Collinas Erben

"Collinas Erben" zählen mit Videobeweis stoppt Stuttgarts perfektes Drama

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Drama in Stuttgart: Schiedsrichter Stieler entscheidet beim Stand von 2:3 nach 0:3 in letzter Minute über einen Elfmeter für die Gastgeber.

(Foto: imago/Sportfoto Rudel)

In der Fußball-Bundesliga erleben die Schiedsrichter einen relativ ruhigen Rückrundenauftakt. Nur in Stuttgart wird es ein bisschen hitzig. Auch über die Video-Assistenten wird nicht gestritten. Ohnehin ist der DFB mit ihnen in dieser Saison bislang zufrieden. Die Zahlen geben ihm Recht.

Vor dem Rückrundenbeginn in der Fußball-Bundesliga dürften sowohl die Schiedsrichter als auch ihre sportliche Leitung noch einmal mit leichtem Schaudern an den ersten Spieltag dieser Saison zurückgedacht haben. Denn Ende August des vergangenen Jahres, als die Teams in der gleichen Konstellation aufeinandergetroffen waren wie an diesem Wochenende, hatten die Unparteiischen und ihre Video Assistant Referees (VAR) einen denkbar schlechten Start hingelegt. In mehreren Partien war es zu massiver Kritik an den Spielleitern und ihren Helfern vor den Monitoren in Köln gekommen. Der neue Projektleiter der Video-Assistenten, Jochen Drees, musste in diversen Interviews die Wogen glätten. Mit Wolfgang Stark setzte er sogar den damals erfahrensten VAR nach zwei unnötigen Eingriffen, die für große Hektik gesorgt hatten, vor die Tür. Bei der Weltmeisterschaft in Russland war der Videobeweis noch gelobt worden, nun jedoch wurde erneut erregt über ihn diskutiert.

Anschließend lief es allerdings erheblich besser, nur am 14. Spieltag standen die Video-Assistenten noch einmal im Mittelpunkt der Debatten. Auch jetzt, als das deutsche Fußball-Oberhaus seinen Spielbetrieb nach der Winterpause wieder aufnahm, gab es kaum Anlass zur Klage über die Unparteiischen, ganz im Gegenteil. Tobias Welz beispielsweise leitete die Auftaktbegegnung zwischen der TSG 1899 Hoffenheim und dem FC Bayern München (1:3) am Freitagabend mit Augenmaß und Umsicht, auch Deniz Aytekin hatte im Topspiel zwischen RB Leipzig und Borussia Dortmund (0:1) am Samstag keine Probleme. Und Manuel Gräfe blieb im Aufeinandertreffen des FC Schalke 04 und des VfL Wolfsburg (2:1), das am ersten Spieltag noch äußerst hitzig verlaufen war, gewohnt kühl bis ans Herz.

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Jetro Willems' Treffer zum vermeintlichen 4:1 für Eintracht Frankfurt wird von Sven Jablonski aberkannt.

(Foto: imago/Revierfoto)

Zu einem Eingriff des Video-Assistenten kam es lediglich in zwei Spielen. In der Begegnung zwischen Eintracht Frankfurt und dem SC Freiburg (3:1) waren 78 Minuten absolviert, als Jetro Willems für die Hessen mit einem Fernschuss zum vierten Mal traf. Bei der routinemäßigen Überprüfung, ob bei der Torerzielung alles mit rechten Dingen zugegangen war, fiel dem Video-Assistenten Robert Schröder allerdings auf, dass Ante Rebić im Vorfeld des Treffers seinen Gegenspieler Manuel Gulde bei der Ballannahme mit dem Unterarm am Hals getroffen hatte. Schiedsrichter Sven Jablonski war das offenbar entgangen, weshalb ihm sein VAR riet, die Szene in der Review Area am Spielfeldrand selbst noch einmal in Augenschein zu nehmen. Nach dem Betrachten der Bilder nahm der Referee das Tor zurück und sprach Freiburg einen Freistoß zu. Eine korrekte Entscheidung nach einer berechtigten Intervention.

Kein strafbares Handspiel von Mainz

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Tobias Stieler macht in Stuttgart auch in der strittigen Szene alles richtig. Daumen hoch.

(Foto: imago/Pressefoto Baumann)

Über die Notwendigkeit des zweiten On-Field-Reviews an diesem Spieltag kann man dagegen streiten. Der VfB Stuttgart hatte sich gegen den 1. FSV Mainz 05 nach einem aussichtslos scheinenden 0:3-Rückstand kurz vor dem Ende auf 2:3 herangekämpft und dazu noch einmal den Pfosten getroffen, als der Mainzer Aarón Martín den Ball in einer wilden Schlussphase im eigenen Strafraum beim Kopfballversuch an den Arm bekam. Der Unparteiische Tobias Stieler zeigte keine Reaktion, vermutlich konnte er das Handspiel im Gewühl gar nicht erkennen. Das Spiel lief noch einen Moment lang weiter, bevor Video-Assistent Robert Hartmann in der nächsten Unterbrechung nach der Prüfung der Bilder zum Review riet.

