Fußball

Bei Hertha gehen die Lichter aus Thomas Müller holt Punkt für Bayer Leverkusen

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Es müllert im eigenen Tor.

(Foto: IMAGO/Nordphoto)

Es müllert wieder in der Bundesliga. Aber nicht für, sondern gegen Bayern München. Denn Thomas Müller trifft unbedrängt ins eigene Tor. Leverkusen nimmt einen Punkt mit. Freiburg vergibt eine Sensation in Leipzig, Union verliert das "Schleicher"-Derby in Wolfsburg, bei Hertha gehen die Lichter aus.

Bayern München - Bayer Leverkusen 1:1 (1:1)

Bayern München hat bei seiner Königsklassen-Generalprobe ein Erfolgserlebnis verpasst. Im umkämpften Bundesliga-Topspiel gegen Verfolger Bayer Leverkusen musste sich der deutsche Fußball-Rekordmeister mit einem 1:1 (1:1) begnügen. Am Dienstag (21 Uhr/Amazon prime) ist für die Mannschaft von Trainer Julian Nagelsmann im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League gegen RB Salzburg dagegen ein Sieg Pflicht (Hinspiel 1:1). Dafür ist aber eine Steigerung nötig.

Niklas Süle brachte die Bayern vor 25.000 Zuschauern in der 18. Minute in Führung. Thomas Müller glich für die Werkself in der 36. Minute per Eigentor aus. Es war das erste Mal in Müllers erfolgreicher Karriere, dass er in der Bundesliga ins eigene Tor traf. Bayern, das schon das dritte Spiel in der Rückrunde nicht gewonnen hat, baute den Vorsprung an der Spitze dennoch vorübergehend auf neun Punkte vor Dortmund aus. Der BVB hat allerdings noch ein Nachholspiel in der Hinterhand. Für die Werkself war es ein wichtiger Punkt und ein Achtungserfolg im spannenden Kampf um die Champions-League-Plätze.

Nach Solidaritätsbekundungen für die Ukraine - die Bayern liefen unter anderem mit gelben und blauen Jacken in die Arena ein - entwickelte sich ein offenes Spiel. Ein Offensivspektakel wie im Hinspiel vor der Pause gab es zunächst aber nicht. Da hatten die Bayern schon nach 37 Minuten 5:0 geführt. Die überlegenen Münchner taten sich gegen gut gestaffelte Leverkusener zu Beginn schwer. Erstmals gefährlich wurde es deshalb nach einem Freistoß, doch Robert Lewandowski schoss Müller an (16.). Auch die Führung fiel nach einem Standard. Nachdem Bayer-Keeper Lukas Hradecky eine Ecke unterlief, nutzte Süle die Konfusion mit einem wuchtigen Schuss aus kurzer Distanz aus.

Leverkusen, dass durch Amine Adli (8.) die erste Chance des Spiels hatte, stand danach unter Druck. Doch in eine Phase, in der die Bayern scheinbar alles im Griff hatten, sorgte Müller unbedrängt nach einem Freistoß durch Kerem Demirbay und einem Missverständnis mit Torhüter Sven Ulreich für den Ausgleich. Danach wackelten die Bayern mehrmals bedenklich und hatten viel Glück, dass Adli frei nur den Pfosten traf und Ulreich glänzend gegen Charles Aranguiz rettete. Kurz nach der Pause war es dann Hradecky, der gegen Jamal Musiala parierte. Überhaupt hatten die Bayern wieder mehr Kontrolle, so scheiterte der eingewechselte Marcel Sabitzer freistehend an Hradecky. Ansonsten fehlte zu oft die Entschlossenheit. Bayer blieb bei Kontern immer gefährlich.

