Technik

Gameplay deutlich verbessert Fifa 20 wird zum authentischen Zeitfresser

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Jadon Sancho schiebt ein: Der BVB-Kicker ist in Fifa 20 eine echte Waffe.

(Foto: EA)

Die beliebte Fußballsimulation geht in die nächste Runde: Fifa 20 belebt einen heißersehnten Modus für Straßenkicker wieder und verbessert an vielen Ecken das Gameplay. Zocker werden sich deutlich cleverer anstellen müssen - und auch mehr Zeit investieren.

Für Fifa-Jünger beginnt trotz nahendem Herbst die heißeste Zeit des Jahres, denn Electronic Arts (EA) bringt den neuesten Ableger der beliebten Fußballsimulation heraus. In Fifa 20 soll das böse Image suchtgefährdender Ingame-Käufe abgeschüttelt und durch authentischere Simulationen auf sattem Grün, abwechslungsreiche Spielmodi und einen hohen Spaßfaktor ersetzt werden. Das Unterfangen gelingt, mit Abstrichen. Denn das Spiel entwickelt sich zum echten Zeitfresser.

Aber was erst einmal zählt, ist auf dem Platz - und da kann EA in diesem Jahr punkten. Die Kanadier haben dem Spiel eine echte Entschleunigungskur verpasst, die tut dem Geschehen in den virtuellen Stadien dieser Welt aber sichtlich gut. Die Schnelligkeit der einzelnen Kicker ist nicht mehr das Non-plus-Ultra. Pace-Monster wie Kylian Mbappé oder Kingsley Coman bleiben zwar verdammt schnell, aber Körpereinsatz, Stellungsspiel und Taktik werden deutlich mehr Gewicht verliehen.

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Das zeigt sich beispielsweise bei Kopfballduellen. Das Timing ist hier besonders wichtig, um den Ball überhaupt zu erwischen und im besten Fall zum Mitspieler zu befördern. Aber auch am Boden hat sich einiges getan. Gevatter Zufall greift optisch nicht mehr so deutlich ins Geschehen ein. Waren bei den letzten Titeln der Fifa-Serie Zweikämpfe mehr oder minder vorhersehbar und oft ähnlich animiert, wirkt das Verhalten der Spieler im Kampf um das runde Leder nun abwechslungsreicher und authentischer. Selbst beim Grätschen und Tacklen kommt es viel stärker auf Ausrichtung zum Ball und das richtige Timing an.

CR7 kickt jetzt für Piemonte Calcio

Mit einer überarbeiteten Ballmechanik soll dem realen Fußball noch besser nachgeeifert werden und mehr spielerische Vielfalt möglich sein. Fifa-Zocker haben die Möglichkeit, den Ball auch einmal "dotzen" zu lassen. Ein gewollt holpriger Pass kann so über das Verteidigerbein springen. Am Effet haben die Entwickler ebenfalls ordentlich geschraubt. Sowohl im Spiel sind Torabschlüsse deutlich schwieriger auf die Kiste zu schlenzen, als auch bei Standards. Zielen, Dosieren und Anschneiden: Bei Freistößen lassen sich so die schönsten Flugkurven zeichnen, aber auch unkontrollierbare Flatterbälle a la Cristiano Ronaldo sind möglich. Wer den Bogen einmal raus hat, wird in diesem Fifa sehenswerte Tore erzielen.

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Zielen, Dosieren und Anschneiden

(Foto: EA)

Dazu gibt es noch zwei neue effektive Methoden, die zu Toren führen können. Beim "Strafe Dribbling" kann der Spieler den Ball eng und trotzdem schnell führen. Kombiniert mit Tricks wird diese neue Variante zur echten Offensivwaffe. Noch gefährlicher, aber auch schwieriger einzusetzen, ist der "Set Up Touch". Der Spieler legt sich dabei vor dem Abschluss den Ball in die richtige Position. Dabei springen oft sensationelle Tore heraus. Das Prozedere klingt einfach, die notwendige Tastenkombination ist es ebenfalls, die Bewegung ist aber insgesamt sehr langsam. Bedeutet: Ohne den ausreichenden Platz wird die Kugel ganz einfach vom Gegner abgefangen oder weggespitzelt.

Volta - neuer Modus setzt unter Strom

Die Neuerungen im Gameplay lassen sich sowohl in den bekannten Modi als auch im neuen Volta-Feature ausführen. Die frischere Variante vom beliebten Fifa Street ist das Mekka für Trickser und Hallenfetischisten. Der Modus überzeugt durch tolle Settings. Wer Bock auf Käfigzockerei in einer brasilianischen Favela oder auf einem Hochhausdach in Tokyo hat, der wird sich bei Volta pudelwohl fühlen. 3-gegen-3 oder 5-gegen-5, Tricks und Tore gibt es in diesem Modus am Fließband.

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Zocken am Zuckerhut - Volta bietet beeindruckende Schauplätze.

