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Valves Plattform wächst und wächst Das bedeutet die Steam-Offensive

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Die Steam Link Box ist optisch zurückhaltend.

(Foto: Valve)

Valve geht in die Wohnzimmer-Offensive: Die Steam Machines und Controller erscheinen im November, als günstige Alternative eine Set-Top-Box. Dazu kommt eine Virtual-Reality-Brille. Beginnt bei Sony und Microsoft jetzt das große Schlottern?

Es war lange still um Valve Software und seine Steam-Hardware, doch auf der Games Developer Conference (GDC) in San Francisco ließ das US-Unternehmen wissen: Wir haben unsere Pläne nicht nur beibehalten, sondern um einiges ausgebaut. Valve kündigt für das Weihnachtsgeschäft Steam Link an, eine günstige Streaming-Box für den Fernseher.

Valve Software und Steam

Valve war zunächst nur Spieleentwickler und brachte Klassiker wie Half-Life oder Portal heraus. Allerdings setzte das Unternehmen aus Seattle früh auf digitalen Vertrieb von Software und ist mit seiner Plattform Steam unangefochtener Marktführer im Spielesegment.

Valve konzentriert sich auf PC, Mac und in letzter Zeit verstärkt auf Linux.

Zuvor hatte bereits HTC enthüllt, dass es gemeinsam mit Valve die Steam VR-Brille Vive entwickelt hat, die ebenfalls zum Ende des Jahres erhältlich sein soll. Im November werden auch die ersten Steam Machines in den Verkauf kommen.

Valves digitale Vertriebsplattform Steam ist eigenen Angaben zufolge in den vergangenen 12 Monaten um 50 Prozent gewachsen. Nun fährt das Unternehmen eine breite Produktoffensive, um sich auf dem Hardwaremarkt zu positionieren. Was bedeutet das für den Nutzer und sein Wohnzimmer?

Steam Link?

Steam Link ist eine Set-Top-Box für den Fernseher. Die ist Teil des Heimnetzwerks und kann jegliche Spiele vom eigenen PC auf den Fernseher streamen. Dies geschieht Valve zufolge in Full HD, also 1920 mal 1080, sowie 60 Hertz Bildwiederholungsrate und sehr geringer Zeitverzögerung. Das Problem der Steuerung wird mit dem bereits seit einiger Zeit angekündigten Steam Controller gelöst. Der ist völlig frei konfigurierbar und damit auch problemlos für Titel verwendbar, die eigentlich keine Steuerung per Gamepad vorsehen. Steam Link wird einen HDMI- und drei USB-Anschlüsse haben.

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Strom-, USB-, Netzwerk- und HDMI-Anschluss - mehr braucht die Box nicht.

(Foto: Valve)

In den USA wird Steam Link 50 Dollar kosten, ebenso der Controller. Beides soll ab November erhältlich sein. Die Preise für den europäischen Markt hat Valve noch nicht verraten, aber vermutlich bleiben die Zahlen identisch. Für etwa 100 Euro wird es also die Möglichkeit geben, alle PC-, Mac- und Linux-Spiele auf dem Fernseher zu spielen, die ohnehin schon in der eigenen digitalen Bibliothek schlummern.

Steam Machines?

Steam Machines sind PCs, die mit dem kostenlosen Linux-Betriebssystem SteamOS betrieben werden. Valve setzt Linux entsprechend auf Offenheit, jeder kann sich seine eigene Version bauen. Neben Linux-Spielen kann sie zudem PC- und Mac-Titel vom Rechner streamen. Eine Steam Machine ist also eine eigenständige Spielekonsole plus die Funktionalität von Steam Link.

SteamOS soll gratis und von jedem anpassbar sein. Dazu gehören auch Hardwarehersteller, die nun offiziell im November mehr als ein Dutzend Steam Machines auf den Markt bringen werden. Die günstigsten Preise sollen zwischen 350 und 400 Dollar liegen - und mehr Rechenkraft mitbringen als PS4 oder XOne, sagt Valve. Auch Spiele in Ultra HD wird möglich sein.

Vive und SteamVR?

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Für Vive wird es zusätzliche Controller geben.

(Foto: HTC)

Oculus trat die Virtual-Reality-Welle im Spielebereich los, inzwischen bieten auch Unterhaltungselektronikriesen wie Samsung VR-Brillen an. Nun kommt HTC dazu, das auf der GDC in Zusammenarbeit mit Valve seine Brille Vive vorgestellt hat. Die Kopfposition soll laut HTC bis auf ein Zehntel Grad genau bestimmt werden können. Mit Hilfe zusätzlicher Hardware wird auch die Position des Körpers in einem etwa 4,5 Meter mal 4,5 Meter großen Bereich ständig erfasst. Die Auflösung wird für jedes Auge 1200 mal 1080 Pixel betragen, die Bildwiederholungsrate liegt bei 90 Hertz.

Im Frühjahr wird eine Entwicklerversion von Vive verfügbar sein, eine Verkaufsversion zum Weihnachtsgeschäft. Einen Preis haben HTC und Valve nicht genannt. Es gibt auch noch keine Informationen dazu, ob und welche Spiele unterstützt werden. Allerdings wirbt Valve bei Entwicklern dafür, die Schnittstelle SteamVR zu nutzen und zeigte auf der GDC bereits einige Demo-Anwendungen.

Der Sinn ist zurück

Je länger die Spielkonsolen neuer Generation auf dem Markt sind, desto trüber wird der Ausblick auf die zuvor angekündigten Steam Machines. Die Entwicklung habe schlicht zu lange gedauert, der Markt für neue Hardware bereits wieder gesättigt, sagen Kritiker. Das klingt nachvollziehbar, insbesondere wegen der hohen Preise für leistungsfähige Steam Machines, die vollwertigen PCs entsprechen.

Mit der günstigen Variante Steam Link hat Valve jetzt jedoch die mögliche Zukunft seiner digitalen Vertriebsplattform Steam aufgezeigt. Wer bereits eine Spielesammlung auf dem PC besitzt, wird eher 100 Euro für ein bisschen zusätzliche Hardware ausgeben, statt sich für mehrere Hundert Euro eine PS4 oder XOne plus zusätzliche Software anzuschaffen.

Sobald Valve seine Set-Top-Hardware fürs Wohnzimmer etabliert hat, könnte das Unternehmen auch in weitere Unterhaltungssegmente mit seiner Vertriebsplattform vorstoßen, etwa Filme und Serien. Damit wäre Steam endgültig ein vollwertiger Konkurrent für Sonys Playstation Network und Microsofts Xbox Live werden. Eine zusätzliche Spielkonsole ließe sich da fast nur noch mit Exklusivtiteln rechtfertigen.

Quelle: n-tv.de

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