RB Leipzig - SC Freiburg 1:1 (0:1)

Der SC Freiburg hat einen großen Schritt Richtung Champions League verpasst. Die Breisgauer mussten sich im Auswärtsspiel bei RB Leipzig trotz einer 1:0-Führung und einer über weite Strecken souveränen Vorstellung am Ende mit einem 1:1 (1:0) begnügen. In der Tabelle verteidigten die Leipziger durch den Punktgewinn vorerst den vierten Platz vor den punktgleichen Freiburgern. Angelino (90.) hatte den späten Ausgleich für den Vizemeister erzielt und damit auch Christian Streich um den Rekordsieg gebracht. Der Trainer des SC Freiburg wäre bei einem 104. Bundesliga-Sieg mit Klub-Ikone Volker Finke gleichgezogen. Zur Führung für die Gäste hatte Ermedin Demirovic (38.) getroffen.

Die beiden Teams, die unter der Woche im Pokal ins Halbfinale eingezogen waren, starteten vor 24.758 Zuschauer mit frischen Kräften. Bei RB liefen fünf Neue von Beginn an auf, Freiburg änderte seine Formation auf vier Positionen. Streich hatte im Vorfeld von einer "richtig großen Aufgabe" bei RB gesprochen und aus Vorsicht auf eine Fünferkette in der Abwehr umgestellt. Doch auch Leipzigs Respekt vor dem Gegner war groß. Der SC sei "eine Spitzenmannschaft", hatte Trainer Domenico Tedesco gesagt, "es ist schon brutal, was die machen." Dass sich beide Teams in dieser Saison absolut auf Augenhöhe begegnen, war auch auf dem Rasen zu sehen. Während der gesamten Partie war kaum ein Vorteil für eine Seite auszumachen, beide Mannschaften neutralisierten sich mehr oder weniger. Das sorgte jedoch auch dafür, dass es kaum Torchancen zu sehen gab.

Das Spiel fand fast ausschließlich zwischen den Strafräumen statt, durch das kollektive Verschieben der Ketten gab es für ein Durchkommen kaum Platz. Auch der zuletzt überragende RB-Stürmer Christopher Nkunku hatte einen schweren Stand. Von seinen gefährlichen Antritten war bis zur 33. Minute, als ihm nach einem Konter der Heber misslang, nichts zu sehen. Besser machte es auf der Gegenseite Demirovic, der RB-Torhüter Peter Gulacsi beim 1:0 überlupfte. Die Führung spielte dem SC nach dem Seitenwechsel in die Karten. Die Gäste konnten sich nun noch weiter zurückziehen und die Räume noch enger zustellen. Auch technisch hochveranlagte Spieler wie Nkunku oder Emil Forsberg konnten sich in diesem Abwehrverbund nur ganz selten durchsetzen. Dann schlug Angelino doch noch eiskalt zu.

VfL Wolfsburg - Union Berlin 1:0 (1:0)

Mit einem Arbeitssieg hat sich der VfL Wolfsburg vorerst ins Bundesliga-Mittelfeld abgesetzt. In einer umkämpften Partie bezwangen die Niedersachsen mit Max Kruse gegen Union Berlin mit 1:0 (1:0) durch. Gegen seine ehemaligen Teamkollegen war der Ex-Nationalspieler allerdings kein großer Faktor. Für den entscheidenden Treffer sorgte der Pokal-Halbfinalist selbst. Nach einem Eckball von Maximilian Arnold bugsierte Union-Stürmer Taiwo Awoniyi in der 24. Minute per Kopf ins eigene Tor, Berlins Keeper Andreas Luthe kam zu spät.

Aufgrund einer engagierten Leistung hätten die Gäste allerdings mindestens einen Punkt verdient gehabt. Die Norddeutschen starteten zwar mit einem Pfostenschuss von Xaver Schlager (3.) furios, danach aber überzeugte der Tabellensiebte mit sehenswerten Kombinationen, klugen Tempowechseln sowie einer gesunden Zweikampfhärte. Mehrfach wackelte die Wolfsburger Defensive bedenklich, richtig gefährlich wurde es aber nur bei einem Schuss von Dominique Heintz (14.), den Schlussmann Koen Casteels aus kurzer Distanz parieren konnte. VfL-Trainer Florian Kohfeldt war sichtlich nervös und bearbeitete sein Kaugummi noch intensiver als sonst.

