Fußball

Die Lehren des 32. Spieltags Nur RB Leipzig kann jetzt noch helfen

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Trägt die Hoffnung: Ralf Rangnick, RB Leipzig.

(Foto: imago images / Jan Huebner)

Nur der Teufel kann den Titelkampf in der Fußball-Bundesliga noch einmal spannend machen. Oder halt RB Leipzig. Das Team von Ralf Rangnick trägt nach diesem 32. Spieltag die Hoffnung all jener, die erklärte Gegner der bayrischen Meisterschafts-Monotonie sind.

1. Die Titelkampf-Hoffnung heißt RB Leipzig

Seit sieben Jahren folgt die Bundesliga einem Algorithmus, der stets perfekt funktioniert: Eine Spielzeit hat 3060 Minuten und am Ende heißt der Fußballmeister in Deutschland immer FC Bayern. Nun gab es während dieser 56. Saison zahlreiche Hackerattacken: von Borussia Dortmund, von Fortuna Düsseldorf, vom 1. FC Nürnberg, von Karl-Heinz Rummenigge und zuletzt sogar von Franz Beckenbauer. Aber: Sie alle können machen was sie wollen. Sie können den FC Bayern niederspielen, sie können den FC Bayern blamieren, sie können seinen Trainer mobben und die Mannschaft verspotten - Tabellenführer nach 32. Spieltagen ist der FC Bayern. Mit vier Punkten und 18 Toren Vorsprung auf Borussia Dortmund. Es müsste also schon mit dem Teufel zugehen, sollten die Münchener ihre siebte Meisterschaft in Serie nicht einfahren. Nun ist es aber so: Der Teufel heißt in der Bundesliga seit drei Jahren RB Leipzig.

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Grafite schoss den VfL Wolfsburg am 23. Mai 2009 zur Meisterschaft. Und wir wissen immer noch nicht, wie man seinen Namen korrekt ausspricht.

(Foto: AP)

Und ausgerechnet dieser Teufel muss nun die Revolution gegen die bayrische Meisterschafts-Monotonie anführen. Denn nur wenn RB Leipzig am nächsten Samstag das Heimspiel gegen München gewinnt, gibt's womöglich erstmals seit dem 23. Mai 2009 wieder eine Entscheidung am 34. Spieltag. Damals hielt der legendäre VfL Wolfsburg den FC Bayern durch ein 5:1 gegen Werder Bremen (Doppelpack Grafite) auf Distanz. Zurück ins Hier und jetzt: Parallel zum Leipzig-Erfolg (alle Spiele werden um 15.30 Uhr angepfiffen und bei n-tv.de live getickert) müsste allerdings auch der BVB gegen Fortuna Düsseldorf gewinnen (bei einem Remis wäre das Duell zwar rechnerisch noch offen, wegen der Tordifferenz aber faktisch entschieden).

Und dass der Teufel vielen Menschen mittlerweile sehr viel lieber ist als die Liga-Diktaktur, das hat die unanfechtbare Herzchenwertung der Kollegen von "Zeit online" ermittelt. Mit 2613 Liebesklicks waren die sächsischen Rasenballer an diesem Spieltag das viertbeliebteste Team nach Frankfurt (3698), nach Dortmund (3034) und nach dem SC Freiburg (2745). Der FC Bayern behauptet sich dagegen mit eher kläglichen 1054 Sympathiebekundungen im emotionalen Abstiegskampf knapp vor Leverkusen (962), Hoffenheim (947) und Schalke (858). Nur Wolfsburg können die Münchener klar auf Distanz halten: Erschütternd mickrige 694 Herzchen gibt's für den VfL, der doch 2009 Meister war.

2. Der FC Bayern wird geleakt

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Zum FC Bayern ist doch mittlerweile alles gesagt und geschrieben, oder nicht? Gegen den designierten Absteiger Hannover 96 gab's ein 3:1. Das war mal wieder so lala unterhaltsam - wenn man denn den Fußball der Uwe-Seeler-Traditionsmannschaft so lala unterhaltsam findet. Der Vorsprung in der Tabelle auf den BVB ist von zwei auf vier Punkte angewachsen. Vereinspräsident Uli Hoeneß hat keine skurrilen Zeugen zu noch skurrileren Elfmetern befragt. Und der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge verzichtete auch an diesem Wochenende - soweit wir wissen - auf Jobgarantieverweigerungen für jedermann beim FC Bayern.

