Collinas Erben

"Collinas Erben" stellen klar Hoffenheim grollt dem VAR zu Unrecht

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Schiedsrichter Sören Storks hatte in Hoffenheim reichlich zu tun.

(Foto: imago images/Thomas Frey)

Drei Elfmeter, drei Eingriffe des VAR - in Sinsheim hat der Schiedsrichter eine Menge Arbeit. Am Ende bleibt lediglich eine Entscheidung umstritten. In der Dritten Liga reagieren Zuschauer und Schiedsrichterin derweil gut und richtig auf einen rassistischen Vorfall.

Die Partie der TSG 1899 Hoffenheim gegen den VfL Wolfsburg (2:3), mithin eine Begegnung zweier Teams aus dem Mittelfeld der Tabelle, mag zwar nicht gerade im Zentrum des öffentlichen Interesses an diesem 22. Spieltag der Fußball-Bundesliga gestanden haben. Doch sie war nicht nur wegen der fünf Tore und des spannenden Verlaufs der Rede wert, sondern auch, weil es gleich drei Strafstöße gab und sich ebenfalls dreimal der Video-Assistent einschaltete. Schiedsrichter Sören Storks hatte jedenfalls alle Hände voll zu tun in diesem anspruchsvollen Spiel, in dem er schon nach etwas mehr als einer Viertelstunde zum ersten Mal auf Elfmeter entscheiden musste.

Denn der Hoffenheimer Sebastian Rudy hatte sich im eigenen Strafraum mit weit erhobenem Arm in einen Schuss von Xaver Schlager geworfen und den Ball schließlich mit dem immer noch abgespreizten Arm abgewehrt. Zu Recht erkannte der Unparteiische deshalb auf Strafstoß für die Gäste. Auch die Verwarnung für Rudy war korrekt, denn wenn ein Torschuss durch ein strafbares Handspiel blockiert wird, ist die Gelbe Karte laut Regelwerk unumgänglich. Die Schiedsrichter haben hier keinerlei Ermessensspielraum. Wout Weghorst verwandelte den Elfmeter zum 0:1.

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Mehmedi traf zum vermeintlichen 2:0 - der Treffer zählte nicht.

(Foto: imago images/HMB-Media)

Fünf Minuten vor der Pause lag der Ball ein zweites Mal im Tor der Hausherren. Doch den Treffer von Admir Mehmedi, der zunächst anerkannt worden war, annullierte Referee Storks auf Intervention seines Video-Assistenten Deniz Aytekin schließlich richtigerweise. Denn der Torschütze hatte sich bei Weghorsts vorangegangenem Kopfball aus kurzer Distanz auf das Hoffenheimer Gehäuse im Abseits befunden, und diese Abseitsstellung wurde strafbar, als Torwart Oliver Baumann den Ball vor seine Füße abwehrte.

Warum es zum ersten On-Field-Review kam

Ein weiteres Mal griff Aytekin fünf Minuten nach dem Seitenwechsel ein. Bei einem Zweikampf mit Benjamin Hübner im Strafraum der Gastgeber war der Wolfsburger Kevin Mbabu zu Boden gegangen, doch der Unparteiische hatte angezeigt: Ball gespielt, es geht weiter. Das rief den VAR auf den Plan, denn die Kugel hatte Hübner nicht getroffen, dafür jedoch die Beine von Mbabu. Dieser war allerdings schon vor dem Kontakt ins Rutschen geraten und hatte dadurch das Gleichgewicht verloren. Sein Sturz war also nicht von Hübner verursacht worden. Lag dennoch ein strafbarer Kontakt vor? Das sollte Sören Storks nun in der Review Area am Spielfeldrand final beurteilen.

Dass es überhaupt zu diesem Review kam, sorgte vor allem bei den Hoffenheimern für Unverständnis. Tatsächlich gibt es gute Gründe für die Ansicht, dass es zumindest kein klarer und offensichtlicher Fehler des Referees war, weiterspielen zu lassen. Gesehen und bewertet hatte dieser den Zweikampf, das erhöhte die Eingriffsschwelle für den Video-Assistenten. Der Grund für dessen Intervention war letztlich, dass Storks ein Spielen des Balles wahrgenommen hatte, das es aber nicht gab. Das heißt: Er hatte sich gewissermaßen aus den falschen Gründen dafür entschieden, die Partie nicht zu unterbrechen. Und wenn die Bilder in einer überprüfbaren Situation deutlich der kommunizierten Wahrnehmung des Schiedsrichters widersprechen, wird ein On-Field-Review empfohlen.