"Max Kruse ist ein gefährlicher Schleicher", hatte Kohfeldts Trainerkollege Urs Fischer über seinen im Januar von Berlin nach Wolfsburg gewechselten ehemaligen Unterschiedsspieler gesagt. Doch der Routinier konnte besonders in der ersten Halbzeit nur selten glänzen und traf bei Laufwegen mehrfach die falschen Entscheidungen. Auch nach dem Seitenwechsel nahmen die Gäste vor 15.703 Zuschauern das Heft des Handelns in die Hand. Und wären fast schnell dafür belohnt worden, Awoniyi traf in der 48. Minute aus spitzem Winkel das Außennetz.

Den Platzherren gelang in der Folgezeit in der Vorwärtsbewegung fast gar nichts mehr. Kohfeldt reagierte und ersetzte in der 64. Minute den Polen Bartosz Bialek durch Lukas Nmecha: Für den Nationalspieler war es nach einer langwierigen Knöchelverletzung der erste Einsatz in diesem Jahr. Nach nur fünf Minuten Einsatzzeit traf Nmecha das Lattenkreuz.

Hertha BSC - Eintracht Frankfurt 1:4 (0:1)

Hertha BSC taumelt nach dem nächsten bitteren Rückschlag dem Abstieg aus der Bundesliga entgegen. Gegen Eintracht Frankfurt verloren viel zu fehleranfällige Berliner nach schwacher Leistung mit 1:4 (0:1). Somit ist das Team von Trainer Tayfun Korkut, der zuletzt noch eine Jobgarantie erhalten hatte, im Jahr 2022 weiterhin ohne Sieg und steht unverändert auf Relegationsrang 16. Ansgar Knauff (17.), Tuta (48.), Jesper Lindström (56.) und Rafael Borre (63.) sicherten den Hessen den ersten Erfolg nach drei Niederlagen in Serie ohne eigenen Treffer. Davie Selke (61.) traf auf Seiten von Hertha. Für die Berliner, die mit 23 Punkten zwei Zähler Rückstand auf Platz 15 haben, wird es in den nächsten Wochen nicht einfacher. Nach nun acht Ligaspielen ohne Sieg heißen die nächsten drei Gegner Borussia Mönchengladbach, TSG Hoffenheim und Bayer Leverkusen.

Vor 25.000 Zuschauern im Olympiastadion waren beide Teams um Wiedergutmachung für die jüngsten Leistungen bemüht, so war es angekündigt worden. "Wir sind in einer Situation, die gefährlich, aber nicht hoffnungslos ist", sagte Herthas Sport-Geschäftsführer Fredi Bobic. Eintracht-Trainer Oliver Glasner wollte "die Trendwende" schaffen. Und die Gäste waren das aktivere Team. Immer wieder kamen die Frankfurter hinter die Linien der Berliner, die selten sicher standen. Zunächst rettete Hertha-Torwart Marcel Lotka (15.), der nach seinem starken Debüt beim 0:3 beim SC Freiburg wieder Alexander Schwolow (Corona) vertrat. Der Deutsch-Pole nahm nach einem Stellungsfehler von Berlins Kapitän Dedryck Boyata dem heranstürmendem Lindström den Ball im Strafraum gerade so vom Fuß.

Zwei Minuten später dribbelte sich Filip Kostic gekonnt auf der linken Seite durch und flankte punktgenau auf Knauff, der gegen die Laufrichtung einköpfte. Die Gastgeber waren defensiv äußerst anfällig, durch Fehlpässe im Spielaufbau boten sie Frankfurt mehrere Chancen. Gleichzeitig sah Korkut, der Suat Serdar fast auf gleicher Höhe mit Stürmer Stevan Jovetic aufgestellt hatte, im ersten Durchgang keine einzige eigene Großchance - die Zuschauer quittierten dies mit einem Pfeifkonzert zur Pause.