Und doch gibt's Brisantes zu berichten: Der angeblich von Lateinamerika aus betriebene Twitteraccount @FCBayernUpdate hat ein Foto des angeblich neuen Trikots der Münchner für die kommende Saison verbreitet, geleakt vom angeblich stets gut informierten Onlineportal "footyheadlines.com". Demnach ist das neue Heimhemd schlicht rot, allerdings in auffälliger Rautenoptik. Eine Hommage an das Luftkissen-Design der Allianz-Arena?

3. Der BVB beweist, warum er nicht Meister wird

Die Dortmunder Borussia, das darf auf gar keinen Fall verschwiegen werden, hat am Samstagabend beim SV Werder Bremen ein tolles Fußballspiel gezeigt. Sie hat im Weserstadion zwei tolle Tore geschossen: Erst wuselte sich Christian Pulisic spektakulär an sehr vielen Bremern vorbei, dann messisierte Paco Alcácer per Freistoß zum 2:0.

Doch so aufregend diese souveräne Führung erspielt war, so aufregend wurde sie vergeigt. Roman Bürki ließ einen eher harmlosen Schuss von Kevin Möhwald ins Tor flutschen, dann verweigerte Manuel Akanji die Vollendung eines klar gewonnenen Duells im Strafraum - die Folge: 2:2. Der zweite Kontrollverlust binnen einer Woche. Der zweite Kontrollverlust nach dem völlig vergeigten Derby gegen die doch zuvor so verunsicherten Schalker. Wir fragen (indirekt) nach:

n-tv.de: So wird man nicht Meister. Oder?
Sportdirektor Michael Zorc (auf der BVB-Homepage): "Um ganz vorne zu stehen, darfst du solche Fehler nicht machen." Tja, da spielt Borussia Dortmund die nach Punkten viertbeste Saison seiner Bundesligageschichte und droht am Ende doch "nur" Zweiter zu werden.

4. War's das jetzt mit Frankfurt?

Wer am Donnerstag das Halbfinale der Europaliga zwischen Eintracht Frankfurt und dem FC Chelsea gesehen hat, der bekam zwischen der 25. und 80. Minute einen stabilen Eindruck davon, wie kräftezehrend diese lange Saison war. Zwar erarbeitete sich die SGE mit viel Leidenschaft ein 1:1, aber längst nicht jeder Spieler, konnte dem Tempo der Londoner folgen. Nun ist der Tabellendritte der englischen Premier League allerdings auch ziemlich gut. Wie sehr der Akku der Mannschaft von Trainer Adi Hütter tatsächlich gelitten hat, das wurde am Sonntagabend klar: Mit 1:6 ging Frankfurt bei Bayer Leverkusen unter - und hatte dabei noch Glück, dass es Julian Brandt, Kai Havertz und deren völlig von Sinnen stürmenden Kollegen irgendwann mit dem Abschluss nicht mehr so genau nahmen.

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"Alles noch in eigener Hand": Adi Hütter.

(Foto: imago images / Jan Huebner)

War's das jetzt für die Eintracht? Geht diese Saison nicht furios sondern kurios zu Ende? Endet das Europaliga-Märchen nun krachend im Halbfinal-Rückspiel beim FC Chelsea? Endet die Liga-Saison knapp außerhalb der Plätze, die ein Ticket nach Europa bedeuten? Alles möglich. Alles aber nicht gesetzt. Coach Hütter sieht's so: "Im Rennen um Platz vier (Anmerk. d. Red.: Champions-League-Berechtigungsplatz) haben wir alles noch in eigener Hand, auch wenn es jetzt schwieriger wird. Auch für Donnerstag mache ich mir keine Sorgen, dass wir uns anders präsentieren. Wir werden die Köpfe wieder frei haben." Und die Beine hoffentlich locker.

5. Wenn die Fans sich abwenden

Was ist los in Mönchengladbach? Für Torwart Yann Sommer war das 2:2 gegen Hoffenheim "eine kleiner Sieg" im Wettstreit um die internationalen Plätze, doch das Verhältnis zwischen Zuschauern und Mannschaft ist alles andere als in Ordnung. Viele Fans pfiffen die Profis aus. Trainer Dieter Hecking, der im Sommer von Marco Rose abgelöst wird, verteidigte seine Spieler: "Das sind auch Menschen, die Gefühle haben. Die mal im Flow sind und mal Phasen haben, in denen es nicht geht. Das muss man jungen Menschen zugestehen. Wenn man das nicht kann, hat man ein Problem."

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"Wenn einer glaubt, dass er lachend aus der Kabine kommt, liegt er komplett falsch": Thorgan Hazard.

