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Hoeneß kontert Rummenigge Was wird aus Bayerns Coach Kovac?

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Ob Niko Kovac beim FC Bayern wirklich die absolute Rückendeckung spürt?

(Foto: imago images / Sven Simon)

Werde einer mal schlau aus dem FC Bayern und seiner Meinung über Niko Kovac. Die Alphatiere des Fußball-Bundesligisten machen es einem nicht einfach: Während Karl-Heinz Rummenigge ein klares Bekenntnis verweigert, stärkt Uli Hoeneß dem angefressenen Trainer den Rücken.

Als Niko Kovac seinen letzten öffentlichen Satz an diesem Samstagabend in der Allianz Arena gesprochen hat, lehnt der Trainer des FC Bayern den Kopf zurück, schiebt das Kinn vor, fixiert die Menschen vor ihm mit einem langsamen Blick von links nach rechts. Es ist ein Blick voller Wut und Enttäuschung. Einige Sekunden hält er diese Position. Dann steht er auf, zieht seinen Dortmunder Kollegen Lucien Favre zu sich heran, schüttelt dessen Hand, sagt ein paar leise, nicht öffentliche Worte und verlässt das Podium im Presseraum des Münchener Stadions. Niko Kovac hat Dampf abgelassen. Und das nach einem wirklich überraschend merkwürdigen, weil überraschend einseitigen Fußballspiel, in dem seine nach dem Pokalkrampf gegen Heidenheim noch so fahrige und angezählte Mannschaft an diesem 28. Spieltag der Bundesliga den verängstigten BVB mit Volldampf und mit 5:0 von der Tabellenspitze getrümmert hatte.

Dieser Sieg war der bisher wichtigste für Kovac als Trainer des FC Bayern. Es war, so urteilten fast alle Beobachter, sein erster großer. Nach zuvor lediglich Unentschieden und Niederlagen gegen Ajax Amsterdam, den FC Liverpool und in der Hinrunde gegen die Borussia. Womöglich war's sogar ein Sieg, der über die berufliche Zukunft des Kroaten an der Säbener Straße entschieden hat oder über sie, also seine Zukunft, entscheiden wird. Denn in dieser speziellen Saison wirkt jede Niederlage, jedes Remis wie der endgültig letzte Beweis, dass Kovac nicht der richtige Trainer für den Rekordmeister ist. Ein Sieg, endlich ein so beeindruckender und hochwertiger wie der gegen BVB, der die Dominanz-DNA des Klubs umschmeichelt, sollte da doch das Gegenteil bewirken. Er sollte eigentlich die größtmögliche Erleichterung bringen. Den Nachweis, dass Kovac womöglich doch der richtige Trainer für diesen Klub ist.

"Wenn du gewinnst, hast du nichts richtig gemacht"

Nun, bei Kovac reizte die Frage nach einem persönlichen Befreiungsschlag gegen die Dortmunder einen sehr empfindlichen Druckpunkt. "Wenn du gewinnst, hast du nichts richtig gemacht. Wenn du verlierst, hast du alles falsch gemacht", sagte er. "Ich glaube: Wir sind alle Menschen, und jeder muss an sich den Anspruch haben, was ich nicht möchte, dass dir einer antut, das tue ich auch niemand anderem an. Das ist das Wort zum Sonntag.", Champions-League-Aus, Taktik-Kritik intern und extern, Stolperer gegen die nicht ganz so großen Teams des nationalen Fußballs, dann noch das irre Pokal-Tohuwabohu gegen den 1. FC Heidenheim mit anschließendem Impuls-Referat, gerichtet an seine vogelwilden Fußballer, über die Einfachtheit des Verteidigens - bei Niko Kovac hatte sich in den vergangenen Wochen viel Wut angestaut. Über seine Mannschaft. Über die Medien.