Nach der Halbzeit wurde es jedoch kaum besser. Tuta drückte den Ball nach einem geklärten Eckball über die Linie, ehe Lotka folgenschwer patzte. Der Schlussmann eilte nach einem langen Frankfurter Schlag aus seinem Kasten und klärte direkt vor die Füße von Lindström, der aus mehr als 30 Metern den Ball ins Tor hob. Danach währte der Jubel über das schöne Volley-Tor des eingewechselten Selke nur kurz - quasi direkt im Gegenzug stellte Borre den alten Abstand wieder her. Das Berliner Publikum sang ironisch: "Oh, wie ist das schön."

VfL Bochum - SpVgg Greuther Fürth 2:1 (1:0)

Das zweite Bundesliga-Abenteuer der SpVgg Greuther Fürth neigt sich dem Ende zu. Das Kleeblatt verlor auch beim Mitaufsteiger VfL Bochum 1:2 (0:1) und setzte seine miserable Auswärtsserie fort. Mit weiter nur einem einzigen Punkt in fremden Stadien ist der Rückstand der Franken auf den ersten Nicht-Abstiegsplatz neun Runden vor Schluss auf elf Zähler angewachsen.

Mit dem Sieg gegen den Tabellenletzten beendete der VfL eine enttäuschende Woche mit unglücklichen Niederlagen in der Bundesliga gegen RB Leipzig (0:1) und im Pokal gegen den SC Freiburg (1:2) versöhnlich. Mit 32 Punkten haben die Westfalen inzwischen neun Zähler Vorsprung auf den Relegationsplatz. Drei Tage nach dem Last-Minute-K.o. gegen Freiburg brachte ausgerechnet Maxim Leitsch den VfL in Führung (35.). Der 23-Jährige hatte das späte Gegentor in der Verlängerung verschuldet.

Doch Bochums Trainer Thomas Reis hatte dem Innenverteidiger das Vertrauen ausgesprochen und ihn wieder in die Startelf berufen. Ein Eigentor von Armel Bella Kotchap (64.) bescherte Fürth, das weiter auf den ersten Auswärtssieg in der Bundesliga seit dem 4. Mai 2013 (2:0 beim VfB Stuttgart) beim ersten Abstieg wartet, den Ausgleich. Den Bochumer Siegtreffer erzielte Kapitän Anthony Losilla (71.). Erstmals seit ihrer Bundesliga-Rückkehr nach elf Jahren gingen die Bochumer als "Favorit" ins Spiel, wie Reis bestätigte, "aber Vorsicht ist geboten". In der Tat: Auch wenn sich die Gastgeber um die Spielkontrolle bemühten, deuteten die Fürther als erste wirkliche Torgefahr an: Jeremy Dudziak brachte allerdings den Ball am Fünfmeterraum nicht richtig unter Kontrolle (14.).

Bochum versuchte es vor allem über die rechte Seite mit Verteidiger Christian Gamboa und Außenstürmer Christopher Antwi-Adjei. Doch der letzte Pass war zu ungenau. Die Fürther setzten vereinzelte Nadelstiche, ohne allerdings dem Gegner wirklich wehzutun. Bezeichnenderweise brachte eine Standardsituation die Bochumer Führung: Nach einem Freistoß von Eduard Löwen lenkte Fürths Keeper Andreas Linde den Ball zunächst an die Latte und dann an den Pfosten, ausgerechnet Leitsch drückte ihn letztlich über die Linie.

Nach dem Seitenwechsel bemühten sich die Gastgeber, das Spiel zu kontrollieren. Fürth verstärkte trotz des Rückstands seine Angriffsbemühungen kaum - und kam aus heiterem Himmel zum Ausgleich: Bella Kotchap lenkte einen Schuss von Branimir Hrgota ins eigene Tor. Auch Losillas Schuss wurde von einem gegnerischen Spieler unglücklich ins eigene Tor abgefälscht.

Quelle: ntv.de, sue/sid

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