Technik

Spurlos im Internet Anonymer surfen - so geht's

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Unerkannt surfen geht anders.

(Foto: imago/Ikon Images)

Wer im Internet unterwegs ist, wird auf Schritt und Tritt beobachtet und verfolgt. Es ist aber gar nicht so schwer, seine Spuren zu verwischen und Daten-Schnüfflern die Arbeit zu erschweren.

Daten, die Nutzer beim Surfen im Internet freiwillig oder unfreiwillig preisgeben, sind für Werbetreibende Gold wert. Mit ihnen können sie beispielsweise passgenaue Anzeigen im richtigen Moment einblenden oder sogar umfangreiche Nutzerprofile anlegen.

Einige Unternehmen wie beispielsweise Google schürfen das "digitale Gold", indem sie ganz offen Dienste gegen Daten anbieten. Andere sammeln Informationen heimlich über Cookies, Tracker und andere Werkzeuge, die auf zahlreichen Webseiten oft zu Dutzenden lauern. Zusätzlich tauschen viele Schnüffler ihre Daten-Beute untereinander aus.

Soziale Netze teilen auch Daten

Vollständige Anonymität ist im Netz nur schwer zu erreichen und für Otto Normalnutzer kaum praktikabel. Solange man keine staatliche Verfolgung befürchten muss, ist dies auch nicht unbedingt nötig. Es ist aber gar nicht so schwer, der alltäglichen Schnüffelei einen Riegel vorzuschieben und seine Daten-Spuren zu verwischen.

Die wichtigste Information, die gesammelt wird, ist die IP-Adresse, über die Geräte, aber letztendlich auch Nutzer identifiziert werden können. Webseiten-Betreiber speichern sie, aber sie wird auch an Dritte weitergegeben, die auf der angesurften Seite beispielsweise Werbung platzieren. Außerdem erhalten soziale Netzwerke die Informationen, wenn sie einen Teilen-Button auf der Seite platziert haben. Noch leichter machen es Nutzer den Sammlern, wenn sie bei Facebook, Google oder Amazon angemeldet bleiben, während sie surfen. Besonders kritisch ist hier Facebook zu betrachten, da viele andere Dienste anbieten, sich mit den Login-Daten des größten sozialen Netzwerks anzumelden. Grundsätzlich sollte man sich von allen Diensten abmelden, solange man sie nicht nutzt.

Cookies nicht immer annehmen

Cookies speichern unter anderem die IP-Adresse sowie den Zeitpunkt eines Besuchs. Sie komplett zu blockieren, ist aber nicht unbedingt ratsam. Viele Webseiten benötigen die Helferlein, um richtig zu funktionieren - unter anderem Online-Shops oder Online-Banken. Man kann in den Einstellungen alle gespeicherten Cookies selbst regelmäßig löschen oder besser nach jeder Sitzung automatisch löschen lassen (Chronik niemals anlegen). Auf jeden Fall kann man Cookies von Drittanbietern blockieren. Seiten, für die man doch Cookies zulassen möchte, nimmt man in die Liste der Ausnahmen auf.

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Die meisten Cookies lassen sich in einem Wisch entfernen.

(Foto: n-tv.de)

Im Internet Explorer findet man die entsprechenden Einstellungen unter Internetoptionen - Browserverlauf, in Google Chrome unter Erweiterte Einstellungen anzeigen - Datenschutz - Browserdaten löschen beziehungsweise Inhaltseinstellungen. Firefox verwaltet Cookies unter Datenschutz - Chronik. Neue Browser-Tabs öffnet man am besten im Inkognitomodus (Chrome), als privates Fenster (Firefox), als InPrivate (Microsoft Internet Explorer/Edge), oder im privaten Surfmodus (Safari). Dann werden grundsätzlich keine Cookies gespeichert. Zusätzlich gibt es in Browsern die Option, "Do Not Track"-Anforderungen an Webseiten zu schicken. Dabei ist man aber auf den guten Willen der Betreiber angewiesen, verpflichtend ist die Anforderung nicht. Es gibt auch Browser-Add-ons, die helfen, Cookies den Garaus zu machen, das bekannteste ist BetterPrivacy für Firefox.

Angriff der Super-Cookies

Diese Einstellungen helfen aber nicht, wenn Spione einen Nutzer anhand seines Browser-Fingerabdrucks identifizieren. Das heißt, man verrät sich durch die individuellen Einstellungen, System- oder Ortsdaten, die die Software preisgibt. Außerdem gibt es sogenannte "Super-Cookies", zu denen Flash-Cookies und DOM-Storage-Cookies zählen. Sie können mehr Daten speichern als die kleineren Text-Cookies und lassen sich nicht immer einfach entfernen.

Flash-Cookies werden vom Adobe Flash Player gesetzt. Sie sind browserübergreifend wirksam, weil sie der Player und nicht ein einzelner Browser verwaltet. Gegen diese Schnüffler hilft man sich am besten mit dem Einstellungsmanager der Software. Dort schiebt man den Regler ganz nach links, damit Webseiten keinen Platz mehr haben, um Informationen auf dem Computer zu speichern. Und man entfernt das Häkchen bei Zulassen, dass Flash-Inhalte von Drittanbietern Daten auf dem Computer speichern. Wer im privaten, beziehungsweise Inkognito-Modus surft, ist ebenfalls weitgehend vor Flash-Cookies geschützt.

DOM-Storage oder Web-Storage erlaubt Webseiten, mit einem Benutzerprofil verknüpfte Daten lokal auf dem Rechner zu speichern. In aktuellen Browsern löscht man sie mit anderen Cookies, wenn keine Ausnahmen definiert sind. Um zu verhindern, dass neue gespeichert werden, klickt man in Chrome Speicherung von Daten für alle Websites blockieren an. In Firefox gibt man in die Adresszeile "about:config" ein und bestätigt den folgenden Warnhinweis. Im Suchfeld gibt man dann "dom.storage.enabled" ein und ändert dann durch einen Doppelklick auf den Eintrag den Wert auf False. Im Internet Explorer entfernt man in den Internetoptionen unter Erweitert - Sicherheit das Häkchen bei DOM-Storage aktivieren. Im Edge-Browser findet sich kein entsprechender Eintrag in den Einstellungen.

Der Umweg lohnt sich

Die IP-Adresse bleibt bei allen oben genannten Maßnahmen sichtbar. Um sie zu verschleiern, leitet man Verbindungen am besten verschlüsselt über Remote-Server um. Stehen diese im Ausland, wird so auch das sogenannte Geoblocking aufgehoben. Außerdem bieten VPNs Sicherheit bei der Nutzung offener WLANs. Gute und schnelle Angebote kosten Geld - je nach Anzahl der genutzten Geräte und Vertragsdauer meist monatlich etwa 4 bis 10 Euro. Das Angebot ist groß, Vergleichen lohnt sich. Beliebt ist unter anderem CyberGhost, das man in einer werbefinanzierten und langsameren Variante auch kostenlos ausprobieren kann. Etwas teurer, aber für sechs Geräte gleichzeitig nutzbar ist NordVPN, interessant ist auch Safer VPN, das sehr komfortabel zu handhaben ist.

Quelle: ntv.de

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