(Foto: EA)

Dazu ist Volta eine Art Ersatz für den Storymodus, der im letzten Teil seinen Abschlus gefunden hat. Es handelt sich zwar eher um ein ausgiebiges Tutorial, die Straßenkicker-Atmosphäre der "From-Zero-to-Hero"-Geschichte lohnt sich dennoch. Den eigenen Freestyler darf der Spieler besonders kreativ selbst gestalten. Der hohe Grad an Individualisierung ist in dieser detaillierten Fassung für Fifa-Spieler tatsächlich etwas ganz neues und endet in verrückten Frisuren und Outfits.

Was dem Spiel fehlt? Da wären einige Lizenzen zu nennen, die Konkurrent Pro Evolution Soccer (PES) dem Branchenprimus weggeschnappt hat. Juventus Turin gibt es in Fifa nicht. Über Lizenzen mit der Liga gibt es zwar alle Spieler um Ronaldo und Co, der Verein musste aber in Piemonte Calcio umbenannt werden. Auch die Allianz-Arena des FC Bayern München wurde durch eine exklusive Partnerschaft des Rekordmeisters mit PES aus Fifa verbannt. Dazu kommen noch einige Vereine aus Südamerika, die unter einem anderen Vereinsnamen laufen.

Auf den Spuren von Fortnite

Einen Videobeweis im wortwörtlichen Sinne gibt es im neuen Fifa auch nicht, schließlich waren Schiedsrichterentscheidungen ohnehin stets per Superzeitlupe einsehbar, wenn auch nicht immer nachvollziehbar. Eine entscheidende neue Regel aus dem Weltfussball hat ebenfalls keine Einkehr bei EA gefunden. Die eigenen Mitspieler beim Abstoß im Strafraum anzuspielen, ist nicht möglich.

Fifa und das "Pay to win"-Problem

Im "Ultimate Team"-Modus kann echtes Geld eingesetzt werden, um Packs mit Spielern und anderen Objekten zu öffnen. Der Inhalt ist immer eine Überraschung und sorgt für emotionale Momente. Wer mehr Geld investiert, kann sich schneller ein gutes Team zusammenstellen, um Onlinepartien zu seinen Gunsten zu entscheiden. Für dieses "Pay to win"-Prinzip ernten die Entwicklern stets Kritik. In Fifa 20 können Spieler Belohnungen und Packs auch über bestimmte Aufgaben erhalten - dafür müssen sie aber sehr viele Spiele absolvieren.

Die fehlenden Lizenzen fallen in Fifas "Ultimate Team"-Modus (FUT) nicht wirklich auf. Es geht ja schließlich um die Kicker und weniger um die Vereine dahinter. Für FUT-Spieler wurde der Modus etwas aufpoliert. Das Prinzip "Pay to win" weicht ein wenig dem "Play to win". Dafür hat EA eine Art Saisonpass eingerichtet, in dem die Spieler Belohnungen für erspielte Fortschritte erhalten. Den gleichen Ansatz verfolgt auch Fortnite.

Doch genau hier muss man aufpassen: FUT ist zwar nur eine Variante in Fifa, für viele Zocker aber auch "der" Modus schlechthin. Und der Zeitaufwand, der nötig ist, um prestigeträchtige Karten oder Objekte zu erspielen, ist enorm. Was die Spieler nicht vom Echtgeldkonto ins Spiel investieren wollen, können sie so vom Zeitkonto ihres Lebens abziehen.

Dabei gibt es zu den Online-Duellen um Coins und Belohnungen unterhaltsame Alternativen, die jeden Zockerabend mit Freunden bereichern. So können im Survival-Modus nach Toren Spieler des Gegners eliminiert werden, Kopfballtore und Volleys doppelt zählen, oder Abseits, Fouls und Karten werden gleich ganz weggelassen.

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Neu sind in diesem Fifa die Varianten "Mystery Ball" und "King of the Hill". Bei ersterem bekommt der Spieler in Ballbesitz einen extremen Boost - entweder beim Schießen, Passen, Tempo oder Dribbling. Die Unterschiede zum Gegenspieler sind dabei wirklich enorm. Das führt zum temporeichen und offenen Schlagabtausch. Dabei gewinnt dann auch nicht unbedingt der bessere Fifa-Spieler.

Wer den traditonellen Duellen weiter fröhnt, von dem wird in Fifa 20 aber deutlich mehr Skill abverlangt. Die künstliche Intelligenz der Mitspieler ist vor allem in der Defensive nicht mehr so proaktiv wie im Vorgänger, das zwingt zum Mitdenken und gedankenschnellem Handeln. Da EA gewöhnlich bereits nach einer Woche einen umfassenden Patch raushaut, kann sich das Gameplay - wie im letzten Jahr - noch einmal deutlich ändern. Für den Start ist den Entwicklern aber der nächste Schritt gelungen, Spieler auf der ganzen Welt etwas glücklicher zu machen.

 

Quelle: n-tv.de

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