(Foto: imago images / Wiechmann)

Am meisten bekam es Thorgan Hazard ab. Der Belgier will den Verein verlassen. "Glauben Sie, dass dem Jungen das hilft?", fragte Hecking: "Es hilft ihm nullkommanull. Der Junge hat eine Phase, die nach Toren gemessen sehr schwierig ist. Aber wenn einer glaubt, dass er lachend aus der Kabine kommt, liegt er komplett falsch." Hazard tue alles. "Wenn man das nicht sehen möchte, kann man ihn weiter auspfeifen, dann kann man sich weiter an ihm reiben, weil er vielleicht zu Borussia Dortmund geht. Damit muss er leben. Ich als Trainer werde ihn aber immer schützen." Das tat auch Manager Max Eberl: "Ich würde das nicht als Söldnertum bezeichnen." Aber natürlich geht es um Geld, auch für die Borussia. 2020 kann Hazard ablösefrei gehen. Die Fans aber scheinen damit nicht einverstanden. Und nun? Hecking beteuert: "Die Mannschaft ist nicht tot. Und wir haben alles weiter in der eigenen Hand."

6. Was passiert eigentlich noch?

Wer spielt international?

SG Eintracht Frankfurt (54): FSV Mainz 05 (H), FC Bayern (A)
Bayer 04 Leverkusen (54): FC Schalke 04 (H), Hertha BSC (A)
Bor. Mönchengladbach (52): 1. FC Nürnberg (A), Borussia Dortmund (H)
VfL Wolfsburg (52): VfB Stuttgart (A), FC Augsburg (H)
TSG Hoffenheim (51): Werder Bremen (H), FSV Mainz 05 (A)
Werder Bremen (47): TSG Hoffenheim (A), RB Leipzig (H)

Die Ausgangslage im Kampf um den Titel ist geklärt. Gewinnt der FC Bayern am Samstag bei RB Leipzig, feiert er die siebte Meisterschaft hintereinander. Drei der vier Plätze in der Champions League sind auch schon vergeben, an die Münchner, die Dortmunder und die Leipziger. Für das vierte Königsklassenticket kommen fünf Klubs in Frage: Frankfurt und Leverkusen mit 54 Punkten, Mönchengladbach und Wolfsburg mit 52 und Hoffenheim mit 51 Punkten. Das klingt nicht nur spannend, das ist es auch. Wenn es um die Qualifikation um die Europaliga geht, ist auch noch Bremen dabei. Wer an den letzten beiden Spieltagen noch gegen wen spielt, steht rechts in dem Kasten. Und jetzt rechnen Sie bitte selbst. Wir tippen, das die Leverkusener ihre Spiele gegen Schalke und in Berlin beide gewinnen und so noch an den Frankfurtern vorbeiziehen in die Champions League hinein ziehen.

Wer steigt direkt ab?

VfB Stuttgart (24): VfL Wolfsburg (H), Schalke 04 (A)
1. FC Nürnberg (19): Borussia Mönchengladbach (H), Freiburg (A)
Hannover 96 (18): SC Freiburg (H), Fortuna Düsseldorf (A)

Weit weniger offen ist die Frage, wer absteigt. Thomas Doll, der Trainer des Tabellenletzten sagt zwar nach der Niederlage beim FC Bayern: "Wer weiß, vielleicht ist der Fußballgott am Ende doch Hannoveraner - das wäre genial." Aber selbst wenn es so wäre, auch er könnte den Abstieg der 96er nicht verhindern. Die müssten nämlich nicht nur gegen den SC Freiburg und bei Fortuna Düsseldorf gewinnen, sondern auch darauf hoffen, dass der VfB Stuttgart gegen den VfL Wolfsburg und beim FC Schalke 04 verliert. Außerdem dürfte gleichzeitig der 1. FC Nürnberg aus seinen Partien gegen Borussia Mönchengladbach und beim SC Freiburg nicht mehr als vier Punkte holen. Die Rechnung der Clubberer auf dem vorletzten Platz dürfte so aussehen: Zweimal gewinnen und darauf setzen, dass Stuttgart zweimal verliert. Am Ende aber wird es so kommen: Hannover und Nürnberg steigen direkt ab, der VfB darf/muss am Donnerstag, 23., und Montag, 27. Mai, in die beiden Relegationsspiele gegen den Tabellendritten der zweiten Liga. Hier tippen wir auf den Hamburger SV.

Quelle: n-tv.de

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