. Man kann machen, was man will, und man trifft." Nun ist Waldschmidt zurück an der Dreisam und will dort offenbar weitersurfen. "Ich bin nicht nach Freiburg gekommen, um nach einem Jahr direkt wieder zu gehen", sagte der 23-Jährige dem "Kicker" und fügte an, dass er die Leistung aus der vergangenen Saison "bestätigen und einen draufsetzen" wolle. Neun Tore hat er damals erzielt - nur eins weniger als Toptorjäger Nils Petersen.

Apropos: Was ist mit dem eigentlich? Der 30-Jährige geht in seine mittlerweile fünfte Saison beim Sport-Club und es klingt nicht so, als bereue er das. "Das ist ein total familiär geführter Verein. Jeder kennt hier jeden und man hält zusammen", sagte er dem SWR. Und so bedarf es nicht viel Fantasie, zu erkennen, dass der Star des Teams die neue Spielzeit frohen Mutes angeht. "Ich traue uns viel zu in dieser Liga." Nun denn, klingt immerhin ein bisschen nach Angriffslust.

Was fehlt?

Am meisten dürfte der Streich-Truppe der Abgang von Vincenzo Grifo wehtun. Nach einem halben Jahr endete die Leihe des Linksaußen und somit wird der Italiener im Baden-Duell wieder beim Ligakonkurrenten TSG Hoffenheim kicken. Auch Florian Niederlechner kehrte dem Klub den Rücken. Der Angreifer heuerte beim FC Augsburg an, wo er offenbar als eine Art Heilsbringer angesehen wird - im südbadischen Freiburg werden sie sich über die schwäbische Euphorie mutmaßlich wundern, denn in der vergangenen Saison gelangen Niederlechner kümmerliche vier Treffer.

Insgesamt ist die Zahl der scheidenden Topspieler überschaubar und so hält sich der Freiburger Wehmut in Grenzen. Noch. Denn mit dem Schwarzwald-Stadion geht eine der schönsten Spielstätten der Liga in ihre Abschiedssaison. Im Westteil der Stadt wird bereits mächtig geackert, denn in einem Jahr will der SC Freiburg in einem neuen Stadion und vor 34.700 statt wie bislang vor 24.000 Zuschauern spielen. Trainer Streich und Sportvorstand Saier haben sich die Baustelle bereits angeschaut. Wer die Fertigstellung gar nicht erwarten kann, darf auf einer Klub-Webseite in die Zukunft schauen und sich dort bereits seinen Platz in spe aussuchen.

Wie lautet das Saisonziel?

Zunächst einmal gelte es laut Streich, "dass wir die Verletzungen reduzieren". Klingt irgendwie lahm und so gar nicht ambitioniert, ist beim Blick in die vergangene Saison aber verständlich. Damals beutelten den Sport-Club regelmäßig Verletzungen, wie etwa bei Topstürmer Nils Petersen, der insgesamt zehn Mal ausfiel. Auch die neue Spielzeit startet mit unheilvollen Vorzeichen: Neben den Neuzugängen Kwon und Luca Itter haben sich in der Vorbereitung bereits die Feldspieler Manuel Gulde und Janik Haberer sowie Ersatztorhüter Mark Flekken verletzt. Nichtsdestotrotz behalten die Freiburger ihr oberstes Ziel im Visier. "Wir wollen drei Mannschaften hinter uns lassen, am liebsten so viele wie möglich", sagte Petersen. Und was sagt Rückkehrer Jonathan Schmid? "Ich hoffe, dass wir so früh wie möglich den Klassenerhalt schaffen." Sie merken: Tiefstapeln ist eine Breisgauer Spezialität.

Das sagt der Insider

Die alte Saison "war nicht so wirklich geil", räumt Michael Schröder vom Podcast "Füchsletalk" ein. Aber das Gute sei, so sagt er mit Blick auf die Rückrunde, "dass sich andere Vereine extrem doofer angestellt haben". Sei's drum. Nun startet der Sport-Club in "eine gute Saison". Und was heißt das konkret? "Platz zehn - der Freiburger an sich ist ja eher pessimistisch optimistisch". Für positive Stimmung dürfte neben "der coolen Sau Nils Petersen" die jüngste Transferpolitik sorgen: "Es sind nicht viele gegangen. Und die, die gekommen sind, ergeben Sinn."

Insbesondere Wooyeong Jeong sieht Schröder als Geheimtipp: "Der hatte mit Sicherheit auch noch andere Angebote auf dem Tisch." Für den "FüchsleTalk" hat sich der Zugang aus Südkorea bereits gelohnt: Als der SC auf seiner Webseite versehentlich zu früh ein Bild des Jungtalents veröffentlichte, bemerkte Schröder dies als einer der ersten und verbreitete das via Twitter. "Das hat unseren Account explodieren lassen. Plötzlich hatten wir ganz viele koreanische Follower", erinnert er sich. Den Höhepunkt der neuen Saison hat Schröder bereits ausgemacht: "Das Heimspiel am letzten Spieltag wird das letzte Spiel im Dreisamstadion sein. Das wird das emotionale Highlight." Den gewohnten Weg entlang der Dreisam oder die Ankunft mit der Straßenbahn werden viele Fans vermissen, ist sich Schröder sicher. "Wenn man lange irgendwo wohnt und dann wegzieht, ist immer ein bisschen Wehmut dabei." (Michael Schröder ist freischaffender Cutter und Kameramann und moderiert seit 2018 den "Füchsletalk". Der Podcast ist über meinsportpodcast.de/fussball/fuechsletalk zu finden)

Die Prognose von n-tv.de

Das Startprogramm des SC Freiburg

  • 1. FC Magdeburg (A | 10. August, DFB-Pokal 1. Runde)
  • 1. FSV Mainz 05 (H | 17. August)
  • SC Paderborn (A | 24. August)
  • 1. FC Köln (H | 31 August)
  • TSG Hoffenheim (A | 15. September)

Surft Luca Waldschmidt weiter auf seiner Welle und widersteht Verlockungen aus dem Ausland, gibt es reichlich Grund für Optimismus. Wenn dem Sport-Club dann auch noch die anderen Spieler treu bleiben, das Verletzungspech endlich abgeschüttelt ist und Klub-Ikone Nils Petersen seine starken Leistungen aus der Vorsaison wiederholen kann, dann … ja, was dann? Bei der Qualität des Kaders fällt es schwer zu glauben, dass die Freiburger gegen den Abstieg spielen müssen. Die Voraussetzungen für einen guten Start in die neue Spielzeit scheinen jedenfalls auch mit Blick auf den Spielplan gegeben: Nach dem Pokal-Auftakt bei Zweitliga-Absteiger 1. FC Magdeburg beginnt die Liga-Saison mit einem Heimspiel gegen Mainz, dann folgen Duelle mit den Aufsteigern Paderborn und Köln - vermeintlich lösbare Aufgaben für die eingespielte Streich-Truppe. Und Mogli, der influencende Hund von Abwehrchef Dominique Heintz, ist auch noch da. Wird also eine Spitzensaison.

Quelle: ntv.de