Fußball

Abgerutscht am letzten Spieltag Nürnberg steht kurz vor dem Super-Gau

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Nürnberg streckte sich in Kiel, zum Sieg reichte es nicht. Stattdessen geht die Saison für den FCN in die Verlängerung.

(Foto: imago images/Zink)

Der Karlsruher SC stößt den 1. FC Nürnberg im Fernduell an den Rand des Abgrunds: Dem Erstliga-Absteiger droht der direkte Absturz in die Drittklassigkeit. Wehen Wiesbaden reicht ein Torfestival nicht zur Sensation, Dynamo Dresden verabschiedet sich ehrenhaft.

Holstein Kiel - 1. FC Nürnberg 1:1 (0:1)

Der 1. FC Nürnberg wandelt am Abgrund zur 3. Liga. Der neunmalige deutsche Fußball-Meister stand am letzten Spieltag der 2. Bundesliga trotz eines 1:1 (1:0) bei Holstein Kiel als der große Verlierer im Abstiegskampf da. Der Bundesliga-Absteiger fiel auf Platz 16 zurück, weil der Karlsruher SC gleichzeitig ausgerechnet bei der SpVgg Greuther Fürth mit 2:1 (1:1) gewann. Bei jeweils 37 Punkten eroberte Karlsruhe den rettenden 15. Platz wegen der knapp besseren Tordifferenz.

Der schon vor der verpassten Rettung in Kiel angezählte Trainer Jens Keller muss mit seiner Mannschaft nun zwei Alles-oder-nichts-Spiele in der Relegation bestreiten. Gegner aus der 3. Liga wäre aktuell der FC Ingolstadt. Nur anfangs lief alles bestens für den Club. Patrick Erras köpfte in der 3. Minute eine Freistoßhereingabe von Johannes Geis ein. Auch der fränkische Erzrivale Fürth lag da schon gegen den KSC vorne. Geis hätte in der 45. Minute fast auf 2:0 erhöht, aber der Freistoß des Mittelfeldspielers klatschte an den Pfosten. Kiel war insgesamt spielbestimmend und glich durch ein Kopfballtor von Lion Lauberbach in der 67. Minute aus. Der Club musste jetzt gewinnen, weil die Karlsruher in Fürth die Partie gewendet hatten. Die Kieler kamen aber einem Sieg bei zwei Pfostentreffern in der Nachspielzeit näher. Die Nürnberger Profis sanken nach dem Abpfiff enttäuscht zu Boden - das Zittern vor der 3. Liga geht weiter.

SpVgg Greuther Fürth - Karlsruher SC 1:2 (1:1)

Der Karlsruher SC hat am letzten Spieltag noch den direkten Klassenerhalt geschafft. Die Badener gewannen mit 2:1 (1:1) bei der SpVgg Greuther Fürth und profitierten vom gleichzeitigen Patzer des 1. FC Nürnberg bei Holstein Kiel (1:1). Der KSC verbesserte sich in der Tabelle damit vom 16. auf den 15. Platz und schickte stattdessen die Nürnberger in die Relegation. Fürth beendet die Saison auf Rang neun. Die Karlsruher erwischten einen denkbar schlechten Start und gerieten durch Daniel Keita-Ruel, der aus fünf Metern unbedrängt einköpfte, schon nach gut einer Minute in Rückstand. Der Ausgleich durch einen Abstauber von Dominik Kother in der 21. Minute nach grenzwertigem Körpereinsatz von Philipp Hofmann fiel überraschend. Kurz vor der Pause hätte der KSC aber sogar in Führung gehen können.

In der zweiten Hälfte verpasste Keita-Ruel zunächst die erneute Fürther Führung (49.) und klärte anschließend auf der eigenen Linie gegen Christoph Kobald (57.). Dann schlug einmal mehr KSC-Torjäger Hofmann zu. Einen umstrittenen Elfmeter nach Foul von Sebastian Ernst an Marvin Wanitzek an der Strafraumgrenze verwandelte er in der 61. Minute zu seinem 17. Saisontreffer - und zur Karlsruher Rettung.

SV Wehen Wiesbaden - FC St. Pauli 5:3 (3:2)

Der SV Wehen Wiesbaden verabschiedet sich nur ein Jahr nach dem Aufstieg wieder aus der 2. Bundesliga. Das Team von Trainer Rüdiger Rehm gewann beim Saisonfinale gegen den FC St. Pauli zwar mit 5:3 (3:2), steigt aber dennoch in die 3. Liga ab. Stefan Aigner (11./38.) und Phillip Tietz (12./61., Foulelfmeter/66.) erzielten die Tore der Gastgeber. Leo Östigard (25.) und Henk Veerman (32.) glichen in einer unterhaltsamen Partie zwischenzeitlich für die Hamburger aus, Veermans (73.) zweites Tor war bedeutungslos.

Die früh erfolgreichen Gastgeber, die 2019 erst zum zweiten Mal in ihrer Vereinsgeschichte ins Unterhaus aufgestiegen waren, agierten zunächst dominant. Nach dem Ausgleich blieb Wiesbaden gefährlich, auch weil die anfälligen Hamburger defensiv immer wieder Schwächen offenbarten.