Stieler betrachtete die Szene daraufhin auf dem Monitor und entschied schließlich, keinen Strafstoß für den VfB zu geben. Dafür hatte er gute Gründe. Denn dass Martín den Ball mit dem normal gehaltenen Arm traf, lag daran, dass er ihn erst sehr spät sehen konnte, weil er sich direkt hinter einem Stuttgarter befand, der die Kugel nur knapp verpasst hatte. Das Handspiel kam deshalb unglücklich zustande und ganz gewiss nicht mit Absicht. Der Eingriff des VAR samt Review war daher einerseits nicht unbedingt erforderlich. Andererseits erlaubt das Reglement für die Video-Assistenten die Videoprüfung an der Seitenlinie, wenn auf diese Weise in engen, emotionalen Spielen die Akzeptanz einer Entscheidung erhöht werden kann.

Kurz vor dem Rückrundenbeginn hatten DFL und DFB ein positives Zwischenfazit zur Arbeit der Video-Assistenten in dieser Saison gezogen. Die Technik habe stets "einwandfrei funktioniert", die kalibrierten Abseitslinien hätten "dazu beigetragen, dass Abseitsstellungen in allen Spielen und Situationen schnell und zweifelsfrei aufgelöst werden konnten", und die Texteinblendungen in den Stadien hätten für mehr Transparenz gesorgt, sagte das DFL-Geschäftsleitungsmitglied Ansgar Schwenken. Auch Projektleiter Jochen Drees äußerte sich zufrieden. Die Anzahl der Eingriffe, die Dauer der VAR-Interventionen und die Qualität der Entscheidungen seien "im Vergleich zur letzten Saison nahezu unverändert gut". Das sei vor allem deshalb beachtlich, "weil wir an zwei Spieltagen eine Häufung von schlechten Leistungen der Video-Assistenten erlebt haben", und es spreche dafür, "dass an den übrigen Spieltagen ein durchweg gutes und sogar überdurchschnittliches Leistungsbild der Video-Assistenten vorlag".

Weniger Fehler der Video-Assistenten, längere Spielzeit

In den 153 Hinrundenspielen sind nach der Maßgabe des DFB insgesamt 40 klare Fehlentscheidungen mithilfe der Video-Assistenten verhindert worden. 37 waren es in der Hinrunde der vergangenen Premierensaison. Noch deutlicher ist die Verbesserung bei der Fehlerquote im Kölner Video-Assist-Center: Stellten die Verantwortlichen vor einem Jahr elf falsche Entscheidungen im Anschluss an eine Intervention durch den VAR fest, so führte aus ihrer Sicht diesmal nur ein einziger Eingriff zu einem Fehler. Welcher das war, verrieten die Verantwortlichen nicht. 15 mal blieben die Referees bei ihrer Entscheidung, nachdem sie sich auf Empfehlung ihrer Video-Assistenten in die Review Area begeben hatten. In der Hinrunde der Spielzeit 2017/18 war das nur zweimal der Fall gewesen.

Insgesamt überprüften die VAR bislang 879 Situationen (2017/18: 1.041). Davon betrafen 523 eine Torerzielung, in 230 Situationen ging es um das Thema Strafstoß und in 126 um das Thema Feldverweis. 631 mal (2017/18: 750 mal) bestand anschließend keine Veranlassung, Rücksprache mit dem Schiedsrichter zu halten. 192 mal (2017/18: 241 mal) kam es zu einer Kommunikation mit dem Unparteiischen und einer Bestätigung seiner Entscheidung. 56 mal (2017/18: 50 mal) intervenierte der Video-Assistent. Zwei weitere Male hätte er es nach Ansicht der Schiedsrichter-Kommission des DFB tun sollen. Auch hier blieb unklar, in welchen Spielen.

Folgte der Überprüfung einer Szene eine Kommunikation zwischen VAR und Schiedsrichter, bei der die getroffene Entscheidung bestätigt wurde, dann vergingen zwischen dem Beginn der Überprüfung und der Bestätigung durchschnittlich 38 Sekunden, das sind acht Sekunden mehr als in der Hinrunde der vergangenen Saison. Größtenteils ist diese Zeit allerdings im Spielfluss und in den natürlichen Spielunterbrechungen - etwa beim Torjubel, bei Reklamationen, bei Verletzungen - enthalten. Kam es zu einem Eingriff des Video-Assistenten, dann vergingen im Schnitt 44 Sekunden, wenn der Unparteiische nicht in die Review Area laufen musste, was in 43 Prozent der Interventionen der Fall war. Durchschnittlich 72 Sekunden brauchte der Referee, wenn er selbst einen Blick auf die Bilder warf, was er in 57 Prozent der Fälle tat. Das bedeutet: Ein Review dauerte in der Hinrunde im Durchschnitt 60 Sekunden. Das entspricht exakt dem Wert von vor einem Jahr.

Gestiegen sind die Brutto- und die Nettospielzeit. Durchschnittlich 95 Minuten und 10 Sekunden dauerte jede Bundesligapartie, das sind 31 Sekunden mehr als in der Saison 2017/18 und 58 Sekunden mehr als in der Spielzeit 2016/17. Die Nettospielzeit lag im Schnitt bei 57 Minuten und 47 Sekunden und stieg damit um 43 Sekunden gegenüber der vergangenen Saison und sogar um fast zwei Minuten im Vergleich zu 2016/17. Bemerkbar macht sich hier eine Anpassung an internationale Gepflogenheiten, wie sie auch bei der WM in Russland zu beobachten waren. Vier oder sogar fünf zusätzliche Minuten am Spielende, die früher die absolute Ausnahme waren, sind mittlerweile keine Seltenheit mehr.

Quelle: n-tv.de

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