Technik

Das hat man noch nicht gesehen HTC Vive ist die Zukunft der virtuellen Realität

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Mit der HTC Vive bekommt virtuelle Realität eine ganz neue Qualität.

(Foto: kW)

Wer die HTC Vive ausprobiert, findet VR-Brillen mit Smartphone vielleicht nur noch langweilig. Das Gerät, das die Taiwaner zusammen mit Spiele-Großmeister Valve entwickelt haben, zeigt virtuelle Realität, wie man sie bisher nur aus Science-Fiction-Filmen kannte.

Die Überraschung war groß, als HTC bei seiner MWC-Pressekonferenz in Barcelona auch eine VR-Brille vorstellte, die das Unternehmen zusammen mit Spiele-Entwickler Valve noch in diesem Jahr zur Marktreife bringen will. Sie heißt Re Vive oder einfach nur Vive. Wie sie funktioniert, deuteten die Taiwaner lediglich an. Klar war nur, dass das Gerät mit einem kräftigen Gaming-Computer verbunden ist und nicht mit einem Smartphone als Display und Recheneinheit arbeitet. Einige wenige Journalisten durften aber zwei Tage nach der Premiere eine erste Demo spielen, oder besser gesagt: erleben. Auch n-tv.de tauchte in die virtuelle Realität der HTC Vive ein.

Der Demo-Raum auf dem HTC-Messestand misst etwa 4 x 4 Meter, ist weiß und weitgehend leer. In der Mitte liegen eine VR-Brille, Kopfhörer und zwei Controller, die ein wenig aussehen wie Griffe von Skistöcken. An einer Seite steht ein Computer, mit dem die Vive per HDMI-Kabel verbunden ist. Auf Deckenhöhe befinden sich außerdem noch zwei kleine Laser-Boxen an den Wänden. Sehr viel unscheinbarer kann ein Demo-Raum nicht sein, aber sobald man die Brille aufsetzt, befindet man sich in einer Zauberwelt, die einer virtuellen Realität so nahe kommt, wie es außerhalb von Labors bisher kaum möglich war.

Die Demo beginnt mit einem leichten Tutorial, um den Umgang mit den Controllern zu lernen. Sie haben jeweils ein rundes Touchpad für den Daumen, darunter ein Knopf, dazu Tasten für die Zeigefinger. Außerdem sitzen auf den Controllern viele kleine, leicht spiegelnde Quadrate, die auch auf der Außenseite des Headsets in Vertiefungen zu finden sind - möglicherweise Fotozellen. Über sie kann der Computer jederzeit die exakte Position des Brillenträgers und der Controller erfassen, da sie die Strahlen der Laser-Boxen reflektieren, die den Raum abtasten.

Luftballons sind nur der Anfang

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Diese Vive ist noch ein Prototyp, aber schon sehr bequem zu tragen.

(Foto: kW)

In der ersten Übung muss man mit einem Druck auf die Daumen-Taste einen Luftballon aufblasen, den man dann mit einem Controller durch die Luft schubsen kann. Schon das sieht sehr realistisch aus und man glaubt fast, den Ballon spüren zu können. Im Raum kann man sich dabei völlig frei bewegen. Erreicht man eine Wand, blendet das Display der HTC Vive ein Gitternetz ein, um blaue Flecken zu vermeiden. Im Gegensatz zu VR-Brillen, die mit Smartphones arbeiten, gibt es keine Schwindelgefühle oder gar Übelkeit, da die Bewegungen absolut exakt und verzögerungsfrei laufen und das Gehirn mit der künstlichen Realität problemlos zurechtkommt.