Dynamo Dresden - VfL Osnabrück 2:2 (1:0)

Dynamo Dresden ist abgestiegen. Das Team von Markus Kauczinski kam trotz einer Zwei-Tore-Führung gegen den VfL Osnabrück nicht über ein 2:2 (1:0) hinaus und muss als Tabellenletzter den Gang in die 3. Liga antreten. Bereits vor dem 34. und letzten Spieltag hatte Dynamo nur noch minimale theoretische Chancen auf den Klassenerhalt. Für Dresden, das aufgrund einer Mannschafts-Quarantäne nach dem Restart der Liga ein Mammutprogramm absolvieren musste und gegen Osnabrück das neunte Spiel in 29 Tagen bestritt, ist es der dritte Zweitliga-Abstieg der Vereinsgeschichte. Marco Terrazzino (23.) brachte die Sachsen in Führung. Patrick Schmidt (59.) erhöhte für die Gastgeber, die bis zur letzten Minute erbittert kämpften. Anas Ouahim (76.) gelang der Anschlusstreffer, Augenblicke später glich Niklas Schmidt (81.) aus.

Dresden kam von Beginn an gut und druckvoll in die Partie. Nach zwei Möglichkeiten durch Godsway Donyoh (12.) und Schmidt (17.) war der Führungstreffer durch Terrazzino hochverdient. Osnabrück beschränkte sich in der Folge bis zum Halbzeitpfiff nur auf das Nötigste. Nach der Pause wurde Osnabrück besser, ohne dabei zunächst große Gefahr auszustrahlen. Schmidt machte es für Dynamo zunächst besser und schlenzte den Ball abgeklärt ins Tor. Die gute Leistung der Dresdner wurde durch den schnellen Doppelschlag in der Schlussphase zunichte gemacht.

Hannover 96 - VfL Bochum 2:0 (1:0)

Hannover 96 hat zum Abschluss der Saison den VfL Bochum überholt und beendet die Spielzeit als Tabellensechster. Der Erstliga-Absteiger aus Niedersachsen besiegte den VfL dank eines erneut starken Marvin Ducksch mit 2:0 (1:0). Hannover hat nun 48 Punkte und damit zwei mehr als die Bochumer. Für den Revierklub war es die erste Niederlage nach zuvor elf Partien, in denen der VfL ungeschlagen geblieben war. Ducksch schoss Hannover mit einem sehenswerten Freistoß in der 45. Minute zunächst in Führung und legte kurz vor dem Ende seinen zweiten Treffer nach (84.).

Den Gastgebern gelang ein vermeintlicher Traumstart: John Guidetti traf nach einem Freistoß bereits in der dritten Minute, doch der Treffer wurde wegen einer Abseitsposition zurückgenommen. Auch danach agierte 96 zunächst überlegen, bis Mitte des ersten Durchgangs Bochum immer besser ins Spiel kam. Jordi Osei-Tutu (36.) und Thomas Eisfeld (37.) verpassten die Gäste-Führung jedoch. Kurz vor der Pause traf dafür Ducksch. In der zweiten Hälfte erhöhte der VfL weiter den Druck und drängte auf dem Ausgleich. 96-Torwart Martin Hansen oder der Pfosten bei einem Eisfeld-Schuss (70.) verhinderten das 1:1 jedoch. Ducksch machte dann alles klar.

SSV Jahn Regensburg - Erzgebirge Aue 1:2 (1:1)

Erzgebirge Aue hat sich zum Saisonausklang mit guter Moral präsentiert. Die Sachsen gewannen nach einem Rückstand noch mit 2:1 (1:1) beim SSV Jahn Regensburg. Charalambos Makridis sorgte mit seinem ersten Zweitliga-Tor für die Führung der Oberpfälzer. Pascal Testroet bejubelte noch vor der Pause den Ausgleich (45.+3). Und in der Schlussphase der zweiten Hälfte schlug Philipp Zulechner (87.) zu.

Nach einer flotten ersten Hälfte, in der sich der Jahn ein Chancenplus erarbeitete, verlor die Partie nach dem Seitenwechsel etwas an Niveau. Aue hatte nach der Pause mehr vom Spiel und belohnte sich nach starkem Kampf dank Zulechner. Regensburg profitierte nicht vom perfekten Start. Nach einer Flanke von Sebastian Stolze landete der Kopfball von Andreas Albers am Pfosten, Makridis staubte im neunten Spiel zum ersten Tor für den Jahn ab. Aue schlug umso später zurück. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte köpfte Testroet einen Freistoß des sehr aktiven Philipp Riese ein. Wiederholt standen die Torhüter im Blickpunkt. Doch Regensburgs Alexander Weidinger und Aues Robert Jendrusch zeichneten sich mehrfach aus. Das 1:2 konnte Weidinger aber nicht verhindern.

An der Tabellenspitze hatten sowohl der 1. FC Heidenheim als auch der Hamburger SV noch Chancen auf den 3. Platz, der zur Bundesliga-Relegation gegen den SV Werder Bremen berechtigt. Heidenheim unterlag bei Zweitliga-Meister Arminia Bielefeld mit 0:3, ein einziger Punkt hätte dem HSV gereicht. Doch die Hanseaten blamierten sich gegen den SV Sandhausen und spielen nach dem 1:5 auch in der kommenden Saison zweitklassig.

Quelle: ntv.de, tsi/sid/dpa