Zwar war ihm nicht die grundsätzliche Eignung abgesprochen worden, einen Topklub zu trainieren, wohl aber gab's mal gut begründete, mal weniger gut begründete Kritik daran, dass seine auf Stabilität ausgerichtete Spielidee (Handwerk) nicht unbedingt zum offensivgierigen (Kunst) FC Bayern passt. Dass diese Diskussion nun nach dem Geraderücken der Machtverhältnisse in der Bundesliga ganz nach dem Geschmack der Münchner dennoch nicht verstummt, sondern arg an Wucht gewinnt, ist bemerkenswert. Noch bemerkenswerter ist, dass sie einer anfeuert, der als Chef von Kovac über die berufliche Zukunft von Kovac entscheidet: Klubboss Karl-Heinz Rummenigge.

Und am bemerkenswertesten wird diese Diskussion dadurch, dass Präsident Uli Hoeneß alles ganz anders sieht als Rummenigge, darin aber keinen Widerspruch erkennt. Rummenigge hatte am Sonntag beim Bezahlsender Sky gesagt: "Es gibt keine Jobgarantie für niemanden bei Bayern München." Und Rummenigge findet, so schloss er an, dass das mit Jobgarantie für niemanden "auch gut so" ist. "Mit diesem Druck muss jeder umgehen können. Wer das nicht kann, ist im falschen Klub."

"Es gibt keine Jobgarantie für niemanden"

Später erklärte er noch, wie die Klubführung - also unter anderem er - in der "selbst kreierten" Krise im Oktober und November den Trainer darauf hingewiesen habe, was er dringend ändern müsse. Er solle auf die Rotation verzichten. Die hatte den selbst erklärten Rotationsgegner Rummenigge vor allem verärgert, weil sie "ausschließlich leistungsunabhängig" geschah. Aber das sei dann "korrigiert worden". Auch die mutlose Weise der Niederlage im Rückspiel der Champions League (1:3) gegen den FC Liverpool hatte Rummenigge arg frustriert.

Das Double, es sei nun das Ziel vor dem großen Umbruchsommer mit dem größten Investitionsprogramm der Klubgeschichte. Fußball wie gegen Dortmund zu spielen unbedingt erforderlich. Weitere Stolperer dringend zu vermeiden. Sowohl im Pokal, in dem es am 23 oder 24. April im Halbfinale gegen Werder Bremen geht, als auch in der Liga, in der es noch nach Düsseldorf, Nürnberg und Leipzig geht, in der noch Bremen, Hannover und Frankfurt in die Arena kommen. Und was, wenn's anders kommt? Wenn wieder gestolpert wird? Wenn's mit der siebten Schale in Folge nicht klappen sollte? Was wird dann aus Kovac? Rummenigge sieht's so: "Wir werden Meister." Analysiert wird nach der Saison trotzdem.

Und sollte Rummenigge das mit Hoeneß tun - wovon auszugehen ist - dann kommt trotz aller Debatten mutmaßlich das heraus, was der Präsident dem "Kicker" gesagt hat: "Wenn ich unzufrieden bin, heißt das lange nicht, dass wir den Trainer rausschmeißen. Man kann trotzdem kritisch miteinander umgehen." Und weiter: "Wie soll ich mit jemandem zusammenarbeiten, den ich bei jeder Gelegenheit infrage stelle? In so einem Spannungsfeld, wie unser Trainer in den letzten Wochen gelebt hat, kann man auf Dauer nicht vernünftig arbeiten." Dass diese Dauer das Saisonende überschreiten wird, scheint auch schon klar: Denn die Situation bei den Münchnern habe sich seit November 2018 verändert. So Hoeneß. Tiefpunkt war das allgemein als peinlich bewertete 3:3 gegen Düsseldorf. Damals, so Hoeneß nun, "hatte ich das Gefühl, es ist alles desaströs und es funktioniert gar nichts. Aber seither haben wir kaum ein Spiel verloren. Und selbst wenn wir Zweiter würden, ist das doch kein Desaster." Worte - tatsächlich ohne Taten?

Quelle: n-tv.de

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