Dann beginnt der Spaß richtig und man kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Plötzlich steht man unter Wasser auf einem Schiffswrack, kann es bis zur Reling erkunden, in die Tiefe blicken oder oben die weit entfernte Oberfläche sehen, durch die Sonnenstrahlen das Blau des Meeres erleuchten. Kleine Fische wimmeln um den virtuellen Taucher und nehmen Reißaus, wenn er nach ihnen greift. Gerade blickt man noch fasziniert auf ein zerschelltes Flugzeug, das neben dem Schiff in einer Felsspalte auf dem Grund liegt, da zwingt ein dunkler Schatten den Blick zur Seite, wo ein mächtiger Blauwal erscheint und zum Greifen nahe an dem Wrack vorbeigleitet. Die Full-HD-Grafik ermöglicht dabei eine sehr detaillierte virtuelle 3D-Realität, wie man sie sonst nur von aktuellen Videospielen kennt. Man steht förmlich Auge in Auge mit dem riesigen Meeressäuger, dem ebenso majestätisch und realistisch ein paar Mantarochen folgen.

Virtuelle Küchenschlacht

Danach wird die Demo interaktiver, man darf in einer virtuellen Küche versuchen, Obst und Gemüse zu schneiden oder ein Ei in eine Pfanne zu schlagen. Wenn man möchte, kann man es auch über seinen Kopf werfen, sich schnell um 180 Grad drehen und dann auffangen. Schafft man es nicht, zerschellt es auf dem Boden - eben wie in einer richtigen Küche.

Im nächsten Moment befindet man sich im Zentrum einer Schlacht auf einem Modelltisch, in der Spielzeugsoldaten mit seltsamen Panzern und Flugschiffen versuchen, eine Festung zu erobern. Die HTC Vive erlaubt es, ganz nahe an die kleinen Kämpfer heranzutreten und sich wie Gulliver zu ihnen herabzubeugen. Dabei fliegen einem die Geschosse um den Kopf und man erwartet, sie jeden Moment wie kleine Nadelstiche im Gesicht zu spüren. Geht man in die Hocke, taucht man durch das Schlachtfeld ab und kauert unter dem Tisch. Wow!

Mitten im Kunstwerk

Der zauberhafteste Teil der Vive-Demo ist das Malprogramm. Dabei kann der Spieler auf der linken Hand Farben und Pinselspitzen auswählen, indem er sie mit der rechten einfach nimmt. So ist es möglich, wilde Formen in die Luft zu malen, Blätter und Schnee rieseln zu lassen, seinen Namen zu schreiben oder je nach Talent auch ein buntes, leuchtendes dreidimensionales Kunstwerk zu schaffen und darin einzutauchen. Faszinierend und wunderschön, man möchte damit gar nicht mehr aufhören.

Nach einer knappen halben Stunde nähert sich die Vive-Demo aber schon ihrem Höhepunkt, wenn man sich in der verrückten Welt von Valves wundervollen Portal-Spielen befindet. Hier ist die Grafik einfach atemberaubend gut und man ist so begeistert von all den Details und der Tiefe des "Enrichment Center", dass es kaum möglich ist, den Anweisungen des durchgeknallten Hauptrechners GLaDOS zu folgen. Man ist in Portal, mittendrin! Man darf zwar keinen Ausgang suchen und Portale in die Wände schießen. Aber man sollte trotzdem auf GLaDOS hören, denn es gilt, einen der beiden Roboter zu reparieren, indem man an den richtigen Stellen die richtigen Handgriffe vornimmt. Das geht natürlich völlig schief und nachdem einem unter den virtuellen Händen alles auseinander gefallen ist, zieht GLaDOS erwartungsgemäß die Konsequenzen und die Demo ist zu Ende.

Schon im Laufe des Frühjahrs bringen HTC und Valve die Vive Developer Edition auf den Markt und bereits Ende des Jahres sollen Endkunden das Gerät aufsetzen können. Hält sie das, was die Demo verspricht, wird die HTC Vive umwerfend. Welche Möglichkeiten sie hat, kann man schon ahnen, und mit Valve als Partner hat HTC allerbeste Chancen, die Speerspitze der virtuellen Realität im Massenmarkt zu werden.

Quelle: n-tv.de

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