Der VAR hat den Schiedsrichter vor Fehlern bewahrt

Gleichwohl hätte der Referee sich nach dem Betrachten der Bilder am Monitor entschließen können, bei seiner ursprünglichen Entscheidung zu bleiben. Doch Storks korrigierte sich und sprach den Wolfsburgern einen zweiten Strafstoß zu, zum Ärger der Hoffenheimer. "Das war für mich ganz klar kein Elfmeter", gab Benjamin Hübner nach dem Schlusspfiff zu Protokoll. Treffender wäre vielleicht die Aussage gewesen: Das war kein ganz klarer Elfmeter. Wout Weghorst verwandelte auch diesen Strafstoß – und war fünf Minuten später am dritten Eingriff des VAR ebenfalls beteiligt.

Denn nachdem der Angreifer der Niedersachsen im eigenen Strafraum den Ball nach einem Freistoß der Gastgeber in der Mauer mit dem Arm abgelenkt hatte und Sören Storks diese Regelwidrigkeit entgangen war, meldete sich erneut Deniz Aytekin aus Köln. Wieder kam es zum Review, wieder gab es einen Elfmeter, diesmal für Hoffenheim. Und wie Sebastian Rudy wurde auch Weghorst wegen der Blockade eines Torschusses für sein Handspiel zu Recht verwarnt. Über den zweiten Strafstoß für die Gäste mag man streiten, aber ansonsten lässt sich etwas festhalten, das in den aufgeregten Debatten über den VAR generell zu wenig Beachtung findet: Der Video-Assistent hat den Unparteiischen einmal mehr vor folgenreichen Fehlern bewahrt. Genau dafür ist er da.

Was sonst noch wichtig war:

  • Die kurz vor dem Rückrundenbeginn bekannt gegebene Direktive der sportlichen Leitung der Bundesliga-Schiedsrichter, unsportliches Verhalten strenger und konsequenter zu ahnden, ist einerseits auf breite Zustimmung gestoßen. Andererseits gab es auch kritische Stimmen, etwa nach der Gelb-Roten Karte für den Mönchengladbacher Alassane Pléa wegen fortgesetzten Protestierens im Spiel gegen RB Leipzig vor zwei Wochen. Nach fünf Rückrundenspieltagen lässt sich eine erste Zwischenbilanz ziehen: Es gab zwar sowohl die eine oder andere etwas arg strenge Verwarnung als auch Szenen, in denen eine Gelbe Karte ausblieb, obwohl sie angemessen gewesen wäre. So wie nach der gestenreichen und damit außenwirksamen Reklamation von Matheus Cunha im Spiel SC Paderborn 07 – Hertha BSC (1:2). Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus hatte dem Neu-Berliner nach 62 Minuten nicht den von ihm vehement geforderten Elfmeter zugesprochen. Aber insgesamt setzen die Referees die Anweisung sinn- und maßvoll um – und wenn nicht alles täuscht, halten sich die Spieler tatsächlich stärker zurück. Sie scheinen zu begreifen, dass die Unparteiischen grundsätzlich ernst machen, wenn ein Protest zu gestenreich ausfällt oder der Ball nach einem Pfiff wegbefördert wird.
  • Ein Lob gebührt Schiedsrichterin Katrin Rafalski für ihr gutes und richtiges Vorgehen nach einem rassistischen Vorfall im Drittligaspiel zwischen Preußen Münster und den Würzburger Kickers. Kurz vor Schluss war der Würzburger Leroy Kwadwo von einem Zuschauer mit Affenlauten bedacht worden. Während Teile des Publikums daraufhin "Nazis raus" riefen und die Ordner per Fingerzeig auf den Täter aufmerksam machten, der schließlich von der Polizei festgenommen wurde, veranlasste Rafalski eine Stadiondurchsage. Gleichzeitig zeigte sie auf dem Feld sichtbar ihre Empathie gegenüber Kwadwo und versuchte, den Spieler zu beruhigen. So trug sie ihren Teil zur notwendigen Solidarität mit ihm bei – und folgte damit dem Grundsatz, dass die Referees gegenüber Rassismus nicht unparteiisch sein dürfen.

Quelle: ntv.de